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PwC-Berater verlassen die Firma wegen russischer Kunden

Eine Gruppe von PwC-Partnern hat eine eigene Firma gegründet, damit sie weiterhin für Kunden mit Russland-Bezug arbeiten können. PwC verbietet solche Geschäfte.
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08.11.2022 17:00
Lesezeit: 2 min
PwC-Berater verlassen die Firma wegen russischer Kunden
Logo des globalen Beratungsunternehmens PwC, das Geschäfte mit Russland verboten hat. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Eine Gruppe von Partnern des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) hat in Zypern eine abtrünnige Firma gegründet. Mit dieser neuen Firma können sie weiterhin Aufträge von Kunden mit Russland-Bezug annehmen. PwC verfolgt schon seit kurz nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar für alle seine Mitgliedsfirmen in 157 Staaten weltweit, die zusammen mehr als 250.000 Mitarbeiter beschäftigen, eine harte Linie gegenüber Russland, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Sanktionen hinausgeht.

Angesichts der umfangreichen Verbindungen zwischen Russland und Zypern wirkte sich diese harte Linie des Beratungsunternehmens besonders stark auf PwC Zypern aus. Der Kundenstamm der Firma wurde ausgedünnt. Drei Partner kündigten daraufhin im Juni und gründeten das Unternehmen Kiteserve, deren Kunden etwa zur Hälfte eine Verbindung zu Russland haben.

Zwar hält sich die neue Firma Kiteserve an die Sanktionen, welche die EU, die USA und das Vereinigte Königreich gegen Russland verhängt haben. Doch der geschäftsführende Partner von Kiteserve, Theo Parperis, weist gegenüber der Financial Times darauf hin, dass die Maßnahmen der vier großen Beratungsfirmen "weit" über verhängten Sanktionen hinausgehen. "Wir decken diesen Bereich bis zu einem gewissen Grad ab, aber wir waren sehr selektiv."

Das neue Unternehmen hätte "viermal so viel Arbeit übernehmen können, wenn wir gewollt hätten", so Parperis. Er schätzt, dass etwa 50 Prozent der Kunden von Kiteserve Verbindungen zu Russland haben, sagte aber voraus, dass dieser Anteil mit der Zeit abnehmen würde. Die Arbeit beziehe sich hauptsächlich auf Anlagen im Westen und nicht in Russland. "Diese Kunden werden auch von westlichen Banken und Anwälten betreut."

Anders als PwC Cyprus hält sich Kiteserve nicht freiwillig an die von Ländern wie Australien und Kanada verhängten Sanktionen. Es erbringt Dienstleistungen für Unternehmen, die von der EU sanktioniert wurden, wenn dies im Rahmen einer Ausnahmeregelung erlaubt ist. Parperis zufolge betrifft dies nur einen "kleinen Prozentsatz" des Kundenstamms von Kiteserve. Die "Mehrheit" sei nicht Gegenstand von Sanktionen der EU, der USA oder des Vereinigten Königreichs.

Die Gründer von Kiteserve haben mit der PwC eine Vereinbarung getroffen, mit der sie sich von den Beschränkungen für die Einstellung von Mitarbeitern von PwC Zypern und dem üblichen fünfjährigen Verbot für ehemalige Partner, Audit-, Steuer- oder Compliance-Dienstleistungen anzubieten, freigekauft haben. Der Verzicht auf die Beschränkungen verschaffte PwC Zypern eine vertrauliche Geldsumme und erlaubte den ausscheidenden Partnern im Gegenzug, für jedes beliebige Unternehmen zu arbeiten, das sie wollten.

PwC sagte, die Beträge entsprächen der üblichen Marktpraxis oder den vertraglichen Verpflichtungen, und die Nettozahlung an die ausscheidenden Partner sei für PwC Cyprus und ihre Partner nicht wesentlich. Parperis sagte, er und seine Mitbegründer stünden kurz vor dem vorgeschriebenen Rentenalter von PwC und der Ukraine-Krieg habe die Pläne beschleunigt, unabhängig zu arbeiten.

Kiteserve arbeitet von PwC-Büros in Nikosia und Limassol aus. PwC teilte mit, dass es sich um getrennte Räume handle, die an Kiteserve zu Bedingungen untervermietet würden, die dem Mietvertrag von PwC entsprächen, während das Unternehmen über eine Übertragung der Mietverträge verhandle. Kiteserve hat etwa 20 seiner rund 30 Mitarbeiter von PwC übernommen.

"Kiteserve ist völlig unabhängig von PwC Cyprus und gehört nicht zum PwC-Netzwerk", so PwC. Abgesehen von den Vereinbarungen im Hinblick auf die Trennung und die Untervermietung gebe es keine Vereinbarungen zwischen PwC Cyprus und Kiteserve. Es gebe keine gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. PwC Zypern sagte, es habe sein Geschäft nach den Auswirkungen der westlichen Sanktionen gegen Russland neu ausgerichtet und neue Aufträge gefunden.

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