Wirtschaft

Wegen neuer strenger EU-Regeln: Deutschem Lithium-Werk droht die Schließung

Die EU wird immer mehr zur Karikatur ihrer selbst. Erst verschreibt sie sich selbst hochfliegende Ziele - dann sorgt sie mit überbordender Bürokratie dafür, dass eben diese Ziele nicht erreicht werden können.
11.06.2022 08:38
Lesezeit: 1 min

Die "Albemarle Corporation" mit Sitz in Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) ist einer der weltweit größten Produzenten von Lithium und Lithiumverbindungen. Nun könnte der Konzern gezwungen sein, sein Werk in Langelsheim (bei Goslar am Harz) zu schließen. Der Grund: Die Europäische Union könnte Lithium aufgrund der Art und Weise, wie es verarbeitet und gelagert wird, als gefährliche Substanz einstufen. Das berichtet Reuters.

Hintergrund: Die Europäische Kommission prüft und bewertet derzeit einen Vorschlag der "Europäischen Chemikalienagentur" (ECHA), Lithiumcarbonat, Lithiumchlorid und Lithiumhydroxid als gesundheitsgefährdende Stoffe einzustufen. Ein EU-Ausschuss tritt Anfang nächsten Monats zusammen, um den Vorschlag zu erörtern. Eine endgültige Entscheidung zu diesem Thema wird gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erwartet.

Die Entscheidung würde die Arbeitsweise von Lithiumproduzenten und -verarbeitern massiv verändern und ihren Betrieb mit zusätzlichen Kosten belasten. Im Fall von Albemarle wäre das Unternehmen "nicht mehr in der Lage, unser wichtigstes Ausgangsmaterial, Lithiumchlorid, zu importieren, wodurch die gesamte Anlage (in Langelsheim) von der Schließung bedroht wäre", erklärte Albemarle-CEO Scott Tozier gegenüber Reuters in einer per E-Mail übermittelten Erklärung. 550 Arbeitsplätze wären in Gefahr - für eine eher strukturschwache Region wie das südöstliche Niedersachsen ein schwerer Schlag. Auch das Unternehmen würde einen finanziellen Schlag erleiden. "Bei einem Jahresumsatz von etwa 500 Millionen Dollar wären die wirtschaftlichen Auswirkungen einer möglichen Schließung für Albemarle beträchtlich", so Tozier.

EU macht sich mal wieder zum Narren

Der Bedarf an Lithium – vor allem für E-Autos –gilt als riesig, wie Ralf B. Wehrspohn, einer der Geschäftsführer des "Deutschen Lithium-Instituts", den Deutschen Wirtschaftsnachrichten in einem ausführlichen Interview zum Thema erläuterte.

Wie die Europäische Kommission noch zu Beginn dieses Jahres mitteilte, geht man in Brüssel davon aus, bis 2025 69 Prozent und bis 2030 89 Prozent des wachsenden Bedarfs an Batterien durch in Europa geleistete Produktion zu decken. Es besteht die Erwartung, dass man in der Lage sein wird, pro Jahr Batterien für bis zu 11 Millionen Autos zu produzieren.

Mit anderen Worten: Brüssel will die E-Mobilität vorantreiben. Dafür wird Lithium benötigt. Doch jetzt haben die Bürokraten beschlossen, dass das ein gesundheitsgefährdendes Metall ist. Sollte die EU beschließen, die Lithium-Chemikalien in die Gefahrenkategorie aufzunehmen, würde dies einen Rückschlag für ihre eigenen Ziele bedeuten, die Selbstversorgung mit Batterien in diesem Jahrzehnt fast zu erreichen und den Anteil von Elektrofahrzeugen auf den Straßen deutlich zu erhöhen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...