Finanzen

Händler wetten auf sehr großen Zinsschritt durch die EZB

Die Inflation in der Eurozone erreicht neue Rekorde. Daher wetten die Spekulanten am Geldmarkt nun darauf, dass die EZB die Zinsen um 0,75 Prozetpunkte anheben wird.
01.09.2022 09:57
Aktualisiert: 01.09.2022 09:57
Lesezeit: 1 min

Nach dem jüngsten Inflationsschub im Euro-Raum haben die Spekulationen am Geldmarkt auf einen sehr großen Zinsschritt der EZB deutlich zugenommen.

Aus den Kursen ging dort am Donnerstag hervor, dass Investoren inzwischen die Wahrscheinlichkeit auf rund 80 Prozent taxieren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Zinssitzung am nächsten Donnerstag die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte anheben wird.

Am Mittwoch vor der Veröffentlichung neuer Inflationsdaten hatte die Wahrscheinlichkeit für einen solchen sehr kräftigen Schritt noch bei etwas über 50 Prozent gelegen. Eine Anhebung um 0,50 Prozentpunkte ist schon länger fest in den Kursen eingerechnet.

Die Inflation im Euro-Raum war im August auf einen neuen Rekordwert von 9,1 Prozent geklettert. Das ist das höchste Niveau seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel forderte daraufhin ein energisches Einschreiten der EZB. "Wir brauchen im September eine kräftige Zinsanhebung", erklärt er. Es bestehe das Risiko, dass die Phase hoher Inflation noch länger anhalte und die aktuelle Teuerungswelle nur langsam abebbe. Daher sei ein entschlossenes Handeln des EZB-Rats dringend notwendig.

Estlands Notenbankchef Madis Müller und der Notenbank-Gouverneur der Niederlande, Klaas Knot, hatten sich bereits am Dienstag dafür ausgesprochen, auch einen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten zu diskutieren.

Am Wochenende hatten EZB-Direktorin Isabel Schnabel und Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau auf dem Geldpolitik-Symposium der US-Notenbank in Jackson Hole für kraftvolle und signifikante Schritte argumentiert.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet mit 0,75 Prozentpunkten, ebenso die Geldhäuser Nordea und Danske Bank. Der Ökonom Salomon Fiedler von der Berenberg Bank sagte: "Wenn die EZB jetzt die Zinsen schneller anhebt, kommt sie mittelfristig vielleicht mit einem niedrigeren Zinsniveau davon als sonst." (rtr)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Technologie
Technologie Batteriespeicher boomen: Deutschland baut Kapazität massiv aus
23.10.2026

Der Ausbau von Batteriespeichern nimmt in Deutschland deutlich Fahrt auf. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen bereits rund eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Seltene Erden: Europa bricht mit Russland, doch der Plan hat einen Haken
23.10.2026

Europa will sich bei Seltenen Erden aus der Abhängigkeit von Russland befreien. Ein Werk in Estland soll dabei eine Schlüsselrolle...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: CoreWeave und Sandisk im Tech-Ausverkauf schwer getroffen
22.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Auslöser die Wall Street in Aufruhr versetzen und was das für die Märkte bedeutet.

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...