Deutschland

Deutschland: Russische Unternehmen in Quarantäne

Mit dem Kriegsausbruch am 24. Februar hat sich die Situation für die russischen Unternehmen in Deutschland grundlegend verändert.
Autor
23.06.2022 15:30
Lesezeit: 2 min

Russische Unternehmen im Schlafmodus: Zwar gibt es in Deutschland eher geringe Investments russischer Unternehmen, die nicht mit fossilen Exporten zusammenhängen. Allerdings sollte die Zusammenarbeit zuletzt über ein entsprechendes Moskauer Exportzentrum forciert werden. Mit dem Kriegsausbruch am 24. Februar dieses Jahres mussten die Russen aber vorerst alle Pläne auf Eis legen, und sind erstmal gezwungen, den vom Krieg angerichteten Scherbenhaufen in Deutschland zu verwalten.

Das heißt: Die geschäftlichen Beziehungen mit Deutschland sind zum größten Teil stillgelegt, für russische Unternehmer gilt es erstmal eine Pause einzulegen.

Dabei sind besonders die im Vermittlergeschäft tätigen Unternehmen von den Sanktionen betroffen, sprich Unternehmen, die in Deutschland Anlagen für Produktionsprozesse in Russland erworben haben. Umgekehrt ist auch der Export russischer Lebensmittelprodukte und Holz nach Deutschland eingebrochen.

Allerdings gehen die Zahlen der in Deutschland anwesenden russischen Unternehmen weit auseinander. Als sei es ein undurchdringbares Geflecht von im Handelsregister eingetragenen Unternehmen und Kleingewerbetreibenden. Nur eines scheint sicher: Die bevorzugten Standorte russischer Investoren waren Berlin, München und Hamburg.

So gab es nach den letzten Erhebungen des statistischen Bundesamtes vor Ausbruch des Krieges rund 170 Unternehmen aus der russischen Föderation in Deutschland. Das sind alles Firmen, die von der Muttergesellschaft mit Sitz im Russland kontrolliert werden. Die Zahl der beschäftigten Personen bezifferte das Amt mit 8.500, die einen Umsatz von rund 31 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Die Vertretung der russischen Handels- und Industriekammer in Berlin zeichnet ein anderes Bild. Demnach gäbe es in Deutschland rund 1.611 in das Handelsregister eingetragene Unternehmen. Dabei gelten als russische Unternehmen alle Firmen, die mindestens zu über 25 Prozent in Besitz einer juristischen oder natürlichen russischen Person sind.

Aber, ob im Handelsregister eingetragene russische Unternehmen oder Kleingewerbetreibende: Die meisten der 1.600 Unternehmen haben sich bis auf wenige Ausnahmen vom Markt zurückgezogen. Auch wenn sie wieder aktiv werden wollen, sobald es die politische Lage zulässt.

Wie die russische Vertretung in Berlin weiter erklärt, gelte auch für die von Russen gegründeten Unternehmen die deutsche Rechtsprechung. Daher bezögen sich die Sanktionen weniger auf Personen oder Unternehmen, sondern vielmehr auf Produkte und Dienstleistungen.

Vor allem für russische Großkonzerne war Deutschland einer der interessantesten Märkte außerhalb von Osteuropa. Nicht zuletzt plante man noch vor Kriegsausbruch zusammen mit deutschen und weiteren europäischen Unternehmen in regenerative Energien zu investieren, speziell im Wasserstoffbereich. Aber auch der deutsch-russische Energiedialog als auch die Forschungskooperation der Universitäten sind vorerst ad acta gelegt.

Grundsätzlich sind weit über die Hälfte der russischen Unternehmen in Deutschland kleine oder mittlere Unternehmen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf die Bereiche Tourismus, Logistik, Bau- und Rohstoffindustrie, Automobilzulieferung, der IT-Branche mit dem wohl bekanntesten und immer noch in Deutschland tätigen russischen Cybersicherheitsunternehmen Kaspersky, und Handel.

Derzeit ist es für russische Unternehmen in Deutschland noch möglich, die Geschäfte, die vor Kriegsausbruch angebahnt wurden, bis zum 10. Juli abzuschließen. Konkret: Wenn eine russische Firma zum Beispiel eine Kiste Schrauben bestellt hat, kann sie noch nach Russland geliefert werden.

Allerdings: Die Schlinge der Sanktionen zieht sich immer weiter zu, und die Angst russischer Unternehmer mit der deutschen Rechtsprechung in Konflikt zu kommen, bremst jede weitere Initiative aus.

Während russische Großkonzerne beim Eintritt in den deutschen Markt das Geschäftsmodell der Fusionen und Übernahmen bevorzugten, setzten kleine und mittlere Unternehmen hingegen häufig auf die Gründung von Tochtergesellschaften und Niederlassungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Trump will Wähler mit Geld locken: „Einfach nur peinlich“
08.10.2026

Donald Trump verspricht jedem erwachsenen Amerikaner rund 4.450 Euro, wenn die Republikaner die Kongresswahlen gewinnen. Doch ausgerechnet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg bremst Deutschland weniger als erwartet
08.10.2026

Deutschlands Wirtschaft kommt trotz Iran-Krieg und hoher Energiepreise überraschend glimpflich davon. Doch der Aufschwung steht auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Schufa schlägt Alarm: Millionen Verbraucher kämpfen mit Zahlungsproblemen
08.10.2026

Die hohen Preise setzen immer mehr Verbraucher finanziell unter Druck: 2025 stieg der Anteil der Menschen mit Zahlungsstörungen auf 8,1...

DWN
Immobilien
Immobilien BEG-Reform: Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter
08.10.2026

Die Wärmepumpen-Förderung sinkt ab 2027 weiter: Wer zu spät beantragt oder falsch plant, dem könnten Tausende Euro Zuschuss durch die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung: Neue Bürokratie macht Exporte unrentabel
08.10.2026

Ein paar Kartons, wenige Gramm Plastik und plötzlich Hunderte Meldepflichten: Die neue EU-Verpackungsverordnung stellt kleine Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
08.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie: Diese Geldmaschine schlägt alle anderen Chipkonzerne
08.10.2026

Nvidia verdient mit dem KI-Boom so viel wie kaum ein anderes Unternehmen der Welt. Auf das eingesetzte Kapital erzielt der Chipkonzern...

DWN
Panorama
Panorama Heereschef warnt: Russland baut Streitkräfte massiv aus
08.10.2026

Russland baut seine Streitkräfte weiter aus und steigert zugleich die Produktion von Drohnen und Raketen. Heeresinspekteur Christian...