Wirtschaft

Analysten erwarten Einbruch am US-Häusermarkt

Der US-Häusermarkt steht vor einer deutlichen Korrektur der Preise. Drei verlässliche Indikatoren zeigten diese bereits an, behaupten Analysten.
28.08.2022 09:00
Lesezeit: 3 min
Analysten erwarten Einbruch am US-Häusermarkt
Sonnenuntergang in Miami. Die Häuserpreise in den USA könnten unter Druck geraten. (Foto: dpa) Foto: Erik S. Lesser

Die Analysefirma EPB Macro Research rechnet mit einem kurz bevorstehenden, deutlichen Einbruch der Preise am US-amerikanischen Häusermarkt. Aus Sicht des Ökonomen Eric Basmajian sprächen für diese Prognose inzwischen eine Vielzahl an Indizien, insbesondere aber drei belastbare Leitindikatoren.

Bei diesen Leitindikatoren handelt es sich Basmajian zufolge um

1) das Verhältnis zwischen der Zahl der innerhalb eines Monats zum Verkauf stehenden Neubauten und der Zahl der Hausverkäufe in diesem Monat,

2) der Schaffung neuer Liquidität in Form der Geldmenge M2 durch die US-Zentralbank Federal Reserve

und 3) dem Zinsunterschied zwischen den Zinsen auf Hypotheken mit 30 Jahren Laufzeit und den Zinsen, die amerikanische Staatsanleihen mit derselben Laufzeit abwerfen.

Alle drei Indikatoren hatten sich in der Vergangenheit – die von EPB Macro Research genutzte Zeitreihe geht bis in die 1970er Jahre zurück – jeweils als ziemlich zuverlässige Anzeichen für einen kurz danach folgenden Abschwung erwiesen. Manchmal „irrten“ sie aber auch. Kombiniert zu einem Gesamtindikator zeigten die drei Leitindikatoren jedoch zuverlässig daraufhin folgende Preiseinbrüche im Markt an, wie aus folgender Grafik hervorgeht:

Wie aus der Grafik hervorgeht, ist der Kurs des Gesamtindex (rechte Skala) zuletzt rapide gesunken. Auch die Häuserpreise (linke Skala) sind in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen, liegen aber auf historischer Sicht immer noch auf extrem hohen Niveaus.

Aus dem Umstand, dass zwischen dem Kurvenverlauf der Leitindikatoren sowie jenem der Entwicklung der Häuserpreise eine im langjährigen Vergleich sehr große Lücke klafft, schließt Basmajian, dass die bereits eingetretene leichte Korrektur in den vorausliegenden Monaten noch deutlich schärfen ausfallen wird, weil ein großer Korrekturbedarf hin zu einer Angleichung der beiden Kurven besteht.

US-Eigenheimgeschäft bricht ein

Der negative Trend zeichnet sich bereits in den offiziellen Daten für den Häusermarkt ab. So ist das Geschäft mit Einfamilienhäusern in den USA im Juli eingebrochen. Die Zahl der verkauften Neubauten sank zum Vormonat um 12,6 Prozent auf eine Jahresrate von 511.000 Einheiten, wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 575.000 gerechnet. Auch der Juni-Wert wurde auf 585.000 von 590.000 nach unten revidiert.

Gestiegene Hypothekenzinsen und höhere Preise für Holz und weitere Materialien treiben die Baukosten und machen die eigenen vier Wände für viele ärmere Amerikaner zunehmend unerschwinglich. Im Mittel kostete ein neues Haus im Juli 439.400 Dollar - ein Plus von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Sechster Rückgang in Folge

Im Juli waren darüber hinaus auch die Verkäufe bestehender Häuser stärker als erwartet gesunken. Gegenüber dem Vormonat fiel die Zahl der Bestandsveräußerungen um 5,9 Prozent, wie die Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR) in Washington mitteilte. Es war der sechste Rückgang in Folge.

Auf das Jahr hochgerechnet lag die Zahl der Verkäufe saisonbereinigt bei 4,81 Millionen. Dies ist der niedrigste Stand seit Mai 2020. Hier waren 4,86 Millionen erwartet worden. Im Vormonat waren es noch 5,11 Millionen gewesen.

„Wir sind Zeugen einer Rezession im Wohnungsbau, was den Rückgang der Hausverkäufe und Hausbauten betrifft“, sagte Lawrence Yun, Chefökonom des NAR. Die Hauspreise stiegen jedoch landesweit weiter und die Bestände an Häusern blieben knapp.

Auch die Zahl der noch nicht ganz abgeschlossenen Hausverkäufe ist gefallen. Die sogenannten schwebenden Hausverkäufe sanken im Juli gegenüber dem Vormonat um 1 Prozent, wie die National Association of Realtors mitteilte. Das Minus im Juni ist zudem mit 8,9 Prozent höher als bisher ermittelt ausgefallen. Zunächst war eine Verringerung von 8,6 Prozent festgestellt worden.

Die noch nicht ganz abgeschlossenen oder schwebenden Hausverkäufe gelten als Indikator für den Häusermarkt, da sie die Lage zu einem frühen Zeitpunkt im Transaktionsprozess abbilden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Panorama
Panorama Spanien im Wandel: Vom Klischee zum Vorreiter beim Frauenschutz
29.03.2026

Spanien steht oft im Ruf eines klassischen Macho-Landes. Doch aktuelle Zahlen und konsequente Maßnahmen zeichnen ein anderes Bild....

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter verstorben: Was passiert mit dem Mietvertrag nach einem Todesfall?
29.03.2026

Der Tod eines Mieters wirft für Hinterbliebene oft viele Fragen auf: Darf man in der Wohnung bleiben, wenn der Vertrag nur auf den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Finanzen
Finanzen Prediction Markets: Der Machtkampf um ein neues Finanzsystem eskaliert
28.03.2026

Ein digitaler Milliardenmarkt wächst rasant und entzieht sich klassischen Regeln. Prediction Markets verbinden Wetten und Finanzgeschäfte...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnimmobilienmarkt: Wo Investoren jetzt und in Zukunft Rendite finden
28.03.2026

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt stabilisiert sich spürbar. Preise steigen wieder, Transaktionen nehmen zu und Kapital kehrt zurück. Doch...