Technologie

Norwegische Forscher testen „automatische Küstenwache“

Die neue Technologie könne in naher Zukunft zu neuen Industrien, Wertschöpfung und neuen Arbeitsplätzen in Norwegen führen, so die Forscher.
02.07.2022 09:54
Lesezeit: 2 min
Norwegische Forscher testen „automatische Küstenwache“
Die „Beobachtungspyramide“ besteht aus vier technologischen Komponenten und kann laut verantwortlichen Forschern als eine Art automatische Küstenwache betrachtet werden. (Foto: NTNU)

Forscher am Zentrum für autonome maritime Operationen und Systeme (AMOS) der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) testeten im Mai eine vierstufige „Beobachtungspyramide“, um das Meeresleben im Kongsfjord von Svalbard zu untersuchen. Dabei griff das Forschungsteam, von oben nach unten, auf einen Kleinsatelliten, ein unbemanntes Luftfahrzeug, zwei unbemannte Boote und Unterwasserroboter zurück, die das Gebiet gleichzeitig untersuchen sollten – darum die Rede von einer sogenannten Beobachtungspyramide. Von oben nach unten verringert sich dann auch der Radius, der von den jeweiligen Maschinen beobachtet werden kann.

Plankton als Indikator für den Klimawandel

Der der NTNU forschende Meeresbiologe Geir Johnsen betont die Relevanz des Projekts für die Erforschung der Lage des sogenannten Phytoplanktons, das sich im Gegensatz zum Zooplankton nicht von anderen Lebewesen ernährt, sondern Photosynthese betreibt. Die Feststellung des Zustands des Phytoplanktons im Kongsfjord gilt dem Forscher als Hilfsmittel zur Beobachtung des Klimawandels, zumal den in Breitengraden der Arktis Temperatur- und Ökosystemveränderungen früher und deutlicher zu erkennen sind als in gemäßigteren Gebieten. „Wachsen sie? Sind sie in guter Verfassung? Sterben sie ab? Sind sie im Party-Modus?“, alle diese Fragen seien laut Johnsen von Bedeutung.

Der von den Forschern verwendete Ansatz, die Beobachtungspyramide, kann gebraucht werden, um normale und schädliche Algenblüten und die Art der Veränderungen, die der Klimawandel im Meer verursacht, kontinuierlicher zu überwachen. Neben den bereits genannten technischen Geräten sind auch Biologen, die Wasserproben nehmen, um Angaben zu den Arten, zur Photosynthese und zum Gesundheitszustand des Planktons erhalten und die unbemannten Fahrzeuge registrieren, Teil der Beobachtungspyramide. „Dieses Konzept kann weiterentwickelt und rationalisiert werden, insbesondere wenn es um eine schnellere Datenauswertung geht. Wir haben mit Biologen zusammengearbeitet, um diesen Ansatz an ihre Bedürfnisse anzupassen, aber er kann auch für andere Zwecke verwendet werden“, sagt Asgeir J. Sørensen, Professor für Meereskybernetik und AMOS-Direktor.

Von Fischzucht bis Offshore-Energieerzeugung

Eine der Triebfedern für die Entwicklung der Beobachtungspyramide ist jedoch vor allem auch die langjährige Zusammenarbeit mit Europas zweitgrößtem Gaslieferanten, Equinor, bei der Entwicklung von Methoden und Technologien zur Überwachung der Offshore-Öl- und -Gasumgebung sowie der Offshore-Systeme für erneuerbare Energien. Sørensen weist zudem darauf hin, dass auch die Fischzucht von effektiveren und automatisierten Methoden zur Überwachung und Beobachtung der Bedingungen für das Wohlergehen der Fische und der Umwelt in der Nähe der Fischställe profitieren könne. Darüber hinaus könne die Technologie auch eingesetzt werden, um mehr über die Süßwassersysteme in Norwegen zu erfahren.

Letzten Endes betonen die Forscher, dass ihr Ansatz im wesentlichen eine automatische Küstenwache unter der Meeresoberfläche biete, die den Zustand der Ozeane und den Verkehr im Ozeanraum überwachen könne. „Dadurch erhalten wir mehr Wissen und ein besseres Verständnis für die Vorgänge im Ozean“, erklärt Sørensen. „Dies könnte in naher Zukunft zu neuen Industrien, Wertschöpfung und neuen Arbeitsplätzen in Norwegen führen.“ Der erste Test der Beobachtungspyramide wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Universität Tromsø und UNIS, dem Universitätszentrum in Svalbard, sowie mehreren Abteilungen der NTNU durchgeführt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Gelbes Edelmetall erstmals über 4.700 US-Dollar – Silberpreis ebenfalls mit Allzeithoch
20.01.2026

Ein neues Goldpreis-Rekordhoch: Das gelbe Edelmetall durchbricht eine historische Marke nach der anderen, der Silberpreis zieht mit....

DWN
Technologie
Technologie Energie in unsicheren Zeiten: Was tun, wenn der Blackout in Deutschland kommt?
20.01.2026

Ein Blackout trifft moderne Gesellschaften schneller, als viele glauben. Der Ausfall in Spanien und Portugal Anfang 2025 zeigt, wie rasch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen im Januar besser als erwartet
20.01.2026

Die ZEW-Konjunkturerwartungen steigen im Januar deutlich stärker als erwartet – ein Signal, das viele als Hoffnungsschimmer für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exporte in die USA fallen: Autoindustrie besonders betroffen – wo es Hoffnung gibt
20.01.2026

Deutschlands USA-Exporte geraten unter Druck: Zölle, politische Drohkulissen und neue Unsicherheit im transatlantischen Geschäft treffen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Materialmangel in deutscher Industrie geht zurück – doch Entwarnung bleibt riskant
20.01.2026

Die Materiallage in der deutschen Industrie wirkt deutlich stabiler als noch vor wenigen Monaten. Vor allem die Autoindustrie meldet...

DWN
Panorama
Panorama Verdi-Warnstreik bremst Pendler aus: Wirtschaft warnt vor Folgen
20.01.2026

Der Verdi-Streik trifft Autofahrer genau zum Start in den Tag: Warnstreiks im öffentlichen Dienst sorgen für Sperrungen, Umleitungen und...

DWN
Politik
Politik Putins Bündnisse zerfallen: Iran wird zum Schlüsselrisiko
20.01.2026

Russlands Außenpolitik steckt in der Krise: Verbündete im Nahen Osten und darüber hinaus zweifeln zunehmend am Wert der Partnerschaft...

DWN
Politik
Politik G7-Gipfelidee aus Paris: Macron regt G7-Treffen mit Russland und Dänemark an
20.01.2026

Emmanuel Macron sucht den direkten Draht zu Donald Trump – und setzt dabei auf private Nachrichten. Ein vorgeschlagenes G7-Treffen in...