Wirtschaft

Heimliche Abnehmer trotz Sanktionen? Russland liefert jetzt Öl zu "unbekannten Zielen"

Anscheinend gibt es Länder, die klammheimlich Unmengen russischen Öls importieren.
22.04.2022 17:01
Aktualisiert: 22.04.2022 17:01
Lesezeit: 1 min

Es gibt Länder, die ihre Importe russischen Öls vollständig oder schrittweise einstellen. Dann gibt es auch solche, die dies nicht vorhaben und das auch so kommunizieren. Anscheinend gibt es aber auch Länder, die klammheimlich russisches Öl importieren, dies aber nicht kommunizieren. Zuerst aufgefallen ist das dem Wall Street Journal, das sich in einem kürzlich erschienen Artikel zum Thema auf Daten eines Portals berief, das Transparenz im Rohölhandel verspricht und dementsprechend Öl-Lieferungen verfolgt.

Gemäß dieser Daten soll russisches Öl zunehmend zu "unbekannten Zielen" verschifft werden – während vor der russischen Invasion der Ukraine fast gar kein russisches Öl in Richtung unbekannter Ziele exportiert worden sein soll. Allein im April seien so bereits über 11,1 Millionen Barrel Öl auf Tanker mit ungewissen Zielen geladen worden. Damit würde Russland nun mehr Öl an heimliche Abnehmer verkaufen, als an irgendein anderes Land, wie die Autorin des Artikels, Anna Hirtenstein, betont.

Hirtenstein erklärt: "Die Verwendung der Kennzeichnung 'unbekanntes Ziel' ist ein Zeichen dafür, dass das Öl auf größere Schiffe auf See gebracht und dort entladen wird, so Analysten und Händler. Das russische Rohöl wird dann mit der Schiffsladung vermischt, um zu verheimlichen, woher es stammt." Dies sei eine altbekannte Praxis, mit Hilfe derer sanktionierte Länder wie Iran und Venezuela in der Vergangenheit bereits Exporte durchgeführt hätten.

In Europa scheinen sich die Hinweise auf einen nahendes Öl-Embargo gegen Russland indes zu verdichten. So hat die EU laut Berichten der New York Times bereits mit der Ausarbeitung ihres Vorschlags für ein solches, wahrscheinlich ähnlich dem Kohle-Embargo schrittweise einzuführendes Embargo begonnen. Die US-Großbank JPMorgan warnt unterdessen vor einem Anstieg des Preises für Brent-Rohöl von etwa 65 Prozent. Wenn die EU es tatsächlich ernst damit meine, so zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg die Bank, solle sie sich dementsprechend auf "heftige Schmerzen" gefasst machen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Raffinerien schließen: Warum sogar Hähnchen teurer werden
06.11.2026

Europa verliert Raffinerien und damit einen Rohstoff, ohne den zahlreiche Industriezweige nicht auskommen. Die Schwefelknappheit lässt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...