Finanzen

Energiekrise bringt Ende des Euro

Der Euro war von Anfang an eine Fehlkonstruktion, wurde aber immer durch das starke Plus im Außenhandel gestützt. Nun bringen ihn die hohen Energiepreise endgültig zu Fall.
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03.09.2022 16:35
Aktualisiert: 03.09.2022 16:35
Lesezeit: 2 min

Dem Euro drohen weitere Verluste. Denn der Konflikt mit Russland hat den Energiemangel in Europa massiv verschärft, und die rekordhohen Erdgaspreise haben die Region in eine historische Krise gestürzt. Die Staaten bereiten sich längst auf Stromausfälle und Energierationierung in diesem Winter vor.

Deutschland verzeichnete zuletzt das größte Handelsdefizit seit den 1980er Jahren, was die Händler im Hinblick auf den Euro zunehmend beunruhigt. Analysten warnen, dass eine anhaltende Verschlechterung der Handelsbilanz den Wert der Währung vollends untergraben könnten.

Der Euro wird derzeit unter Parität zum Dollar gehandelt. Selbst Andeutungen führender Funktionäre der Europäischen Zentralbank (EZB), wonach die Notenbank am kommenden Donnerstag eine sehr starke Zinserhöhung um 75 Basispunkte vornehmen wird, konnten den Euro kaum stützen.

"Die Aussichten sind düster, bis sich die Preise normalisieren", zitiert Bloomberg Kaspar Hense, Senior Portfolio Manager bei Bluebay Asset Management. "Das Thema, dass die Kaufkraftparität im Hintergrund die Devisenmärkte antreibt, ist noch lange nicht vom Tisch."

Schlechte Leistungsbilanz schwächt den Euro

Europas Energieabhängigkeit von Russland ist Teil eines Wirtschaftsmodells, das die gemeinsame Währung seit ihrer Einführung langfristig stützt. Da der Geldfluss zum Kauf von Produkten regelmäßig den Kapitalabfluss zur Bezahlung von Importen übertraf, blieb die Nachfrage nach dem Euro stark. Doch diese Dynamik hat sich jetzt geändert.

Die Theorie besagt, dass sich die Wechselkurse entsprechend den Veränderungen in der Leistungsbilanz anpassen werden. Ohne solche unterstützenden Ströme kann eine Währung "volatiler und anfälliger" für Veränderungen der externen Bedingungen werden, erklären Analysten der Großbank HSBC.

Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass der Euro im Falle einer tieferen und länger anhaltenden Kürzung der Gasflüsse auf 0,95 Dollar fällt. Bluebay Asset Management shorten den Euro, weil sie davon ausgehen, dass er in den kommenden Monaten auf dieses Niveau fallen wird.

Laut Karen Fishman, einer Analystin bei Goldman Sachs, ist eine längerfristige Anpassung der Handelsbedingungen in der Eurozone noch nicht im Preis des Euro enthalten. Die Währung wird auf einem Niveau gehandelt, das dem Basisszenario der Investmentbank entspricht, das von einer leichten Rezession noch in diesem Jahr ausgeht.

Eurozone mit nie dagewesenem makroökonomischen Schock

Zwar füllen sich die europäischen Gasreserven schnell. Doch es besteht dennoch die Gefahr, dass die russischen Lieferungen an die Eurozone vollständig unterbrochen werden. Eine solche Entwicklung, die sich mit dem Stopp von Nord Stream 1 andeutet, könnte die Energiepreise in ganz neue Höhen treiben.

Die drohende fortschreitende Verschlechterung der Handelsaussichten könnte auch die Möglichkeiten der EZB einschränken, die Währung durch aggressivere Zinserhöhungen zu stützen. Denn die Anleger konzentrieren sich darauf, wie steigende Zinsen die Wirtschaft in der Region noch zusätzlich bremsen.

"Es ist eine sehr, sehr ungewöhnliche Situation", sagte Peter Kinsella, Leiter der Devisenstrategie bei der Union Bancaire Privee Ubp. "Das Problem ist, dass die Eurozone und die europäische Wirtschaft einen sehr großen exogenen Makroschock erlebt, wie ihn die Eurozone noch nie erlebt hat."

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