Finanzen

Starke Nachfrage treibt Indiens Silber-Importe auf Rekordhoch

Indien, der größte Silbermarkt der Welt, importiert dieses Jahr dreimal so viel Silber wie im Vorjahr. Die Importe werden ein Rekordhoch erreichen. Kommt eine neue Rallye?
Autor
21.08.2022 08:21
Aktualisiert: 21.08.2022 08:21
Lesezeit: 2 min

Die indischen Silberimporte werden sich im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr verdreifachen und ein neues Rekordniveau erreichen. Die starke Nachfrage in Indien, dem größten Silberverbraucher der Welt, stützt auch die globalen Preise.

Offenbar hat der jüngte Rückgang des Silberpreises auf ein Zweijahrestief die Anleger dazu veranlasst, auf einen Aufschwung des Edelmetalls zu wetten.

"Die Investitionsnachfrage hat die Importe angekurbelt", zitiert Reuters Chirag Thakkar, den CEO des führenden Silberimporteurs Amrapali Group Gujarat.

Silber könnte sich in den kommenden Jahren besser entwickeln als Gold. "Die Investoren gehen davon aus, dass das Gold des armen Mannes in den kommenden Jahren das Gold schlagen wird", sagt Thakkar.

Nach Ansicht des Silberimporteurs könnten Indiens Silberimporte im laufenden Jahr 2022 auf einen neuen Rekordwert von 8.200 Tonnen ansteigen.

Investoren in Indien erwarten Silberpreis-Anstieg

In den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 stiegen die Silberimporte laut vorläufigen Daten des Ministeriums für Handel und Industrie auf 5.100 Tonnen. Dies ist mehr als 46 mal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Denn nach den starken Silber-Importen der Jahre 2018 und 2019 hätten sowohl die indischen Investoren als auch die Industrie ihre Silberbestände in den Jahren 2020 und 2021 verkauft, so Thakkar.

"Der Abbau der Lagerbestände hat die verfügbaren Bestände im Land erschöpft", sagt er. Bei den aktuellen Preisen investieren die Händler wieder, und weil Silber in Indien nicht verfügbar ist, steigen die Importe.

Indiens Silberimporte in den Jahren 2020 und 2021 lagen bei 2.218 Tonnen beziehungsweise 2.773 Tonnen, nachdem es im Jahr zuvor noch 5.969 Tonnen gewesen waren.

Lokale Silberfutures wurden am Mittwochnachmittag um 57.900 Rupien pro Kilogramm gehandelt, nachdem sie im Jahr 2020 ein Rekordhoch von 77.949 Rupien erreicht hatten.

Anleger wie Umesh Patel, der diesen Monat zwei Silberbarren gekauft hat, sind der Meinung, dass die Preise zu stark korrigiert haben und sich bald wieder erholen werden.

"Silber schneidet im Vergleich zu Gold unterdurchschnittlich ab. Ich hoffe, dass es so stark steigen wird wie in den Jahren 2009 bis 2011", sagte Patel, der in diesem Zeitraum mehr als 200 Prozent Rendite mit Silber erzielt hat.

Auch industrielle Silber-Nachfrage steigt

Neben der Investitionsnachfrage sind auch die Importe aufgrund der zunehmenden industriellen Nutzung gestiegen, sagte ein in Mumbai ansässiger Händler bei einer führenden Silberimportbank.

"Die Elektronik- und Solarpanelherstellung hat aufgrund der staatlichen Anreize zugenommen. Diese Branchen verbrauchen immer mehr Silber, ebenso wie die Automobilindustrie", so der Händler gegenüber Reuters.

Indien bietet einheimischen und ausländischen Unternehmen produktionsgebundene Anreize für die Herstellung von Elektronik und Solarpanels in dem Land.

Indien deckt den größten Teil seines Silberbedarfs durch Importe, hauptsächlich aus Hongkong, dem Vereinigten Königreich, aus China und Russland.

Der Anstieg der Nachfrage hat es den Banken und Edelmetallhändlern ermöglicht, Aufschläge von bis zu 30 Cent pro Unze gegenüber den Weltmarktpreisen zu verlangen, während zugleich Gold mit einem Abschlag gehandelt wird, sagte ein in Mumbai ansässiger Edelmetallhändler einer Privatbank.

"Letztes Jahr wurde Gold mit einem Aufschlag und Silber mit einem Abschlag gehandelt. Jetzt ist genau das Gegenteil der Fall", sagte der Händler.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Politik
Politik Rotstift beim Wohngeld: Bundesregierung plant Sparhammer für Wohngeldempfänger
19.06.2026

Das Spardiktat der Bundesregierung trifft Haushalte mit geringem Einkommen hart: Bauministerin Verena Hubertz plant drastische Kürzungen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Preis Sevnica: 60 Tonnen Stahl für die Elektrifizierung Europas
19.06.2026

Das Unternehmen Preis Sevnica aus Slowenien fertigt hochkomplexe Transformatorgehäuse, baut im Zuge der Elektrifizierung Europas seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Elektroautos greifen Deutschlands Autoelite an
19.06.2026

Wer Chinas Autobauer noch für Nachahmer hält, unterschätzt den eigentlichen Umbruch der Branche. Chinesische Elektroautos setzen längst...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
19.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Politik
Politik Druck aus Berlin: Kanzler Merz will EU-Haushalt eindampfen und Tempo machen
19.06.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht beim EU-Gipfel in Brüssel den Druck auf die europäischen Partner. Er wies den aktuellen Entwurf für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Revolte bei den Jusos: Philipp Türmer droht SPD-Spitze mit Personaldebatte
19.06.2026

Die anhaltende Umfragekrise der SPD sorgt für heftigen parteiinternen Zoff. Juso-Chef Philipp Türmer geht die Parteispitze frontal an und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Werksumbau in Sachsen: BMW macht Leipzig fit für die nächste E-Generation
19.06.2026

BMW schaltet am Standort Leipzig auf Zukunft: In den kommenden Sommermonaten wird das sächsische Werk für mehrere Wochen umfassend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gemeinsame Ziele in Krisenzeiten: Deutschland und Türkei planen engere Kooperation
19.06.2026

Deutschland und die Türkei wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit massiv ausbauen und vertiefen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina...