Deutschland

DIHK: Stimmung in der deutschen Industrie massiv eingebrochen

Die deutsche Wirtschaft blickt äußerst pessimistisch in die Zukunft. Ein Drittel der von der DIHK befragten Firmen rechnet mit noch schlechteren Geschäften.
20.05.2022 11:10
Lesezeit: 2 min
DIHK: Stimmung in der deutschen Industrie massiv eingebrochen
Die deutsche Industrie ist derzeit in äußerst schlechter Stimmung. (Foto: dpa) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Die deutsche Wirtschaft blickt deutlich pessimistischer in die Zukunft. Das meldet das Handelsblatt am Freitag unter Berufung auf die Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Ein Drittel der befragten 25.000 Firmen rechnet demnach in den nächsten zwölf Monaten mit noch schlechteren Geschäften. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Besserung.

Der DIHK rechnet demnach für 2022 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von maximal 1,5 Prozent. Die hohen Energiepreise bedrohten langfristig vor allem die Grundstoffindustrie. "Wir müssen aufpassen, dass hier nicht etwas ins Rutschen gerät und wir Kernbranchen verlieren", so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Besonders betroffen ist die Industrie. "Einen solchen Stimmungseinbruch haben wir in der Industrie bislang nur während der Finanzkrise und beim ersten Lockdown erlebt", so Wansleben. Laut DIHK-Umfrage erwarten 37 Prozent der Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten, nur 14 Prozent eine Verbesserung. Nur der Bausektor sei noch pessimistischer.

Das arbeitgebernahe Institut IW rechnet für 2022 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von knapp 1,75 Prozent. Es erwartet erst für Ende des Jahres oder 2023 eine Konjunkturerholung. Die Verunsicherung bei Firmen und Verbrauchern sei etwa durch Produktionsstörungen und steigende Preise groß, erklärten die Kölner Forscher zu ihrer Prognose.

Lieferschwierigkeiten aufgrund der erneuten Restriktionen in China zeigten, dass die Risiken der Corona-Pandemie längst nicht ausgestanden seien, sagte IW-Direktor Michael Hüther: "Gleichzeitig schwebt über allem das Damoklesschwert eines Gas-Lieferstopps aus Russland."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will Insidern zufolge der Bundesregierung ein Konzept vorlegen, damit im Fall einer Gasnotlage besonders auf den Brennstoff angewiesene Firmen ihren Betrieb aufrechterhalten können. Der Verband wolle die Bundesnetzagentur beraten, die bei einem Mangel an Erdgas entscheiden muss, in welcher Reihenfolge Betriebe weiter beliefert werden oder nicht, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland will sich damit für den Fall wappnen, dass Russland seine Lieferungen stoppt. Insbesondere energieintensive Firmen der Stahl-, Glas- oder Chemieindustrie befürchten hohe Schäden für ihre Produktion, die sich auch auf weitere Branchen auswirken könnten.

Der BDI wolle mit seinen Vorschlägen dafür sorgen, dass die Folgen für die Betriebe abgefedert würden, sagten die Insider. Anfang Juni wolle der Lobbyverband der Netzagentur seine Ideen erläutern. Er schlage ein Auktionsmodell vor. Mittelständler schlagen indes Alarm.

"Gasverbrauchsrechte per Auktion zu vergeben ist weder fair noch effizient", sagte der Chefvolkswirt der Organisation "Der Mittelstand", Hans-Jürgen Völz. "Große, finanzstarke Unternehmen haben bei solchen Auktionen eine deutlich höhere Schmerzgrenze als mittelständische Betriebe." Zugleich spiele der Faktor Energie bei der Produktkalkulation der Firmen eine sehr unterschiedliche Rolle.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatte kürzlich sein Vorgehen im Fall einer Gasnotlage beschrieben. Zu den geschützten Kunden gehörten neben Feuerwehr, Krankenhäusern, der Polizei, Schulen, Kitas, Gefängnissen und der Bundeswehr auch alle Privathaushalte mit einem Gasverbrauch von bis zu 10.000 Kilowattstunden Gas im Jahr. Er stellte zudem Kriterien für die Großverbraucher vor. Dazu gehörten die Dringlichkeit der Maßnahme und die Größe des Unternehmens.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Aktien fallen aufgrund von Zollentscheidung und KI-Ängsten
23.02.2026

Die US-Aktienmärkte schlossen am Montag im Minus, während Investoren die Auswirkungen der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur...

DWN
Politik
Politik Vier Jahre Ukraine-Krieg: Wie nah ist der Frieden wirklich?
23.02.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Diplomatische Initiativen laufen, doch die Fronten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Konjunkturerholung gewinnt an Breite: Asien stark, Deutschland überrascht
23.02.2026

Immer mehr Indikatoren sprechen dafür, dass die Weltwirtschaft in eine Phase breiterer Erholung eintritt. Die ersten...

DWN
Politik
Politik Tausende Kinder von Sanktionen beim Bürgergeld betroffen
23.02.2026

Immer mehr Familien geraten durch Sanktionen beim Bürgergeld unter Druck – mit spürbaren Folgen für Kinder. Neue Zahlen zeigen eine...

DWN
Politik
Politik Geheimer Deal: Iran einigt sich mit Russland auf Kauf tragbarer Raketensysteme
23.02.2026

Ein geheimer Rüstungsdeal zwischen Iran und Russland sorgt für neue Spannungen im Nahen Osten. Für rund 500 Millionen Euro soll Teheran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?
23.02.2026

Donald Trump bringt erneut globale Strafzölle ins Spiel – nur Tage nach einer juristischen Schlappe vor dem Supreme Court. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie profitiert von Milliardenförderung: Mehr Fördermittel für grünen Stahl aus Salzgitter
23.02.2026

Die Salzgitter-Aktie legt am Montag leicht zu: Milliardenförderung, grüner Stahl und politische Rückendeckung verändern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
23.02.2026

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima...