Politik

Russische Armee: US-Satelliten sind „legitime Ziele“

Russland droht offen mit dem Abschuss kommerzieller amerikanischer Satelliten.
28.10.2022 09:00
Aktualisiert: 28.10.2022 09:09
Lesezeit: 2 min

Russland droht mit dem Angriff auf kommerzielle US-Satelliten, sollten diese im Ukraine-Krieg weiter zur Datenweitergabe an Kiew genutzt werden. Es sei eine gefährliche Tendenz, dass die USA zivile Satelliten für militärische Konflikte nutze, klagte Konstantin Woronzow, ein Vertreter des russischen Außenministeriums bei den Vereinten Nationen, einem Tass-Bericht in der Nacht zum Donnerstag zufolge.

„Die quasi-zivile Infrastruktur kann damit zum legitimen Ziel eines Gegenschlags werden“, warnte Woronzow. Der Westen setze damit die zivile Raumfahrt, aber auch viele soziale und wirtschaftliche Projekte auf der Erde einem Risiko aus.

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine spielen Satellitenbilder für die Aufklärung eine bedeutende Rolle. Eine Reihe westlicher Staaten stellt Kiew dabei Daten für die Verteidigung zur Verfügung. Da Russlands Satellitennetz seinerseits weniger dicht ist, hat die Ukraine hier teilweise einen Informationsvorsprung.

Russland ist durchaus in der Lage, Satelliten im Weltraum zu treffen. Im November vergangenen Jahres hatten die Streitkräfte als Reaktion auf die Aktivierung einer US-amerikanischen Atom-Einheit in Deutschland einen eigenen ausrangierten Satelliten mit einer Laserwaffe abgeschossen. Die USA kritisierten die Aktion als „rücksichtsloses“ Säbelrasseln.

Russland wies damals die Vorwürfe als Heuchelei zurück. Die USA betrieben selbst ein Wettrüsten im All, erklärte Außenminister Sergej Lawrow damals.

Putin: USA lenken die Ukraine

Die Ukraine hat nach Ansicht von Russlands Präsidenten Wladimir Putin ihre Souveränität als Staat „faktisch“ verloren und die Steuerung des Landes den USA überlassen. Die USA nutzten die Ukraine heute als „Rammbock“ gegen Russland und den postsowjetischen Raum, sagte Putin am Mittwoch bei einer Sitzung von Vertretern der staatlichen Sicherheitsorgane der Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Zu den GUS-Mitgliedern gehören unter anderem die früheren Sowjetrepubliken Belarus und Armenien, die zentralasiatischen Staaten Kasachstan und Kirgistan. Er forderte die Geheimdienste der Länder auf, wachsam zu sein.

Die USA würden die Ukraine immer mehr mit schweren Waffen ausrüsten und dabei ignorieren, dass das Land nach einer Atombombe strebe. „Es ist auch bekannt, dass es Pläne gibt für eine Provokation, eine so sogenannte schmutzige Bombe einzusetzen“, behauptete der 70-Jährige. Die russische Führung behauptet seit Tagen immer wieder, dass die Ukraine den Einsatz einer solchen radioaktiv verseuchten Bombe plane, ohne dafür Beweise vorzulegen.

Die Ukraine weist diese Anschuldigungen als „Unsinn" und Desinformationskampagne Putins zurück. Auch der Westen sieht keine Hinweise darauf.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu telefonierte ungeachtet dessen weiter mit seinen Kollegen etwa in China und Indien, um auf eine solche Gefahr hinzuweisen. Der Kreml teilte mit, dass Moskau dazu auch im Gespräch mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei. Die Ukraine hatte IAEA-Experten eingeladen, sich selbst im Land von der Haltlosigkeit der russischen Anschuldigungen zu überzeugen.

Eine „schmutzige Bombe“ besteht aus radioaktivem Material, das mit konventionellem Sprengstoff freigesetzt wird. Im Unterschied zu einer Atombombe kommt es zu keiner nuklearen Kettenreaktion. Russland hatte die Vorwürfe am Sonntag publik gemacht, die Ukraine sowie die USA, Frankreich und Großbritannien wiesen diese zurück. Vielmehr sieht sich Russland dem Verdacht ausgesetzt, selbst den Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ in der Ukraine vorzubereiten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Politik
Politik Nach Angriff auf Diego Garcia: Könnten iranische Raketen inzwischen Europa erreichen?
29.03.2026

Der mutmaßliche Angriff iranischer Raketen auf Diego Garcia wirft neue Fragen zur militärischen Reichweite Teherans auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Warum die Führung zurücktrat und welche Rolle die Stiftung spielte
29.03.2026

Ein Machtkampf in der Führungsebene von Novo Nordisk hat das Unternehmen und die Novo Nordisk-Aktie in eine tiefe Governance-Krise...

DWN
Panorama
Panorama Spanien im Wandel: Vom Klischee zum Vorreiter beim Frauenschutz
29.03.2026

Spanien steht oft im Ruf eines klassischen Macho-Landes. Doch aktuelle Zahlen und konsequente Maßnahmen zeichnen ein anderes Bild....

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter verstorben: Was passiert mit dem Mietvertrag nach einem Todesfall?
29.03.2026

Der Tod eines Mieters wirft für Hinterbliebene oft viele Fragen auf: Darf man in der Wohnung bleiben, wenn der Vertrag nur auf den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...