Finanzen

EZB stellt Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte in Aussicht

Den EZB-Protokollen zufolge will die große Mehrheit der Notenbanker die Zinsen um 50 Basispunkte anheben. Eine Inflation sei gefährlicher als eine Rezession.
25.08.2022 17:13
Aktualisiert: 25.08.2022 17:13
Lesezeit: 2 min

Nur wenige Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben auf der Zinssitzung im Juli mit Blick auf die Rezessionsgefahren für eine eher schwache Zinserhöhung argumentiert.

Eine sehr große Mehrheit stimmte angesichts gestiegener Inflationssorgen darin überein, dass es angemessen sei, die Schlüsselzinsen anders als in Aussicht gestellt um 0,50 Prozentpunkte zu erhöhen, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll zu dem EZB-Treffen hervorgeht. "Dies wurde als klares Signal der Entschlossenheit angesehen, zu handeln und das Mandat zu erfüllen", hieß es darin. Die nächste Zinssitzung der EZB ist für den 8. September anberaumt.

Laut der Aufzeichnung argumentierten die Euro-Wächter auf dem Juli-Treffen dahingehend, dass die EZB ihren Willen und ihre Fähigkeit zu antworten zeigen müsse, wenn sich die Aussichten änderten. Eine Zinserhöhung um 0,50 Prozentpunkte bringe zudem mehr Klarheit für die Marktteilnehmer in einem höchst unsicheren Umfeld.

"Insgesamt hat sich der Inflationsdruck ausgeweitet und verstärkt", hieß es im Protokoll. Bedenken seien vorgebracht worden, dass eine Verankerung der Inflationserwartungen davon abhängig sei, dass die EZB angesichts sich verschlechternder Inflationsaussichten entschlossen vorgehe. Die EZB spricht von Verankerung der Inflationserwartungen, wenn diese mit ihrem Teuerungsziel von 2 Prozent übereinstimmen. Die Zinsanhebung im Juli war die erste Erhöhung der geldpolitischen Schlüsselsätze seit elf Jahren.

WEITERER KRÄFTIGER SCHRITT IM SEPTEMBER ERWARTET

Volkswirte sehen durch die Protokolle ihre Einschätzung bestätigt, dass die EZB die Zinsen im September erneut kräftig anheben wird. "Basierend auf dem Protokoll und dem Fokus auf Datenabhängigkeit für die anstehenden Sitzungen erwarten wir weiterhin eine Erhöhung um 50 Basispunkte im September", kommentierten die Experten der US-Bank Morgan Stanley. Denn die Inflation werde in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter zulegen.

Diese Erwartungen schürte zuletzt auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel. Denn aus ihrer Sicht haben sich seit der Juli-Zinssitzung die Inflationsaussichten nicht verbessert, wie sie vor einer Woche in einem Reuters-Interview sagte. Schabel signalisierte damit, dass im September womöglich erneut eine kräftige Zinsanhebung notwendig sein könnte. "Im Juli entschieden wir uns für eine Anhebung um 50 Basispunkte angesichts des Inflationsausblicks. Im Moment denke ich nicht, dass sich dieser Ausblick grundlegend geändert hat," erläuterte die deutsche Ökonomin.

Im Juli war die Inflation im Euro-Raum auf einen neuen Rekordwert von 8,9 Prozent geklettert. Für Deutschland, der größten Volkswirtschaft in der Währungsunion, hält Bundesbank-Präsident Joachim Nagel im Herbst sogar eine Rate von zehn Prozent für möglich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Neue EU-Gebäuderichtlinie: Es kommen Änderungen beim Energieausweis für Millionen Eigentümer
04.02.2026

Im Mai 2026 könnte für Millionen deutsche Hausbesitzer eine wichtige Frist ablaufen: Die reformierte EU-Gebäuderichtlinie legt EU-weit...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie im Fokus: OpenAI prüft alternative Chiphersteller
04.02.2026

Die Debatte um Leistungsgrenzen und Kosten von KI-Chips verschärft sich, da OpenAI seine Hardwarestrategie überprüft. Welche Bedeutung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Online-Shopping verliert, stationärer Handel gewinnt: Kommt eine Trendwende?
04.02.2026

Online-Bestellungen, Retouren und Ausgaben sinken, während der Einkauf im stationäre Handel steigt: Immer mehr Deutsche kaufen wieder im...

DWN
Finanzen
Finanzen PVA TePla-Aktie gibt kräftig nach: PVA Tepla verdient deutlich weniger
04.02.2026

Das deutsche Technologieunternehmen PVA TePla hat im vergangenen Jahr in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld Umsatz eingebüßt und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weinig-Stellenabbau: Konzern plant drastische Einschnitte – Warnsignal für den deutschen Maschinenbau?
04.02.2026

Der Maschinenbauer Weinig AG steht vor einem tiefgreifenden Umbruch: Ein globaler Abbau von Arbeitsplätzen ist geplant, Standorte sollen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie gewinnt: Milliarden-Übernahme von Beschichtungsfirma Stahl geplant
04.02.2026

Der Dax-Konzern Henkel will sein Geschäft mit Spezialbeschichtungen stärken - und gibt dafür Milliarden aus.

DWN
Finanzen
Finanzen Infineon-Aktie: KI-Boom treibt Investitionen – Infineon-Zahlen kommen am Aktienmarkt gut an
04.02.2026

Die Infineon-Aktie rückt nach der Zahlenvorlage des Chipherstellers in den Fokus der Anleger. Der Konzern profitiert vom KI-Boom und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sachsen-Anhalt: IWH-Präsident fürchtet um Wirtschaft bei AfD-Wahlsieg
04.02.2026

Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, warnt vor wirtschaftlichen Konsequenzen nach einem...