Politik

Doppelt so viel wie im Vorjahr: Über halbe Milliarde Euro an EU-Geldern missbraucht

Die Anti-Betrugs-Behörde Olaf berichtet von missbrauchten EU-Geldern in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro.
09.06.2022 10:15
Aktualisiert: 09.06.2022 10:15
Lesezeit: 1 min
Doppelt so viel wie im Vorjahr: Über halbe Milliarde Euro an EU-Geldern missbraucht
Laut den Erkenntnissen der Anti-Betrugs-Behörde Olaf hat sich die Summe der missbrauchten EU-Gelder im Laufe eines Jahres verdoppelt. (Foto: dpa)

Die EU-Behörde Olaf hat im vergangenen Jahr Betrug im Wert von mehr als einer halben Milliarde Euro mit EU-Mitteln aufgedeckt. Laut einem Bericht sind in der Europäischen Union vergangenes Jahr mehr als 527 Millionen Euro missbraucht oder zweckentfremdet worden – rund 234 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Behörde mit Sitz in Brüssel hat die Aufgabe, Betrug mit EU-Finanzen aufzudecken. Die Ermittler untersuchen dabei auch die Arbeit innerhalb der europäischen Behörden.

Scheinunternehmen beziehen Förderungen

Im neuen Jahresbericht liegt unter anderem der Schwerpunkt auf Schäden für die Umwelt sowie Missbrauch von Geldern für Agrarprojekte. In Italien wurde beispielsweise ein Betrugsfall aufgedeckt, bei dem ein Scheinunternehmen Förderungen für den Anbau von Bio-Wein bezog, allerdings nicht den Bio-Kriterien entsprechend Wein produzierte.

Auch touristische Projekte, die Jobs in ländliche Regionen bringen sollten, wurden für Betrug missbraucht. Zum Beispiel wurden 23 Millionen Euro für den Bau von Gästehäusern in Bulgarien veruntreut, die schließlich nicht für touristische sondern für private Zwecke genutzt wurden.

Betrüger profitieren von Corona-Pandemie

Wie schon im Jahr zuvor versuchten Betrüger, von der Corona-Pandemie zu profitieren. Dem Bericht zufolge wurden nationalen Behörden gefälschte Angebote mit Impfstoff im Wert von mehr als 16 Milliarden Euro gemacht. Ziel der Betrüger sei es gewesen, die Behörden zu hohen Anzahlungen zu bewegen und schließlich mit dem Geld zu verschwinden.

Rund 90 Millionen Euro habe den EU-Ländern die Aufdeckung des Schmuggels von illegalen Tabakwaren eingebracht. So sei verhindert worden, dass insgesamt 437 Millionen illegale Zigaretten auf den EU-Markt gelangen konnten. Zudem sei es zu der Beschlagnahmung von insgesamt 372 Tonnen Rohtabak gekommen, hieß es weiter.

Olaf-Leiter "stolz auf den Dienst, den Olaf für die Europäer leistet"

Olaf-Leiter Ville Itälä sagte, dass durch derartige Betrugsversuche die Gesundheit und Sicherheit der Menschen sowie die Umwelt zunehmend betroffen seien. "Prävention ist das wirksamste Instrument, das wir haben, und sie steht im Mittelpunkt der Arbeit Olafs und der EU-Organe", sagte Itälä. Er sei "stolz auf den Dienst, den Olaf für die Europäer leistet".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Politik
Politik USA-Einreise: Kaution auf 15.000 Dollar ausgeweitet – diese 50 Länder sind betroffen
19.03.2026

Neue Hürden bei der USA-Einreise sorgen für Unsicherheit: Eine USA-Kaution von 15.000 Dollar wird für immer mehr Länder Pflicht. Doch...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienförderung: Wie neue Bauförderungen die Deutschen zum Hausbau motivieren sollen
19.03.2026

Die Bundesregierung hat sich bezahlbares Wohnen mit Rotstift auf die Fahne geschrieben. Nach Erlass des Bauturbos sollen auch neue oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Meinung: Reflexartige Reaktionen der EZB sind das Letzte, was jetzt gebraucht wird
19.03.2026

Der EZB-Zinsentscheid steht an: Zwischen Inflationsrisiken und Konjunktursorgen muss die Europäische Zentralbank einen schmalen Grat...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Milliardenmarkt für Adipositas treibt Ausbau in Irland voran
19.03.2026

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk investiert 432 Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktion in Irland und stärkt damit seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF schreibt Milliardenverlust: Schulden bleiben hoch, Nachfrage stagniert – wie geht es weiter?
19.03.2026

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen kämpft weiter mit den Folgen von Umbau und Marktschwäche. Trotz Verbesserungen im operativen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IMK warnt: Neue Inflation in Deutschland durch Ölpreisschock
19.03.2026

Die Inflation könnte schneller zurückkehren als viele erwarten. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise nach oben und setzt Haushalte unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft CDU-Wirtschaftsrat fordert Fracking in Deutschland – Risiken für Umwelt und Klima
19.03.2026

Deutschlands Rohstoffstrategie steht unter Druck: Der Ruf nach mehr Eigenförderung wird lauter. Fracking rückt dabei wieder in den Fokus...