Technologie

Strategische Partnerschaft zwischen Mercedes-Benz und Rock Tech

Der Stuttgarter Autobauer geht eine strategische Partnerschaft mit dem deutsch-kanadischen Unternehmen mit Hauptsitz in Vancouver, Kanada, ein.
24.08.2022 10:21
Lesezeit: 2 min

Batterierohstoff Lithiumhydroxid von Rock Tech Lithium: Der Stuttgarter Autobauer Mercedes Benz wird im Rahmen einer strategischen Partnerschaft künftig seine Batterie-Zulieferer mit hochwertigem Lithium Hydroxide von der Rock Tech. Inc. mit Sitz in Vancouver, Kanada, versorgen.

Die beiden Unternehmen gaben das am Dienstag während eines Besuchs einer deutschen Wirtschaftsdelegation unter Leitung von Bundeskanzler Olaf Scholz in Kanada bekannt.

Produktion von Elektrofahrzeugen soll gesteigert werden

Dabei will Mercedes-Benz bis zum Ende des Jahrzehnts vollelektrisch werden. Der Autobauer plant deshalb ab 2025 alle Fahrzeug-Architekturen ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs – battery electric vehicles) anzubieten.

Um das verwirklichen zu können, beabsichtigt Mercedes Benz mit Rock Tech eine strategische Partnerschaft für mindestens fünf Jahre einzugehen, mit der Option auf eine Verlängerung.

Derzeit ist beabsichtigt, dass Rock Tech bis 2026 jährlich bis zu 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid an Mercedes-Benz und seine Batteriepartner liefert, beginnend mit einer Qualifizierungsphase, bei der bestimmte Produkt- und Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden müssen. Dieses aufbereitete Lithiumprodukt soll dann ein wichtiger Bestandteil leistungsfähiger Fahrzeugbatterien sein.

Die deutsch-kanadische Rock Tech erwartet deshalb, ein zentraler Umsetzungspartner für den Automobilhersteller und seine vollelektrischen und klimaneutralen Strategien zu werden.

Zudem wollen mit der strategischen Partnerschaft beide Unternehmen sicherstellen, dass die Menge an Lithium in Batteriequalität dem wachsenden Bedarf von Mercedes-Benz entspricht, um die Produktion von Elektrofahrzeugen zu steigern.

Rock Tech in Guben

Rock Tech entwickelt gegenwärtig seinen ersten Konverter in Guben, Ostdeutschland. Bislang gibt es in Europa keine weitere Raffinerie dieser Art. Diese Versorgungslücke will Rock Tech bei Lithium schließen und die regionalen Lieferketten resilienter machen.

Ab Ende 2024 wird deshalb in diesem Konverter das Lithium-Mineral Spodumen zu hochwertigem Lithiumhydroxid raffiniert. Das würde eine kurze Lieferkette im Heimatmarkt von Mercedes-Benz bedeuten und dürfte die Partnerschaft weiter stärken.

„Mit der geplanten Vereinbarung beabsichtigen wir, Mercedes-Benz nicht nur mit hochwertigem Lithiumhydroxid zu versorgen, sondern auch eine strategische Partnerschaft zu etablieren, die neue Standards für nachhaltige Lieferketten setzen soll und uns zu einem wichtigen Umsetzungspartner seiner Strategie und des Wandels hin zur Elektromobilität machen will", sagt Markus Brügmann, Chief Executive Officer von Rock Tech Lithium.

"Mercedes-Benz plant, bis zum Ende dieses Jahrzehnts vollständig auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, sofern die Marktbedingungen dies zulassen. Um die Produktion von Elektrofahrzeugen zu steigern, benötigen wir Zugang zu Rohstoffen, um die Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit der Lieferkette für Elektrofahrzeuge zu verbessern. Mit der Partnerschaft mit Rock Tech wollen wir einen Ansatz der direkten Beschaffung verfolgen, um die Lithiumversorgung für die Batterieproduktion von Mercedes-Benz sicherzustellen", so Markus Schaefer, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG, Chief Technology Officer, und verantwortlich für Forschung & Entwicklung und Beschaffung.

Die Projekte von Rock Tech

Darüber hinaus beabsichtigt Rock Tech, eine eigene Mine in Georgia Lake, Kanada, zu betreiben, um einen Beitrag zur breiteren und wachsenden Lithiumnachfrage in der nördlichen Hemisphäre zu leisten.

Mit dem Aufkommen neuer Rohstoffquellen innerhalb der G7-Gemeinschaft wird insbesondere Kanada zu einem immer wichtigeren Partner für zuverlässige Lieferketten. Rock Tech sei ein Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Kanada und Deutschland umgesetzt werden kann.

Das sei auch einer der Gründe, warum Mercedes-Benz und Rock Tech die beabsichtigte Partnerschaft während der Reise einer Wirtschaftsdelegation nach Kanada am Dienstag in Toronto bekannt gegeben haben, nachdem Mercedes-Benz und die kanadische Regierung eine Absichtserklärung zur Stärkung der Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette von Elektrofahrzeugen unterzeichnet hatten.

Die Bezugsquellen von Rock Tech und das eigene Bergbauprojekt in Kanada sollen nach Angaben des Unternehmens die Standards der Initiative for Responsible Mining Assurances (IRMA) erfüllen oder übertreffen, deren Kriterien unter anderem Menschenrechte und den ökologisch nachhaltigen Abbau von Rohstoffen umfassen. Darüber hinaus prüft Rock Tech neue Methoden und Technologien, die auf eine CO2-neutrale industrielle Produktion von Lithiumhydroxid und neue abfallfreie Produktionsmethoden abzielen. (ps)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Brady macht Schluss mit Kabeln im Industrie-Etikettendruck

Industrie-Kennzeichnung galt lange als stationär, schwer und kabelgebunden. Brady bringt nun einen Hybrid-Drucker auf den Markt, der...

DWN
Politik
Politik EU-Mitgliedschaft: Warum andere Länder schneller vorankommen als die Ukraine
06.05.2026

Die EU-Erweiterung rückt durch neue geopolitische Risiken wieder ins Zentrum der europäischen Politik, doch nicht jeder Kandidat hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft J.P. Morgan-Chef Jamie Dimon warnt: Weltordnung steht vor historischer Probe
06.05.2026

Jamie Dimon sieht die globale Wirtschaft vor Risiken, die weit über Börsen, Inflation und Ölpreise hinausreichen. Kann der Westen seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nord Stream 1: Lubminer Gaskraftwerk wird an die Ukraine verschenkt
06.05.2026

Das funktionsfähige und stillgelegte Gaskraftwerk in Lubmin, soll an die Ukraine verschenkt werden. Das sorgt für Unmut, denn die Anlage...

DWN
Technologie
Technologie Kostenfalle ChatGPT: OpenAI zahlt 50 Milliarden Dollar allein für Rechenleistung
06.05.2026

Dass der Betrieb von ChatGPT teuer ist, war bekannt. Jetzt bekommt man einen Einblick, wie viele Milliarden die KI-Rechenzentren den...

DWN
Politik
Politik Trump vor der nächsten Probe: Wie lange hält der Waffenstillstand am Golf?
06.05.2026

Der Iran-Krieg macht Donald Trumps Machtverständnis zum Risiko für Märkte, Diplomatie und die globale Ordnung. Wie lange kann die...

DWN
Finanzen
Finanzen Morningstar nennt 5 Favoriten: US-Aktien für geduldige Anleger
06.05.2026

Morningstar sieht bei ausgewählten US-Aktien langfristige Chancen, doch selbst starke Marktführer müssen regelmäßig überprüft...

DWN
Politik
Politik Kerosin-Mangel im Sommer? Israel liefert Deutschland Kerosin
06.05.2026

Die Lieferung aus Nahost geschieht nach israelischen Angaben auf Bitte des deutschen Energieministeriums. Der deutsche Verkehrsminister...

DWN
Politik
Politik Kein vorzeitiges Ende: Merz sieht keine Alternative zu Schwarz-Rot
06.05.2026

Die schwarz-rote Regierung versinkt ein Jahr nach ihrem Amtsantritt im Streit. Den Spekulationen über ein vorzeitiges Ende der Koalition...