Wirtschaft

China stößt Dollar ab und kauft massiv Gold

Die globalen Spannungen verschärfen sich. China reagiert darauf, indem es sich von Dollar-Assets trennt und nach langer Pause nun wieder massiv Gold kauft.
Autor
16.12.2022 12:18
Aktualisiert: 16.12.2022 12:18
Lesezeit: 3 min
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Gold war schon immer ein spannendes Thema. Doch aktuell überstürzen sich die Ereignisse geradezu. Vor dem Hintergrund von Rezession, Inflation und Krieg präsentiert sich Gold den großen und kleinen Investoren und Staaten als sicherer Hafen. Zwar ließen Anleger zuletzt börsengehandelte Goldfonds (ETFs) links liegen, doch physisches Gold ist stark gefragt.

Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council haben die Zentralbanken der Welt im dritten Quartal so viel Gold gekauft wie niemals zuvor, nämlich insgesamt fast 400 Tonnen. Dabei blieben allerdings der oder die Käufer von mehr als drei Viertel dieses Goldes anonym. Welche Staaten stecken nun also hinter dem historischen Goldrausch?

Die größten offiziell gemeldeten Goldkäufe kamen von den Zentralbanken der Türkei, Usbekistans und Indiens, die 31,2 Tonnen, 26,1 Tonnen beziehungsweise 17,5 Tonnen betrugen. Insgesamt beläuft sich die Summe der von Zentralbanken gemeldeten Goldkäufe auf etwa 90 Tonnen. Ungeklärt bleibt, wer die restlichen etwa 300 Tonnen netto gekauft hat.

Im November hat das Tokioter Magazin Nikkei Asia einen Bericht veröffentlicht, demzufolge die chinesische Zentralbank derzeit ein wichtiger Goldkäufer ist und wahrscheinlich auch hinter den historisch hohen Käufen im dritten Quartal steckte. Denn China hat nicht nur die Mittel, eine so riesige Summe Gold zu kaufen, sondern auch sehr gute Gründe dafür.

Analysten vermuten, dass die diesjährigen Finanzsanktionen des Westens gegen Russland in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle gespielt haben. Denn im Rahmen dieser Sanktionen hat der Westen umgehend auch russische Fremdwährungsreserven im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar beschlagnahmt oder „eingefroren”, wie es offiziell hieß.

Mehr zum Thema: China meldet starke Aufstockung seiner Goldreserven

Nicht beschlagnahmen konnte der Westen hingegen die massiven russischen Goldreserven, die das Land im Verlauf der letzten Jahre immer weiter aufgestockt hatte und die in weiser Voraussicht sämtlich auf russischem Boden lagerten. Einen solchen extremen Diebstahl, wie er Russland vom Westen zugefügt worden ist, will China offensichtlich vermeiden.

Die Spekulationen über die unbekannten Goldkäufer unter den Zentralbanken sind groß. „Angesichts der Tatsache, dass Russlands Auslandsguthaben nach der Invasion in der Ukraine eingefroren wurden, sind antiwestliche Länder bestrebt, Goldbestände anzuhäufen“, sagte Emin Yurumazu, ein in Japan ansässiger Wirtschaftswissenschaftler aus der Türkei.

„China hat wahrscheinlich eine beträchtliche Menge Gold von Russland gekauft“, sagte der japanische Marktanalyst Itsuo Toshima. Die chinesische Zentralbank habe wahrscheinlich einen Teil der Goldbestände der Zentralbank der Russischen Föderation im Gesamtumfang von mehr als 2.000 Tonnen gekauft, so Toshima.

Dass es sich bei dem mysteriösen Goldkäufer im dritten Quartal um China handelte, dafür spricht auch das intransparente Vorgehen des Landes in der Vergangenheit. So meldete China im Jahr 2015 überraschend, dass es seine Goldbestände um etwa 600 Tonnen aufgestockt hatte, nachdem es sich seit 2009 eher bedeckt hielt.

Zudem hat sich China zuletzt im großen Stil von US-Staatsanleihen getrennt. Nach Angaben des US-Finanzministeriums verkaufte es zwischen Ende Februar – unmittelbar nach Russlands erstem Angriff auf die Ukraine – und Ende September US-Staatsanleihen im Wert von 121,2 Milliarden Dollar, was etwa 2.200 Tonnen Gold entspricht.

Die ungewöhnlichen Vorgänge im laufenden Jahr zeigen, wie wichtig Gold weiterhin ist und welchen Wert es in Zeiten der Not und des Umbruchs für ein Land haben kann. Daher werden derzeit, wie wir in diesem Magazin berichten, sowohl in Europa als auch in den USA neue Währungssysteme auf der Grundlage von Gold vorbereitet.

Seit vielen Jahren stocken die Zentralbanken der Welt ihre Goldreserven immer weiter auf, auch weil das Vertrauen in US-Staatsanleihen und andere auf Dollar lautende Vermögenswerte durch die Finanzkrise von 2008 massiv erschüttert wurde. Die Finanzsanktionen gegen Russland haben das noch übrige Vertrauen nun endgültig zerstört.

Wir berichten in unserem aktuellen Gold-Magazin auch über die globalen Zentren des Goldhandels, darunter London, die Schweiz, New York, Schanghai, Hongkong, Dubai und Mumbai sowie über den derzeit sich vollziehenden Goldfluss von West nach Ost. Ausführlich stellen wir auch die verschiedenen Möglichkeiten vor, wie Kleinanleger in Edelmetalle investieren können.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Trump-Krise: Rebellion im Herzen der MAGA-Bewegung
31.08.2025

Donald Trump sieht sich mit der größten internen Rebellion seiner Amtszeit konfrontiert. Der Epstein-Skandal droht, seine Machtbasis in...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Wird die Grundsteuer erhöht? Zu viele Ausgaben, zu wenig Einnahmen - deutsche Kommunen vorm finanziellen Kollaps
30.08.2025

Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland droht in absehbarer Zeit die Pleite, wie der Stadt Moers in NRW. Die Kommunen...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...