Wirtschaft

Dank Ukraine: US-Raffinerien machen Rekord-Gewinne

Die US-Erdölraffinerien erwirtschaften als Folge der geopolitischen Konflikte Rekordgewinne. Und selbst für den Fall einer Rezession sind sie gut gerüstet.
Autor
02.11.2022 15:46
Aktualisiert: 02.11.2022 15:46
Lesezeit: 3 min
Dank Ukraine: US-Raffinerien machen Rekord-Gewinne
Die geopolitische Entwicklung treibt die Gewinne der Erdöl-Raffinerien in den USA. (Foto: dpa) Foto: Charlie Neibergall

Die Marathon Petroleum Corporation mit Sitz im US-Bundesstaat Ohio hat am Dienstag mitgeteilt, dass ihr Raffinerie- und Marketing-Segment im dritten Quartal 4,6 Milliarden Dollar an Betriebseinnahmen erwirtschaftet hat. Das ist neunmal so viel wie im Vorjahresquartal. In der Folge stiegen die Aktien des Unternehmens bis zum frühen Nachmittag um 3,9 Prozent.

Die Valero Energy Corporation mit Sitz in San Antonio, im US-Bundesstaat Texas, die ihren Bericht bereits letzte Woche vorgelegt hatte, verzeichnete im dritten Quartal einen Anstieg des Nettogewinns auf 2,9 Milliarden Dollar gegenüber etwas mehr als einer halben Milliarde im Vorjahr.

Die Gewinnspannen der Erdölunternehmen in den USA sind zwar nicht mehr so extrem wie im zweiten Quartal, als sie Rekordgewinne verzeichneten. Doch die Profite liegen weiterhin um ein Vielfaches über den Werten, welche die Unternehmen vor der Corona-Pandemie verzeichnen.

Marathons Bruttogewinn für das Quartal hat sich mit 30,21 Dollar pro Barrel im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Der Gewinn von Valero lag bei 21,34 Dollar pro Barrel und hat sich damit ebenfalls mehr als verdoppelt. In den fünf Jahren vor 2019 lag der Bruttogewinn für das dritte Quartal von Valero im Schnitt unter 11 Dollar pro Barrel.

Trotz der Beschwerden aus dem Weißen Haus über die stark gestiegenen Benzinpreise laufen die Raffinerien unter diesen Bedingungen auf Hochtouren. Warum sollten sie auch nicht? Die Auslastungsraten von Marathon und Valero lagen im dritten Quartal bei 98 Prozent beziehungsweise 95 Prozent.

Erdöl-Konzerne haben weiter Rückenwind

Zum einen ist Erdgas, ein wichtiger Kostenfaktor, in den USA nach wie vor viel billiger als in Europa. Obwohl der warme Winterbeginn dazu beigetragen hat, dass die Erdgaspreise in Europa ihren Höchststand erreicht haben, ist der niederländische Benchmark-Preis etwa 5,7 Mal so teuer wie der amerikanische.

Die hohen Erdgaspreise drücken auch die Gewinnspannen der US-Raffinerien nach oben, sagte Joseph Gorder, der CEO von Valero Energy, auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am vergangenen Dienstag, wie das Wall Street Journal berichtet.

Darüber hinaus ist der Preis, den die US-Raffinerien für das schwere, saure Rohöl zahlen, für das viele Raffinerien optimiert sind, im Vergleich zu den leichten, süßen Sorten gesunken.

Diese Preisdifferenz liegt zum Teil daran, dass die Sanktionen gegen Russland zu einer Umschichtung geführt haben. Indische und chinesische Raffinerien nutzen das stark verbilligte Ural-Öl aus Russland anstelle anderer schwerer Sorten. Das hat laut Valero zu einem Rückstau von Mars und schwerem kanadischen Öl an der Golfküste geführt. Mars ist eine saure Rohölsorte, die in den USA produziert wird.

Es gibt noch einige weitere Faktoren, die den Preisnachlass für schwefelhaltiges saures Rohöl verstärken. So haben die hohen Erdgaspreise die europäischen Raffinerien dazu veranlasst, leichtes, süßes Rohöl zu kaufen, das weniger energie- und wasserstoffintensiv zu verarbeiten ist als saures Rohöl.

Die Verordnung IMO 2020, eine internationale Vorschrift zur Begrenzung des Schwefelgehalts in Schiffskraftstoffen, verstärkt diesen Effekt noch, indem sie die Nachfrage nach schwefelärmerem Kraftstoff erhöht.

US-Raffinerien fühlen sich krisensicher

Ein wirtschaftlicher Abschwung würde sicherlich auch für die US-Raffinerien Gegenwind bedeuten. Gary Simmons, Chief Commercial Officer bei Valero, sagte letzte Woche, dass die Nachfrage nach Erdölprodukten in früheren Rezessionsphasen doppelt so stark betroffen war wie das Bruttoinlandsprodukt.

Simmons merkte jedoch an, dass derzeit zwei „einzigartige Situationen“ die Kraftstoffnachfrage weiterhin stützen werden. Erstens erholt sich die Nachfrage nach Flugzeugtreibstoff immer noch. Die Zahlen der U.S. Energy Information Administration zeigen, dass die Nachfrage nach Flugturbinenkraftstoff in den USA immer noch 19 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegt.

Zweitens dürfte sich die chinesische Ölnachfrage, die um ein Fünftel zurückgegangen ist, wieder erholen, sobald das Land die Pandemie hinter sich lässt. Der Vorstandsvorsitzende von Marathon, Michael Hennigan, erinnerte die Anleger am Dienstag daran, dass in den letzten Jahren weltweit Raffineriekapazitäten in Höhe von rund 4 Millionen Barrel pro Tag stillgelegt worden sind.

Auch der Winter dürfte unterstützend wirken. Die Nachfrage nach Destillaten steigt im Winter tendenziell an, da Kraftwerke in Europa und im Nordosten der USA von teurem Erdgas auf Heizöl umstellen.

In der Zwischenzeit waren die Dieselbestände in den USA im Oktober nach Angaben der EIA so niedrig wie seit 1951 nicht mehr und lagen etwa ein Fünftel unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Tom Kloza, Leiter der Energieanalyse beim Energiedatenunternehmen OPIS, stellt fest, dass das vierte Quartal für die Raffinerien noch profitabler werden könnte als das rekordverdächtige zweite Quartal, wenn die Margen am Spotmarkt so stark bleiben wie im Oktober.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
27.07.2026

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota steigt bei Cellcentric ein: Wasserstoff-Offensive gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo
27.07.2026

Toyota steigt bei Cellcentric ein und mischt den Markt für Brennstoffzellen auf. Gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo soll die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
27.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...

DWN
Politik
Politik Fragen nach dem CSD-Anschlag: Warum war der verurteilte Täter Abdul B. nicht in Haft?
27.07.2026

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den mutmaßlichen Täter. Auch Gerichte, Strafrecht und...

DWN
Politik
Politik Neuer Verkehrsminister vor gewaltigen Herausforderungen: Die größten Baustellen für Bilger
27.07.2026

Mit Steffen Bilger bekommt das Verkehrsministerium einen erfahrenen Fachpolitiker an die Spitze. Doch der Wechsel allein beseitigt keine...

DWN
Politik
Politik Plant Trump eine Bodenoffensive? Pakistan warnt vor möglichem US-Militäreinsatz im Iran
27.07.2026

Bereitet US-Präsident Donald Trump eine Bodenoffensive im Iran vor? Hinweise aus Pakistan jedenfalls sorgen für Aufmerksamkeit....

DWN
Finanzen
Finanzen Porsche-Aktie: VW-Tochter verschärft Sparkurs und streicht weitere 5.000 Stellen
27.07.2026

Porsche zieht die nächste Konsequenz aus seiner anhaltenden Krise: Tausende weitere Stellen sollen wegfallen, gleichzeitig fließen...