Unternehmen

Deutschland: Handelsketten in Aufruhr

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich die Lebensmittel-Einzelhändler und die Hersteller nicht gegenseitig Preistreiberei vorwerfen. Dabei hat bei vielen Händlern ein Umdenken stattgefunden.
Autor
05.09.2022 15:22
Lesezeit: 2 min
Deutschland: Handelsketten in Aufruhr
In den Regalen der deutschen Discounter befinden sich immer mehr Eigenmarken. (Foto: dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

Die Lage zwischen Handelsketten und deren Lieferanten spitzt sich immer weiter zu. Dabei entwickeln sich die zumindest bis jetzt nicht in der Öffentlichkeit ausgetragenen Preiskämpfe äußerst dynamisch und haben vor allem beim Handel aufgrund der starken Umsatzrückgänge zu einem Umdenken geführt.

So verschwinden etwa bei den Discountern Lidl und Aldi immer mehr Marken aus den Regalen und werden durch eigene, billigere Eigenmarken ersetzt.

Dabei fällt etwa auf, dass bei Lidl die Marken Danone, Müller Milch, Henkel oder Beiersdorf über Wochen nur sehr beschränkt oder überhaupt nicht verfügbar waren. Dasselbe bei Aldi: Während bei Aldi Nord vor allem Nestle-Produkte fehlen, gibt es bei Aldi Süd keine Danone-Produkte mehr und auch das Angebot der Henkel-Marken ist ausgedünnt.

Die Gründe sind vielfältig: Neben den Preiskonflikten zwischen Handel und Lieferanten wurden zuletzt einige Artikel ausgelistet und vor allem der Ausbau der eigenen Handelsmarken forciert. Das hat bei Aldi und Lidl in vielen europäischen Ländern zu einem Umsatzwachstum im zweistelligen Millionenbereich geführt.

Zudem bewerben die Discounter immer mehr ihre eigenen Marken und setzen dabei auf die bei den Herstellern verpönten Preisvergleiche mit Markenwaren. Zwar sind auch die Preise bei den Marken der Discounter gestiegen, allerdings sind sie immer noch billiger als die entsprechenden Markenartikel.

Rossmann

Neben den Lebensmittel-Discountern geht jetzt auch Rossmann in die Offensive und macht Druck auf die Industrie. Dabei rechnet der Unternehmer Raoul Roßmann damit, dass es Anfang des nächsten Jahres zu Preissenkungen komme. Auf jeden Fall hat er schon mal angekündigt, sich die Lieferanten herauszupicken, dessen Halbjahresbilanzen sich hervortun und deren Preissteigerungen höher waren als bei anderen Herstellern oder im Eigenmarken-Bereich.

Der Drogeriebereich erzielte zuletzt aufgrund der Auswirkungen der Inflation, einiger Nachholeffekte nach der Corona-Krise und dem gesteigerten Absatz einiger Eigenmarken in den vergangenen Monaten höhere Umsatzzuwächse als andere Handelssparten.

So wuchs der Umsatz von Januar bis Juni dieses Jahres um 3,1 Prozent, im Juli sogar um fünf Prozent. Noch größer sind die Zuwächse bei Rossmann. So verkündete die größte Drogeriemarktkette Europas im Juni und Juli Umsatzzuwächse jenseits von siegen Prozent, im August sogar zweistellig.

Coca-Cola und Radeberger

Während sich Raoul Rossmann spätestens Ende dieses Jahres bestimmte Unternehmen zur Brust nehmen will, ist es zwischen dem deutschen Lebensmittel-Einzelhändler Edeka und der umsatzstärksten Cola-Marke Coca-Cola zum Bruch gekommen. Der Streit zwischen Edeka und dem US-Getränkekonzern ist nach angekündigten Preissteigerungen des Konzerns so weit eskaliert, dass sich Coca-Cola entschieden hat, die Edeka-Märkte nicht mehr mit dem kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränk zu beliefern.

Als erster Großbrauer in Deutschland fordert Radeberger zum zweiten Mal in diesem Jahr mehr Geld vom Handel und Gastronomie. Die neue Preisliste soll ab dem 1. Dezember gelten. Die zur Dr. Oetker-Gruppe gehörende Brauerei rechtfertigt diesen Schritt unter anderem mit den exorbitant gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten. Insider vermuten, dass dieser Schritt eine Signalwirkung für die anderen Bierbrauer haben könnte und dass sie ebenfalls nachziehen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...