Politik

Jeder Zweite will Atomkraft zurück – Nur Wähler dieser zwei Parteien haben Angst

In einer INSA-Umfrage sprach sich die absolute Mehrheit der Befragten für ein Zurück zur Kernenergie aus – und gab an, keine Angst vor der Atomkraft mehr zu haben. Wähler zweier Parteien sehen das jedoch anders.
08.06.2022 11:20
Lesezeit: 1 min
Jeder Zweite will Atomkraft zurück – Nur Wähler dieser zwei Parteien haben Angst
Ein Teilnehmer hält auf einer Demonstration des Vereins Nuklearia e.V. für den Erhalt von Atomkraft und Atomkraftwerken vor dem Brandenburger Tor eine Fahne mit der Aufschrift "Kernenergie ja bitte" in die Höhe. (Foto: dpa)

Die Energiepreise steigen und der Kampf um die Unabhängigkeit von russischer Energie dauert an. Eine Situation, die offenbar die Kernenergie in der Gunsten der Deutschen steigen lässt. Darauf jedenfalls weist eine INSA-Umfrage mit 1.001 Teilnehmern für die Mittwochausgabe der "Bild" hin. Darin sprach sich die absolute Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer (50 Prozent) in Anbetracht der gegenwärtigen Krisenlage für eine Rückkehr zur Kernenergie aus. 35 Prozent wiederum halten eine solche nicht für sinnvoll – und 15 Prozent machten keine Angabe.

Mehrheit hat keine Angst vor der Atomkraft – SPD- und Grünen-Wähler schon

Im Hinblick auf die Parteien gibt es ein Gefälle zwischen der SPD, den Grünen und dem Rest. So halten nur Wähler der SPD (49 Prozent) und der Grünen (63 Prozent) ein Zurück zur Atomkraft für sinnvoll. Alle anderen Wählergruppen (56 bis 71 Prozent) sind mehrheitlich jedoch schon der Auffassung, dass eine solche sinnvoll wäre. Auch hat die Mehrheit der Befragten (53 Prozent) keine Angst vor der Kernkraft. Eine große Minderheit von 38 Prozent sieht das nicht so. Wieder sind es SPD- und Grünen-Wähler, die zu 51 und 71 Prozent sehr wohl Angst vor der Nutzung von Atomkraft haben.

Trotz des mehrheitlichen Wunsches nach einer Rückkehr zur Atomkraft, hält die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) den Atomausstieg der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Reaktorunglück in Fukushima nach wie vor für richtig. Nur 30 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage halten die Entscheidung retrospektiv für falsch und 15 Prozent machten keine Angabe. Auch sprach sich die absolute Mehrheit der Befragten (53 Prozent) gegen den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland aus. Nur 33 Prozent der Befragten sahen das anders, 13 Prozent machten keine Angabe.

Fraglich, ob die Deutschen die Atompolitik Merkels noch allzulange gutheißen werden

Trotz des großen Rückhalts, den die Entscheidungen Merkels innerhalb der Bevölkerung scheinbar nach wie vor genießen, scheint die Fortführung des deutschen Sonderwegs in der Kernenergie keinesfalls mehr eine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Vielmehr regt die konkrete Energiekrise zunehmend eine Debatte über eine Rückkehr zum lange als ungeliebten Kind geltenden Atomkraft zurück. Ein weiteres Ansteigen der Preise dürfte diese Entwicklung nur befeuern. Fraglich ist auch, ob die Atompolitik Merkels auch nach einer weiteren Zuspitzung der Lage noch so großen Rückhalt unter den Deutschen genießen dürfte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie 6G-Standard: Ericsson und Forschungszentrum Jülich starten KI-Kooperation
27.04.2026

Ericsson und das Forschungszentrum Jülich entwickeln gemeinsam KI-Verfahren für den kommenden 6G-Standard. Grundlage ist JUPITER, der...

DWN
Panorama
Panorama Mehr tödliche Fahrradunfälle: Zahlen alarmieren - Ältere besonders stark gefährdet
27.04.2026

Immer mehr Menschen steigen in Deutschland aufs Fahrrad oder E-Bike um. Doch parallel dazu wächst die Zahl tödlicher Unfälle deutlich...

DWN
Politik
Politik Wegen Iran-Krieg: Pentagon prüft Suspendierung von NATO-Verbündeten - ist das überhaupt möglich?
27.04.2026

Der Iran-Krieg verschärft die Spannungen innerhalb der NATO deutlich. Washington prüft derzeit Maßnahmen gegen Verbündete, die...

DWN
Panorama
Panorama White House Correspondents Association: Sicherheitslücken bei Trump-Gala sorgen für Kritik
27.04.2026

Schüsse bei einer Gala mit Donald Trump erschüttern Washington und werfen drängende Fragen zur Sicherheit auf. Hochrangige Politiker...

DWN
Politik
Politik Russland bestellt deutschen Botschafter ein: "Völlig haltlose Maßnahme"
27.04.2026

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau verschärfen sich erneut. Nach einem umstrittenen Treffen in der Ukraine erhebt Russland schwere...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen überwiegend in Grün trotz Iran-Konflikt: Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus
27.04.2026

Ein möglicher Vorschlag Irans zur Öffnung der Straße von Hormus sorgt für Bewegung an den Märkten. Anleger in Deutschland reagieren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Energiepreise belasten Handel: Umfrage zeigt massive Kostenprobleme
27.04.2026

Weiter steigende Energiepreise verschärfen die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage des Einzelhandels. Laut aktueller HDE-Umfrage ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Ladesäulen: Kritik an teuren Prüfregeln - Verbände fordern Ladesäulen-Reform
27.04.2026

Deutschlands Weg zur Elektromobilität gilt als zentral für die Energiewende. Doch neue Vorwürfe aus der Branche stellen bestehende...