Deutschland

Ifo-Institut erwartet Inflation von 11 Prozent im Winter

Das Ifo-Institut prognostiziert für Deutschland eine Winter-Rezession sowie eine steigende Inflation. Eine Normalisierung erwarten die Ökonomen für 2024.
12.09.2022 11:00
Aktualisiert: 12.09.2022 11:00
Lesezeit: 2 min

Inflation rauf, Wirtschaft runter: Das Ifo-Institut hat seine erst drei Monate alten Konjunkturprognosen für das kommende Jahr wegen der Energiekrise drastisch korrigiert. Demnach werden die Verbraucherpreise statt der bislang erwarteten 3,3 Prozent um den Rekordwert von 9,3 Prozent steigen, wie die Münchner Forscher am Montag vorhersagten.

Beim Bruttoinlandsprodukt wird nun für 2023 anstelle eines Wachstums von 3,7 Prozent ein Rückgang von 0,3 Prozent angenommen, weil die Deutschen bei sinkender Kaufkraft weniger konsumieren dürften.

"Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser in Berlin. Das ist auch schon im laufenden Jahr zu spüren. Hier setzten die Ökonomen ihre Inflationsprognose von 6,8 auf 8,1 Prozent herauf, die für das Wirtschaftswachstum dagegen von 2,5 auf 1,6 Prozent herunter.

Eine besonders schwierige Zeit erwartet das Ifo-Institut in den kommenden Monaten. "Wir gehen in eine Winter-Rezession", sagte der Konjunkturchef. Die Energieversorger passen demnach vor allem zu Jahresbeginn 2023 ihre Strom- und Gaspreise spürbar an die hohen Beschaffungskosten an. Das werde die Inflationsrate im ersten Quartal des kommenden Jahres auf etwa elf Prozent hochtreiben. Damit gingen die realen Haushaltseinkommen kräftig zurück und die Kaufkraft sinke spürbar, was den privaten Konsum belasten dürfte.

Das kürzlich verabschiedete dritte Entlastungspaket der Regierung werde diesem Rückgang zwar etwas entgegenwirken, ihn aber bei weitem nicht ausgleichen. "Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation", sagte Wollmershäuser.

Der Kaufkraftverlust, gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne, dürfte in diesem und im kommenden Jahr bei jeweils etwa 3 Prozent liegen. Das wären die höchsten Werte seit Beginn der Statistik 1970. Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres dürfte sich der Preisanstieg allmählich abschwächen - vorausgesetzt, im Winter steht genügend Gas zur Verfügung. Dann sollten die Energiepreise nicht weiter steigen und spätestens ab dem Frühjahr 2023 wieder sinken.

Schwere Auswirkungen der Konjunkturkrise auf den Arbeitsmarkt erwartet das Ifo nicht. Der Beschäftigungsaufbau werde sich zwar verlangsamen, das aber nur vorübergehend. Der voraussichtliche Anstieg der Arbeitslosenzahl um gut 50.000 im kommenden Jahr gehe vor allem auf den sprunghaften Anstieg der arbeitslosen ukrainischen Flüchtlinge im Sommer 2022 zurück. Sie würden nur allmählich in den Jobmarkt integriert.

Die Folgen des Kriegs in der Ukraine und Demografie werden das Wachstum nach Prognose des Kiel Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) noch lange dämpfen. "Deutschland stehen magere Jahre bevor", sagte IfW-Konjunkturchef und -Vizepräsident Stefan Kooths. "Die Alterung der Gesellschaft drückt die Wachstumsaussichten empfindlich, weil künftig weniger Menschen arbeiten werden." Hinzu kämen nun infolge des Krieges in der Ukraine knapper und teurer gewordene Energierohstoffe, die in vielen Produktionsprozessen eine wichtige Rolle spielen. "Dies schmälert Deutschlands Wirtschaftskraft obendrein", sagte Kooths.

Demnach dürfte die bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten mögliche Zunahme der Wirtschaftsleistung Ende 2027 nur noch knapp 0,7 Prozent betragen. Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt lag sie vor der Corona-Krise bei 1,3 Prozent. Die deutsche Wirtschaft operiere bereits seit 2020 unterhalb ihrer Möglichkeiten. Dies dürfte dem Institut zufolge noch bis 2025 andauern. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum rund 300 Milliarden Euro niedriger liegen, als es bei normaler Auslastung möglich wäre.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Greg Abel vor Bewährungsprobe: Anleger prüfen Berkshire Hathaway-Aktie
17.05.2026

Die Berkshire Hathaway-Aktie steht nach dem Machtwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel vor einer neuen Vertrauensprobe. Kann der Konzern...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kommission pocht auf Reformen bei ARD und ZDF
17.05.2026

Gehälterdeckel, Beitragsbremse, mehr Sparsamkeit: Eine Enquete-Kommission in Sachsen-Anhalt hat vor der Landtagswahl ehrgeizige Pläne...

DWN
Finanzen
Finanzen Trauringe aus Gold: Nachhaltig und fair Gold kaufen
17.05.2026

Viele Paare wünschen sich Trauringe aus Gold - möglichst hochwertig und langlebig. Doch die Herkunft des Edelmetalls spielt eine...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche Bahn startet günstiges Familienticket für Sommerreisen
17.05.2026

Mit einem neuen Familienticket will die Deutsche Bahn Familien in den Sommerferien entlasten. Für unter 100 Euro sind Hin- und...

DWN
Immobilien
Immobilien Marode Gebäude und Brücken: Sanierungsstau in Berlin erreicht neue Dimensionen
17.05.2026

Von der Technischen Universität bis zum Schloss Bellevue: In Berlin häufen sich gravierende Baumängel und kostspielige...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitswelt: Wie Algorithmen den Menschen zur Restgröße machen
17.05.2026

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, Effizienz und neue Chancen. Doch in der KI-Arbeitswelt zeigt sich eine andere Realität:...

DWN
Finanzen
Finanzen Eurokurs schwächelt weiter: Warum Währungsschwankungen für Unternehmen teuer werden
17.05.2026

Der Eurokurs steht seit vielen Monaten unter Druck – und für Unternehmen kann das langsam zum Problem werden. Zwischen geopolitischen...

DWN
Panorama
Panorama Trügerische Sicherheit: Warum Ihr Lieblingspasswort eine Gefahr ist
16.05.2026

Die meisten Internetnutzer wiegen sich in Sicherheit, während sie Hackern die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Obwohl die...