Finanzen

Vorboten der Krise: Großinvestoren treten die Flucht ins Bargeld an

Große Fonds und Vermögensverwalter ziehen sich aus dem Aktienmarkt zurück und setzen zunehmend auf Cash.
19.05.2022 11:44
Lesezeit: 2 min

Große Fonds und Vermögensverwalter haben ihre Bargeld-Bestände so stark aufgestockt wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Beobachter werten die Flucht ins Bargeld als Hinweis darauf, dass viele Unternehmen mit einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und weiteren Kursverluste an den Aktienmärkten rechnen.

Wie die Financial Times unter Bezugnahme auf eine Umfrage der Bank of America berichtet, ist der Anteil von Bargeld und Tagesgeldern in den Portfolien weltweit agierender Vermögensverwalter auf über 6 Prozent angestiegen. Die Bank hatte 288 Investoren befragt, die ein Gesamtvolumen von mehr als 830 Milliarden Dollar für Rentenfonds, Hedgefonds, Versicherungen und Vermögensverwalter anlegen.

Die Verlagerung der Anlagen hin zu Bargeld, die typischerweise in Zeiten erhöhter Risikoaversion auftritt, fällt mit einer deutlichen Eintrübung der Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensgewinne zusammen. 66 Prozent der befragten Fondsmanager gaben im Mai an, dass sie mit Rückgängen bei den Unternehmensgewinnen rechnen, ein Tiefstwert, der bislang nur in Krisenzeiten auftrat - etwa beim Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 und nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

Die US-amerikanischen Aktienmärkte hatten in den vergangenen Wochen deutliche Kursverluste verzeichnet. Auffällig war der Rückzug von Geldgebern aus dem bislang hoch geschätzten Technologiesektor. Dort sind die Kurse vieler extrem hoch bewerteter, aber wirtschaftlich nicht gut aufgestellter Firmen teilweise massiv eingebrochen.

In den vergangenen 14 Jahren wurden Technologie-Titel von Investoren stets „übergewichtet“. Nun kam es im Mai erstmals zu einer deutlichen „Untergewichtung“ von minus 12 Prozent - ein klarer Strukturbruch im Anlageverhalten.

Den Hintergrund für die negativen Prognosen zum Aktienmarkt und den Unternehmensgewinnen stellt die andauernd hohe Inflation dar. Inzwischen wird es immer offensichtlicher, dass die US-Zentralbank Federal Reserve versuchen wird, dem Preisauftrieb mit deutlichen Zinserhöhungen zu begegnen. Höhere Zinsen jedoch sind Gift für die extrem überschuldeten Unternehmen und Bürger in den USA, welche die Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren sprichwörtlich „auf Pump“ über Wasser hielten. Eine von der geldpolitischen Straffung ausgelöste Rezession erscheint deshalb immer mehr Beobachtern als wahrscheinlich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall-Aktie unter Druck: Umsatz steigt stark, Prognose sinkt
05.11.2026

Rheinmetall wächst kräftig und steigert Umsatz sowie operatives Ergebnis deutlich. Trotzdem senkt Deutschlands größter Rüstungskonzern...