Politik

Großes NATO-Manöver in der Ostsee: Nichtmitglieder Schweden und Finnland sind mit von der Partie

Doch hinter den Kulissen der traditionsreichen Ostsee-Übung der NATO lauert ein innerer Konflikt.
30.05.2022 16:44
Aktualisiert: 30.05.2022 16:44
Lesezeit: 1 min
Großes NATO-Manöver in der Ostsee: Nichtmitglieder Schweden und Finnland sind mit von der Partie
Die 51. Auflage des jährlich von der US-Navy organisierten BALTOPS-Manövers könnte von internen Spannungen der NATO-Mitgliedsstaaten überschattet werden. (Foto: dpa)

Die 51. Auflage der jährlichen Nato-Ostsee-Übung "Baltops" steht an. Sie wird in diesem Jahr vom 5. bis zum 17. Juni stattfinden, wie Pentagon-Pressesprecher John F. Kirby jüngst bekanntgab. Offizielles Gastgeberland ist Schweden, die US-Navy organisiert das Manöver jedoch. Es biete, so Kirby, eine "einzigartige Trainingsmöglichkeit", die die "gemeinsame Reaktionsfähigkeit" stärke und für die "Wahrung der Freiheit der Schifffahrt und der Sicherheit in der Ostseeregion" von entscheidender Bedeutung sei.

"Die teilnehmenden Nationen werden eine Vielzahl von Fähigkeiten üben, die die Flexibilität der Seestreitkräfte demonstrieren, darunter amphibische Operationen, Schießübungen, U-Boot-Abwehr, Luftverteidigungsübungen, Minenräumungsoperationen, Kampfmittelbeseitigung sowie Tauch- und Bergungsoperationen", erklärte der Pressesprecher des US-Verteidigungsministeriums im Rahmen einer Pressekonferenz.

BALTOPS 22: Auch Finnland und Schweden nehmen teil

Insgesamt werden 14 NATO-Staaten an dem Manöver teilnehmen; darunter Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Polen, die Türkei, das Vereinigte Königreich sowie die USA. Darüber hinaus sollen dieses Jahr auch die NATO-Partnerstaaten Finnland und Schweden, die erst kürzlich einen Antrag auf Beitritt zur NATO gestellt haben, mit von der Partie sein.

Insgesamt, so Kirby, würden etwa 45 maritime Einheiten, 75 Flugzeuge und rund 7.000 Militärangehörige an der Übung teilnehmen. Zur gleichen Zeit, in der Schweden die diesjährige Übung "BALTOPS 22" ausrichtet, feiert die schwedische Marine ihr 500-jähriges Bestehen.

Beitritts-Konflikt lauert unter der Oberfläche

Was Kirby nicht anspricht: die besondere Konstellation der Militär-Übung könnte dieses Jahr zu Spannungen führen. So wird mit der Türkei ein entschiedener Gegner des NATO-Beitritts Schwedens und Finnlands zugegen sein.

Ein Dorn im Auge ist Ankara vor allem, dass es neben Deutschland vor allem Schweden und Finnland waren, die nach einer im Jahr 2019 im Rahmen des Syrienkriegs durchgeführten türkischen Militäroffensive gegen die kurdische Miliz YPG – welche von der Erdoğan-Regierung als Ableger der PKK betrachtet wird – Waffenlieferungen in die Türkei beschränkten. Gleichzeitig führt die YPG die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, die wiederum eng mit den USA zusammenarbeiten.

Gemengelage in Syrien könnte noch zum großen Hemmnis werden

So wird das diesjährige Ostsee-Manöver der NATO letztlich noch von der komplexen Gemengelage im kriegsgebeutelten Syrien überschattet, das noch zum großen Hemmnis der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Bestrebungen Europas werden könnte – sofern die Skandinavier den Forderungen Ankaras nicht nachgeben und in der Kurdenfrage eine Politik betreiben, die vor den Augen der türkischen Regierung bestehen kann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Landtag Baden-Württemberg: Auf dem Weg zu Grün-Schwarz – das sollten Sie jetzt wissen
20.03.2026

Gleiche Mandatszahlen, angespannte Stimmung und gegenseitige Vorwürfe: Die Ausgangslage für Grün-Schwarz in Baden-Württemberg ist...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Niedriglohnland Deutschland: Immer mehr Beschäftigte verdienen weniger als 15 Euro
20.03.2026

Nur noch fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland wurde 2024 nach Tarif bezahlt - meist für Berufe in der öffentlichen Verwaltung....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Neuer Tiefstand an der Wall Street, Hoffnung auf Zinssenkungen erloschen
19.03.2026

Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Donnerstag im roten Bereich, da sprunghaft gestiegene Ölpreise und restriktive Signale der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg und steigende Gaspreise: Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?
19.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Gaspreise nach oben, während Deutschlands Gasspeicher deutlich leerer sind als im Vorjahr. Wirtschaftsministerin...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau
19.03.2026

Steigende Preise, sinkende Nachfrage und wachsende Insolvenzen setzen Restaurants und Bars massiv unter Druck. Selbst staatliche...

DWN
Politik
Politik Zwischen Anspruch und Realität: Die Rückkehr der Kriegswirtschaft und das Erbe der Abrüstung
19.03.2026

Während des Kalten Kriegs gab es detaillierte Pläne für die deutsche Wirtschaft im Krisenfall, in den 1990ern wurden diese weitgehend...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Europäische Zentralbank belässt Leitzins für die Eurozone unverändert – trotz Inflationsrisiken
19.03.2026

Mit dem aktuellen EZB-Zinsentscheid sendet die Notenbank ein klares Signal – vorerst keine Änderung beim EU-Leitzins. Doch steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...