Finanzen

Will die Politik der Deutschen Bank den Garaus machen?

Deutsche-Bank-Vize-Chef Karl von Rohr hat die Politik davor gewarnt, Eigenkapitalregeln für Banken angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Situation strenger zu gestalten. Doch offenbar ist ein großer Schlag gegen die Deutsche Bank und alle anderen deutschen Großbanken beschlossene Sache.
16.04.2022 21:25
Aktualisiert: 16.04.2022 21:25
Lesezeit: 1 min
Will die Politik der Deutschen Bank den Garaus machen?
Aktionäre gehen in Frankfurt am Main (Hessen) vor Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank an einem Logo des Unternehmens vorbei. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Deutsche-Bank-Vize-Chef Karl von Rohr hat die Politik davor gewarnt, Eigenkapitalregeln für Banken angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Situation strenger zu gestalten. „Jetzt manche dieser Instrumente noch zu verschärfen, halten wir nicht für sinnvoll“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Man dürfe gerade in der aktuellen Situation nicht die Balance verlieren.

Lesen Sie auch: Deutsche Bank warnt vor Rezession, Börsen-Crash um 20 Prozent und „harter Landung“

„Für jeden Euro, den wir nicht aufgrund regulatorischer Vorgaben als zusätzliches Eigenkapital vorhalten oder in den europäischen Abwicklungsfonds einzahlen müssen, können wir je nach Art und Besicherung des Kredits zwischen 20 und 40 Euro an zusätzlichem Kreditvolumen ausreichen.“ Deutschlandweit seien das für alle Banken nach Schätzungen der Deutschen Bank bis zu 700 Milliarden Euro an potenziellem Kreditvolumen, das aufgrund verschiedener Vorschriften nicht für Unternehmen zur Verfügung stehen würde.

Der Vize-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank blickt mit Sorge auf die hohen Inflationsraten. „Unsere Prognose ist, dass wir im Laufe des Jahres bei einer Inflationsrate von 7 bis 8 Prozent liegen werden. Für den Fall, dass die Energieimporte stärker limitiert werden, könnten wir sogar 10 Prozent und mehr sehen“, sagte er der Zeitung. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir Inflationsraten bekommen könnten, wie wir sie seit den Siebzigerjahren nicht mehr gesehen haben.“

Mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hält von Rohr baldige Zinserhöhungen für „dringend erforderlich“, „damit die Inflationserwartungen sich nicht auf hohem Niveau verfestigen“.

Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen, den Leitzins von null Prozent trotz anhaltend hoher Inflationsraten beizubehalten. Der Leitzins im Währungsraum der 19 Länder liegt seit nunmehr rund sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent.

Weiterhin stellte von Rohr ein Ende der Strafzinsen für Sparer in Aussicht. „Sobald die Notenbank auf Negativzinsen verzichtet, wird es auch für uns keinen Grund mehr geben, im Privatkundengeschäft Verwahrentgelte zu erheben. Das sollte dann ziemlich schnell gehen“, sagte er.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Unternehmen
Unternehmen Vertrauensarbeitszeit: Wann Überstunden erlaubt sind
03.01.2026

Vertrauensarbeitszeit verspricht Freiheit und Flexibilität, doch sie birgt rechtliche Fallstricke. Besonders bei Überstunden herrscht oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Forschungszulage 2026: Bis zu 4,2 Mio. Euro Förderung für Betriebe
03.01.2026

Mit höheren Fördersätzen und pauschalen Gemeinkosten wird die Forschungszulage zu einem der wirkungsvollsten Wettbewerbshebel für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Job Rotation: Wie Unternehmen mit Mitarbeiter-Rotation die Monotonie besiegen
03.01.2026

Arbeitgeber werden permanent vor die Herausforderung gestellt, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn: Viele wünschen sich Weiterentwicklung und...

DWN
Finanzen
Finanzen 4 Kriterien bei der Aktienauswahl: Eine erfolgreiche Strategie für nachhaltige Investments
03.01.2026

Viele Anleger verlieren sich bei der Aktienauswahl in Zahlen und Prognosen, ohne bessere Ergebnisse zu erzielen. Lässt sich der...

DWN
Panorama
Panorama Vorsätze der Deutschen: Mehr Zeit mit Familie und Freunden
03.01.2026

Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen die vergangenen Monate Revue passieren – und fassen neue Vorsätze. Die meisten bleiben dabei den...

DWN
Panorama
Panorama Himmelsspektakel im neuen Jahr: Totale Sonnenfinsternis zieht im August über Europa
03.01.2026

Ein seltenes astronomisches Ereignis wirft seine Schatten voraus: Am 12. August 2026 verdunkelt der Mond weite Teile der Sonne und sorgt...

DWN
Technologie
Technologie KMU und die KI-Frage: Weitertrainieren, proprietär bleiben oder Open Source?
03.01.2026

Nach der Testphase wird es ernst für den Mittelstand. Wer generative KI dauerhaft wirtschaftlich und unabhängig betreiben will, muss...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street beginnt das Jahr 2026 mit einem verhaltenen Anstieg
02.01.2026

Der US-Aktienmarkt startete mit einem moderaten Anstieg in das Jahr 2026, doch blieben die Anleger nach einem starken Jahr vorsichtig und...