Politik

Ukrainische Armee rückt in Cherson ein

Nach dem Rückzug russischer Truppen ist die ukrainische Armee in die Stadt im Süden eingerückt.
11.11.2022 17:00
Aktualisiert: 11.11.2022 17:02
Lesezeit: 1 min
Ukrainische Armee rückt in Cherson ein
Ein zerstörter russischer Panzer steht am Rande von Iwaniwka, einem von der ukrainischen Armee nach der russischen Besetzung eroberten Dorf in der Provinz Cherson. (Foto: dpa) Foto: Celestino Arce Lavin

Mit Flaggen und Hupkonzerten haben Einwohner der ukrainischen Stadt Cherson das Ende der russischen Besatzung gefeiert. Im Zentrum wurden am Freitag die ersten ukrainischen Soldaten von den Menschen mit Umarmungen und Beifall begrüßt, wie auf Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war.

Auf dem Gebäude der örtlichen Gebietsverwaltung wehte wieder die blau-gelbe Fahne der Ukraine. Ukrainische Soldaten liefen zu Fuß in die Stadt, begleitet vom Jubel und Beifall der Menschen bei lauter Musik. "WCU! WCU!", riefen die Menschen. Das ist die Abkürzung für die Streitkräfte der Ukraine. Örtlichen Berichten zufolge waren die ukrainischen Einheiten auch bereits in die Kleinstadt Beryslaw unweit des Kachowka-Staudamms eingerückt. Russland hatte zuvor den am Mittwoch angekündigten Rückzug vom rechten Ufer des Flusses Dnipro offiziell für abgeschlossen erklärt. In den Morgenstunden hätten sich die letzten russischen Soldaten auf das linke Ufer des Dnipro auf neue Verteidigungspositionen zurückgezogen.

Moskau sieht kein Ende der "Spezialoperation"

Russland schließe Verhandlungen mit der Ukraine zwar nicht aus, sehe aber keine Bereitschaft Kiews für Gespräche, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. "Kiew will keine Gespräche, also geht die militärische Spezialoperation weiter", sagte Peskow. Aus Sicht des Kremls könne die "militärische Spezialoperation" entweder mit dem Erreichen ihrer Ziele oder mit Verhandlungen beendet werden, sagte der Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin. Friedensgespräche "aus der Position der Stärke" heraus, wie sie die ukrainische Seite beanspruche, seien aber nicht möglich.

Moskau und Kiew tauschen erneut Gefangene aus

Russland und die Ukraine haben in dem seit über acht Monaten dauernden russischen Angriffskrieg erneut Gefangene ausgetauscht. "Es ist gelungen, 45 Kämpfer der Streitkräfte zu befreien", teilte der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, am Freitag im Nachrichtendienst Telegram mit. Es handele sich dabei um Soldaten und Feldwebel. Wie viele Soldaten an die russische Seite übergeben wurden, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Am Vortag hatte der Interimschef des von Russland beanspruchten ostukrainischen Luhansker Gebiets, Leonid Passetschnik, von mehr 35 Soldaten gesprochen, die ausgetauscht worden seien.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste setzt Russland bei seinen Angriffen auf kritische Infrastruktur in der Ukraine auf eine wellenartige Offensive. Dadurch seien weitreichende Schäden an Kraftwerken und Übertragungsstationen entstanden, hieß es am Freitag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter. Insbesondere die Hauptstadt Kiew sei stark von Stromausfällen betroffen. Bei den jüngsten intensiveren Angriffen, die Ende Oktober stattgefunden hätten, sei erstmals auch ein Wasserkraftwerk Ziel gewesen. Moskau versuche mit diesen Angriffen, die Moral der ukrainischen Zivilbevölkerung zu schwächen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tiefer Fall der Luxusmarke: Porsche meldet drastischen Gewinneinbruch um 91,4 Prozent
11.03.2026

Verkaufsminus in China, Verbrenner-Comeback, Gewinne in Trümmern: Für die Luxusmarke Porsche war 2025 ein Jahr zum Vergessen. Das zeigt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsratswahl 2026: Millionen Beschäftigte wählen – Gewerkschaften unter Druck
11.03.2026

Der Wahlkampf um neue Betriebsräte läuft auf Hochtouren: Sie gehören zu den größten Abstimmungen in Deutschland. Doch was können die...

DWN
Politik
Politik Trumps widersprüchliche Signale im Iran-Krieg: Märkte schwanken zwischen Hoffnung und Risiko
11.03.2026

Die widersprüchlichen Signale aus Washington und Teheran sorgen an den Finanzmärkten für große Unsicherheit über den weiteren Verlauf...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Steigende Spritpreise lassen Interesse an E-Autos steigen
11.03.2026

Hohe Benzinpreise lenken den Blick vieler deutscher Autokäufer auf Elektro-Modelle. Onlineplattformen registrieren spürbar mehr Anfragen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uniper-Dividende: Bund darf sich auf viele Millionen freuen
11.03.2026

Nach staatlicher Rettung und Dividendenstopp hat Uniper seine Rückkehr an den Kapitalmarkt fest im Blick. Erstmals seit vier Jahren soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Zu wenig Verdienst und zu hohe Kosten: Ein Viertel der Haushalte ohne Ersparnisse
11.03.2026

In einer Zeit, in der das Gesamtvermögen der deutschen Privathaushalte Rekordhöhen erreicht, zeigt eine aktuelle Umfrage, dass fast ein...

DWN
Panorama
Panorama Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg
11.03.2026

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: In Tel Aviv kämpfen die Menschen darum, ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer...