Politik

Bundesregierung baut Zugangshürden für deutschen Arbeitsmarkt ab

Die Bundesregierung baut Voraussetzungen für den Zuzug von Menschen von außerhalb der EU in den deutschen Arbeitsmarkt ab.
08.07.2022 14:00
Aktualisiert: 08.07.2022 14:06
Lesezeit: 1 min
Bundesregierung baut Zugangshürden für deutschen Arbeitsmarkt ab
Für die Zuwanderung von Fachkräften aus Ländern außerhalb der EU soll künftig eine Jobzusage ausreichen. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Für die Zuwanderung von Fachkräften aus Ländern außerhalb der EU soll nach Worten von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil künftig eine Jobzusage ausreichen. "Zukünftig wollen wir es schaffen, dass auch ein Arbeitsvertrag ausreicht, um hier anzufangen und die nötigen Qualifikationen dann zu erwerben", sagte der SPD-Politiker dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Wie bereits bei IT-Kräften sollen auch in anderen Branchen berufspraktische Erfahrungen für eine langfristige Beschäftigung in Deutschland ausreichen." Bisher gilt neben einer Jobzusage ein anerkannter Bildungsabschluss für Drittstaaten als Zugangsvoraussetzung zum deutschen Arbeitsmarkt. In Koalitionskreisen hieß es, die Pläne seien mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) abgestimmt. Voraussichtlich im September solle das Kabinett Eckpunkte für eine Reform des Zuwanderungsrechts auf den Weg bringen.

Faeser sagte dem Spiegel: "Wir werden jetzt die Chance nutzen, ein modernes Einwanderungsrecht zu schaffen." Ein erstes Migrationspaket, das auch kleine Erleichterungen für Fachkräfte vorsieht, hatte das Kabinett am Mittwoch beschlossen. Seit vielen Jahren geduldete Ausländer sollen dadurch leichter ein Bleiberecht für die Bundesrepublik erhalten.

Heil will ausländischen Fachkräften auch mehr Zeit verschaffen, in Deutschland nach einer Beschäftigung zu suchen. Bislang ist ein entsprechendes Suchvisum auf sechs Monate beschränkt. "Unser Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig", sagte Heil. Wenn jemand die nötige Berufserfahrung mitbringe und Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt habe, solle diesen Fachkräften die Arbeitsplatzsuche über einen längeren Zeitraum erleichtert werden. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, Grüne und FDP dazu auf eine Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems verständigt. Damit soll Arbeitskräften zur Jobsuche ein gesteuerter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ermöglicht werden.

Laut Koalitionsvertrag sollen auch die sogenannte Westbalkan-Regelung entfristet und die Blue Card auf nicht-akademische Berufe ausgeweitet werden. Die bisher bis Ende 2023 befristete Sonderregelung für Westbalkan-Staaten ermöglicht auch Hilfskräften aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, der Republik Nordmazedonien sowie aus Montenegro und aus Serbien einen erleichterten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Die Blaue Karte dagegen ist ein befristeter Aufenthaltstitel speziell für akademische Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Zugangsvoraussetzung für Nicht-Akademiker soll laut Koalitionsvertrag "ein konkretes Jobangebot zu marktüblichen Konditionen" sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

DWN
Politik
Politik USA-Iran-Konflikt: Seeblockade bremst Verhandlungen
21.04.2026

Die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran wankt. Hinter den Kulissen laufen Gespräche, doch Misstrauen und harte Bedingungen...

DWN
Politik
Politik Kritik am Tankrabatt: Verbraucherschützer fordern Direktzahlungen
21.04.2026

Die Diskussion um Entlastungen bei hohen Energiepreisen spitzt sich zu: Während die Bundesregierung auf Tankrabatte setzt, sehen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell über wichtiger Trendlinie - positive Signale stabilisieren die Börsen
21.04.2026

Der DAX-Kurs zeigt sich nach einem schwachem Wochenstart wieder stabiler. Hoffnung auf diplomatische Fortschritte im Nahost-Konflikt treibt...

DWN
Technologie
Technologie Umfrage: Atomausstieg wird kritisch bewertet - Mehrheit dennoch gegen Rückkehr zur Kernenergie
21.04.2026

Drei Jahre nach dem Ende der Kernenergie wächst die Kritik in der Bevölkerung. Viele Deutsche zweifeln am damaligen Beschluss, doch ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell uneinheitlich: Hoffnung auf Gespräche zwischen USA und Iran
21.04.2026

Die Ölpreise reagieren empfindlich auf neue Signale aus der Geopolitik. Gespräche zwischen Iran und USA könnten den Markt beruhigen –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bruttoverdienst: Große Unterschiede zwischen Ost und West
21.04.2026

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Einheit bleibt der Bruttoverdienst zwischen Ost und West deutlich unterschiedlich. Neue Zahlen zeigen...

DWN
Panorama
Panorama Buckelwal in der Ostsee: Timmy kämpft weiter ums Überleben - ist Nichtstun vielleicht die beste Option?
21.04.2026

Buckelwal Timmy kämpft in der Ostsee weiter ums Überleben: Nach mehreren Strandungen hoffen Helfer auf eine Wendung. Doch Fachleute...

DWN
Politik
Politik Rente: Merz kündigt tiefgreifende Änderungen an - Rentenreform zwingt Bürger zum Umdenken
21.04.2026

Die Rentenreform rückt immer stärker in den Mittelpunkt der politischen Agenda. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt tiefgreifende...