Finanzen

Neue Warnung, dass Private Equity zu einem „Schneeballsystem“ werden könnte

Dänischer Pensionsfondschef sagt, die Tendenz von Private-Equity-Gruppen, Unternehmen an sich selbst zu verkaufen, ist „kein gutes Geschäft".
27.09.2022 12:09
Lesezeit: 2 min
Neue Warnung, dass Private Equity zu einem „Schneeballsystem“ werden könnte
Immer mehr Private-Equity deals ähneln einem Schneeballsystem. (Foto:dpa) Foto: Marijan Murat

Ein leitender Angestellter des größten dänischen Pensionsfonds hat die Private-Equity-Branche erneut mit einem "Schneeballsystem" verglichen. Mikkel Svenstrup, Chief Investment Officer bei ATP, warnt dass Buyout-Gruppen zunehmend Unternehmen an sich selbst verkaufen, in einem Umfang das "kein gutes Geschäft" ist.

Buyout-Gruppen sind Personen oder Gruppen, die schon länger in einem Unternehmen beschäftigt sind, und dann entweder Teile oder die ganze Firma übernehmen.

Svenstrup's Kommentare, die er auf der IPEM-Konferenz für privates Beteiligungskapital in Cannes machte, ähneln denen, die Vincent Mortier, Chief Investment Officer von Europas größtem Vermögensverwalter, Amundi Asset Management, im Juni machte. Laut einem DWN-Bericht erwartet Mortier, dass es in der Branche in den kommenden Jahren zu einem Crash kommen wird.

Potenzielles Schneeballsystem

Svenstrup sagte der Financial Times auf der Konferenz er sei besorgt, weil im vergangenen Jahr mehr als 80 Prozent der Verkäufe von Portfoliounternehmen durch die Private-Equity-Fonds, in die ATP investiert hat, entweder an eine andere Buyout-Gruppe oder an "Fortsetzungsfonds" erfolgten. Bei diesen Fonds handele es sich um eine Private-Equity-Gruppe das Unternehmen zwischen zwei verschiedenen Fonds, die sie kontrolliert, weitergibt.

"Wir sind ein großer Fondsinvestor, wir haben Hunderte von Fonds und Tausende von Portfoliounternehmen", so Svenstrup. "Das ist doch kein gutes Geschäft, oder? Das ist der Beginn eines potenziellen, ich sage 'potenziellen', Schneeballsystems. Jeder verkauft an den anderen... und die Banken vergeben Kredite dagegen. Das sind die Bedenken, die ich geäußert habe."

ATP ist ein wichtiger Investor in Private Equity Fonds. Nach Angaben von der privatwirtschaftlichen Finanzplattform, PitchBook, verwaltet ATP 119 Milliarden US Dollar und hat 147 Buyout-Fonds Geld zugesagt.

Wachstumsende in Sicht für Branche

Svenstrup sagte, dass das "exponentielle Wachstum" der Private-Equity-Branche in den letzten Jahren, in denen Investoren Geld in die Fonds gesteckt haben, "irgendwann" aufhören werde, und fügte hinzu, dass dies nur eine Frage der Zeit sei.

"Es ist nicht so, dass ich glaube, dass der Private-Equity-Markt von einer Klippe fallen wird", sagte Svenstrup. "Wir werden uns aber mit potenziell niedrigen Renditen und hohen Kosten auseinandersetzen müssen." Er fügte hinzu, dass die Branche eine Schlüsselrolle dabei spiele, Unternehmen von einem Schritt zum nächsten zu bringen und schließlich hoffentlich an die Börse, oder in den Besitz von langfristigen Eigentümern zu gelangen.

ATP sei dabei, die Zahl der Private-Equity-Gruppen, denen es Geld zur Verfügung stellt, zu reduzieren, sagte Svenstrup.

"Offensichtlich haben wir sehr genau darauf geachtet, wer die Renditezahlen durch Überbrückungsfinanzierungen, fremdfinanzierte Fonds und all diese Tricks zur Manipulation der internen Rendite (IRR) verfälscht hat." Die IRR ist eine wichtige Kennzahl, anhand derer Private-Equity-Gruppen ihren Investoren Renditen melden.

Die guten Zeiten

Private-Equity-Firmen sind in den letzten Jahren reichlich mit Bargeld ausgestattet worden, da sie Kredite zu niedrigen Zinssätzen aufnehmen konnten, was ihnen eine enorme Feuerkraft verlieh, um Unternehmen zu übernehmen. Laut einem im März dieses Jahres veröffentlichten McKinsey-Bericht, verfügt die Private-Equity-Branche weltweit über ein verwaltetes Vermögen von mehr als sechs Billionen US-Dollar.

Sie verzeichneten 2022 das beste erste Quartal aller Zeiten, da sie ihre während der Pandemie angehäuften riesigen Cash-Bestände einsetzen konnten. Buyout-Gruppen unterstützten im ersten Quartal Transaktionen im Wert von 288 Milliarden Dollar, was einem Anstieg um 17 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2021 entspricht.

In seinen jüngsten Bemerkungen sagte Mortier von Amundi Asset Management, es bestehe für Private-Equity-Firmen ein Anreiz, Vermögenswerte zu überhöhten Preisen untereinander zu transferieren. Er warnte Investoren, dass es irgendwann, in den nächsten drei bis fünf Jahren, Verluste geben würde.

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Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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