Unternehmen

Ford liefert in der Türkei erste E-Nutzfahrzeuge aus - und will das Land zu einem neuen E-Hotspot ausbauen

Alle denken beim Thema E-Mobilität überwiegend nur an Tesla in Ostdeutschland. Doch hat der US-Autobauer Ford in der Türkei ähnliche Pläne - und die sind gigantisch.
08.04.2022 13:56
Aktualisiert: 08.04.2022 13:56
Lesezeit: 2 min
Ford liefert in der Türkei erste E-Nutzfahrzeuge aus - und will das Land zu einem neuen E-Hotspot ausbauen
Der vollelektrische Ford Transit mit Solarpanelen auf dem Dach. (Foto: dpa) Foto: Peter Dejong

Der größte Hersteller von Nutzfahrzeugen in Europa, der US-Autobauer Ford, hat am Freitag in seinem Werk in der nordwesttürkischen Provinz Kocaeli damit begonnen, die ersten vollelektrischen Transporter der Marke "E-Transit" auszuliefern. Wie das Unternehmen in einer Erklärung mitteilt, haben die Kunden bereits mehr als 5.000 Exemplare bestellt. Deswegen läuft die Herstellung gleich zu Beginn mit voller Auslastung.

Damit macht Ford einen wichtigen Schritt, um sein Modell "Transporter" zu elektrifizieren. Die Strategie sieht vor, dass der E-Transit bis 2024 durch vier weitere neue vollelektrische Modelle der Transit-Familie ergänzt wird. Ford will beim Verkauf von Nutzfahrzeugen bis 2035 Klimaneutralität erreichen. "Dies ist ein großer Transformationsschritt am Standort Kocaeli, hin zu einem bedeutenden Zentrum zur Herstellung von elektrifizierten Ford-Nutzfahrzeugen für europäische Märkte", sagte der Vertreter von Ford, Hans Schep.

"Wir verstehen den Fertigungsbeginn als echten Meilenstein und wir sehen, dass wir eine zunehmend relevante Rolle in der Elektrifizierungsstrategie von Ford einnehmen", sagte Güven Özyurt, General Manager von Ford Otosan, der türkischen Tochter von Ford, die das Werk betreibt. "Wir glauben, dass mit der Elektrifizierung des legendären Transit-Modells ein wichtiger technologischer Schritt erfolgt ist und dass sich Ford Otosan zu einer zentralen Produktionsbasis für elektrifizierte Nutzfahrzeuge in Europa entwickeln kann", fügte der Manager hinzu.

Wie sehr Ford auf die Türkei als Produktionsstandort für E-Nutzfahrzeuge setzt, wird auch an den Investitionsvolumina deutlich, die der US-Autobauer in das Otosan-Werk gesteckt hat: So haben die US-Amerikaner zwei Milliarden Euro in das Werk investiert. Zusätzlich haben sie die Anzahl der Beschäftigten auf rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht. Ziel ist die generelle Steigerung der Produktionskapazität, auch hinsichtlich des "Ford Transit Custom" der nächsten Generation - eines Kleintransporters, der seit der zweiten Hälfte 2012 angeboten wird.

Darüber hinaus rüstet Ford bei der Produktion von E-Batterien auf. So hat der Hersteller eine Absichtserklärung mit dem türkischen Industriekonglomerat Koç Holding und dem südkoreanischen Batterie-Produzenten SK On Co unterzeichnet, um ein neues Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Die Partner wollen die größte EV-Batterieanlage in Europa errichten. Die Produktion soll bereits Mitte des Jahrzehnts mit einer jährlichen Kapazität von voraussichtlich 30 bis 45 Gigawattstunden starten.

Ford plant größte E-Batteriefabrik in Europa

Wenn die Unternehmen tatsächlich ihr Projekt umsetzen, dann wäre das neue Batterie-Werk bis zu dreimal leistungsfähiger als die neue Fabrik in Thüringen, die gerade der chinesische Produzent CATL baut. Mit einer jährlichen Leistung von 14 Gigawattstunden soll dieser Betrieb sogar die größte E-Batteriefabrik Europas werden. Dafür haben die Chinesen gerade die zweite Teilgenehmigung erhalten. Die Investitionsvolumina liegen hier bei 1,8 Milliarden Euro. In der zweiten Jahreshälfte soll die Herstellung beginnen. Insgesamt werden hier 2.200 Arbeitsplätze geschaffen.

Allerdings existiert die neue Fabrik für E-Batterien, die Ford und seine Partner in der Türkei hochziehen wollen, zunächst nur in den Köpfen der Verantwortlichen. Bis es erst soweit ist, werden noch Jahre vergehen. In jedem Fall verspricht die erste Auslieferung von E-Transportern, die der US-Autobauer in Kocaeli gerade in Angriff genommen hat, ein lukratives Geschäft. Denn der Markt für E-Nutzfahrzeuge wird zwischen 2020 und 2028 pro Jahr um 41,1 Prozent regelrecht explodieren. Das haben die Analysten des "Marketsandmarkets" (MAM) errechnet. Die Fachleute sagen, dass die Autobauer 2020 129.000 E-Nutzfahrzeuge ausgeliefert haben. In den kommenden sechs Jahren sollen es mehr als zwei Millionen sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Steuerfalle Online-Slots: Wie die 5,3-Prozent-Abgabe Spieler in den Schwarzmarkt treibt

Seit Mitte 2021 besteuert Deutschland virtuelle Automatenspiele auf den Einsatz statt auf den Gewinn. Ökonomen warnen, dass dieses Modell...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Was könnte billiger werden, wenn der Krieg im Iran tatsächlich zu Ende geht?
18.06.2026

Eine belastbare Waffenruhe zwischen den USA und Iran könnte die Rohstoffmärkte deutlich entlasten. Neben Öl und Gas wären auch Dünger,...

DWN
Politik
Politik Rente, Steuern, Flüge — was sich im Juli ändert
18.06.2026

Wer kann sich über mehr Geld freuen, und was ist neu beim Online-Shopping? Der Juli bringt Änderungen für Millionen Deutsche.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Aughinish Alumina: Die Raffinerie in russischem Besitz, auf die Europa nicht verzichten kann?
18.06.2026

Die irische Raffinerie Aughinish Alumina gehört dem russischen Konzern Rusal und ist zugleich für Europas Aluminiumversorgung zentral....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX fällt zum ersten Mal seit dem Börsengang, während die CME Group ihren CEO verliert
17.06.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street bringt unerwartete Wendungen für Anleger.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie vorm Dauerabsturz? Autokonzern existenzgefährdet - VW-Bosse schlagen Alarm
17.06.2026

Hiobsbotschaft vor der Hauptversammlung: Bei Volkswagen bewertet das Top-Management die Lage des Autokonzerns als schlecht – und zwar...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
17.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid: Warsh ignoriert Trump - US-Notenbank lässt Leitzins unverändert
17.06.2026

Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Das dürfte vor allem US-Präsident Trump ärgern, der mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Baumarktkette Hellweg meldet Insolvenz an: 2900 Mitarbeiter betroffen
17.06.2026

Hellweg meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an: Alle Filialen und der Online-Shop des Dortmunder Unternehmens bleiben vorerst geöffnet....