Unternehmen

Drohende Energie-Knappheit: Handel und Ernährungsindustrie schlagen Alarm

Die Einzelhändler und die Ernährungsindustrie sind in Sorge. Damit in den Regalen der deutschen Händler nicht die Waren ausgehen, müssen beide Branchen Teil eines Gasnotfallplanes werden.
Autor
08.07.2022 17:00
Lesezeit: 1 min
Drohende Energie-Knappheit: Handel und Ernährungsindustrie schlagen Alarm
Im Notfall ist davon auszugehen, dass Großbetriebe von Backwaren priorisierte Gaskunden sein würden. (Foto: dpa) Foto: Ronald Wittek

Der Einzelhandel im Aufruhr: Wie andere Branchen auch, kämpft der Einzelhandel mit den Gefahren einer drohenden Energieknappheit. Deshalb sind die Vertreter des Handels diesbezüglich im ständigen Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur. „Derzeit ist die Lage zwar noch nicht kritisch, aber vielen bereitet die Situation bereits jetzt Kopfzerbrechen“, sagt Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverband Deutschland (HDE), gegenüber den DWN.

Dabei geht es nicht nur darum, als systemrelevant eingestuft zu werden, um gegebenenfalls von einem Gasnotfallplan profitieren zu können, sondern es ist auch eine Kostenfrage. „Normalerweise,“ so Hertel, „haben die Verträge im Einzelhandel mit den einzelnen Energieversorgungen eine Laufzeit von zwei Jahren.“ Deshalb stünden vor allem jene Unternehmen vor einem Dilemma, die jetzt neue Verträge zu den hohen Marktpreisen abschließen oder sich einen neuen Energieversorger suchen müssen. Allerdings sei man zuversichtlich, dass im Notfall dem Einzelhandel der Gashahn nicht abgedreht würde.

Derzeit werden die einzelnen Szenarien durchgespielt, um im Falle eines Falles darauf vorbereitet zu sein, sollten die Gasspeicherbestände wirklich bedrohlich knapp werden. Dabei sei erwähnt, dass in weniger als einer Woche die jährlichen Wartungsarbeitern an der Gaspipeline Stream 1 beginnen und bereits jetzt ihren Schatten vorauswerfen. Der Grund: Die Angst geht um, dass im Anschluss der Wartungsarbeiten die Gaspipeline nicht mehr geöffnet wird.

Priorisierung des Handels allein genügt nicht

Im Falle einer Gasknappheit würde die Systemrelevanz des Einzelhandels aber nicht genügen, um den Handel langfristig aufrechtzuerhalten. Denn sollten die Zulieferer nicht ähnlich priorisiert werden, würden den Händlern früher oder später die Waren in ihren Regalen ausgehen.

Allerdings hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Ernährungsindustrie als kritische Infrastruktur definiert. Und Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sowie Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, haben in einem öffentlichen Statement darauf hingewiesen, die Lebensmittelhersteller auch bei einem Energie-Notfall zu priorisieren. Bis jetzt gibt es dazu aber noch keine schriftliche Vereinbarung.

Zwar gibt es noch keine genauen Pläne, aber derzeit werden Kriterien ausgearbeitet, die die verschiedenen Hersteller erfassen sollen. Nach diesen Kriterien würde schätzungsweise ein Großbetrieb für Backwaren als ein priorisierter Gaskunde gelten.

Jedoch ist die Priorisierung grundsätzlich noch keine Garantie dafür, dass das Gas im Notfall auch wirklich beim Kunden ankommt. Denn: Praktisch ist es auch möglich, dass bei einer Gasknappheit zum Beispiel die verbleibende Ausspeisung einer Leitung nicht mehr ausreicht, um bis zum letzten Verbraucher durchzudringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zerfällt die WTO?
15.09.2026

Die Welthandelsorganisation WTO verliert weiter an Bedeutung. Sie warnt nun vor massiven Wohlstandsverlusten, wenn sich die Weltwirtschaft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Heatflation: Der stille Inflationstreiber – warum Hitze Lebensmittel verteuert
15.09.2026

Dürre, Ernteausfälle und sinkende Erträge: Noch bleibt es an der Supermarktkasse erstaunlich ruhig. Doch mit zunehmenden Wetterextremen...

DWN
Politik
Politik Ursula von der Leyen: Fünf Pleiten und zwei Erfolge
15.09.2026

Der Europäer glaubt nicht, dass er durch die EU besser leben wird. Dieses politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Problem ist in...

DWN
Finanzen
Finanzen Rendite von US-Staatsanleihen erreicht Hoch seit Finanzkrise
15.09.2026

An den Anleihenmärkten geht der Ausverkauf weiter. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steigt auf den höchsten Stand seit 2007....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise und Inflation steigen: Was tun?
15.09.2026

Die Spritpreise steigen und setzen die Verbraucher unter Druck. Während die SPD einen Preisdeckel fordert, setzt die Union auf gezielte...

DWN
Politik
Politik Kohle erlebt Comeback durch Trumps Iran-Krieg
15.09.2026

Nach den Prognosen der IEA aus dem vergangenen Jahr hätte das Wachstum des globalen Kohleverbrauchs in diesem Jahr zum Stillstand kommen...

DWN
Technologie
Technologie Rekord: 100.000 Kunden bestellen den neuen BMW iX3
15.09.2026

Der neue BMW iX3 entwickelt sich in Europa zum Verkaufserfolg und erreicht bereits 100.000 Bestellungen. Damit legt das erste Modell der...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Vor Fed-Entscheidung Gold kaum bewegt – droht der nächste Rückschlag?
15.09.2026

Der Goldpreis zeigt sich unmittelbar vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank kaum bewegt. Steigende Renditen, ein fester Dollar und...