Finanzen

Mysteriöser Ansturm: Zentralbanken kaufen Rekordmenge Gold

Die Zentralbanken der Welt haben im dritten Quartal fast 400 Tonnen Gold gekauft - so viel wie niemals zuvor. Doch wer genau steckt hinter dem Ansturm? Und warum?
Autor
01.11.2022 16:23
Aktualisiert: 01.11.2022 16:23
Lesezeit: 2 min
Mysteriöser Ansturm: Zentralbanken kaufen Rekordmenge Gold
Die Zentralbanken haben im dritten Quartal eine Rekordmenge Gold gekauft. (Foto: Deutsche Bundesbank)

Die Zentralbanken der Welt haben im dritten Quartal eine Rekordmenge an Gold gekauft. Der durchaus historische Vorgang bringt Anleger zum Grübeln. Denn ein großer Teil der Käufe stammt von noch unbekannten Käufern.

Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council kauften die Zentralbanken der Welt im dritten Quartal insgesamt fast 400 Tonnen Gold. Das war mehr als viermal so viel im dritten Quartal des letzten Jahres.

In keinem Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen beim World Gold Council im Jahr 2000 haben die Zentralbanken bisher so viel Gold gekauft. Der neue Rekord ist fast doppelt so hoch wie der bisherige Rekord von 241 Tonnen aus dem dritten Quartal 2018.

Das dritte Quartal 2022 stellt zudem das achte Quartal in Folge dar, in dem die Zentralbanken insgesamt ihre Goldbestände netto erhöhten. Die Käufe erhöhen die Gesamtmenge für das gesamte Jahr auf 673 Tonnen.

Daher ist schon jetzt klar, dass die Gesamtmenge an physischem Gold, die von den Zentralbanken in diesem Jahr insgesamt erworben wird, so hoch sein wird wie seit 1967 nicht mehr. Und damals war der Dollar noch durch Gold gedeckt.

Der Goldpreis steht in diesem Jahr wegen der aggressiven Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Federal Reserve unter Druck. Denn Anleger von börsengehandelten Gold-Fonds (ETFs) verkauften die zuletzt weniger rentablen Anlagen.

Unterstützung für den Goldpreis kam jedoch auch aus anderen Bereichen, etwa von Privatkunden in Asien. Riesige Mengen Goldbarren, die von Investoren im Westen abgestoßen werden, sind zuletzt nach Osten geflossen - und zu den Zentralbanken.

Die Höhe der Nachfrage des staatlichen Sektors im dritten Quartal ergibt sich aus der Kombination von kontinuierlich gemeldeten Käufen der Zentralbanken und einer beträchtlichen Schätzung für nicht gemeldete Käufe.

„Wir können weitere nicht gemeldete Käufe nicht ausschließen“, so der World Gold Council. Denn einige offizielle Institutionen machen ihre Goldkäufe nicht öffentlich bekannt oder tun dies nur zeitverzögert.

Die im dritten Quartal gemeldeten Käufe haben möglicherweise auch schon früher im Jahr begonnen. Dies kann zu künftigen Korrekturen führen. Die Türkei und Katar gehörten zu den jüngsten Käufern, ebenso wie nicht gemeldete Käufe von staatlichen Institutionen.

Der World Gold Council geht davon aus, dass die Gesamtinvestitionen in Gold in diesem Jahr zurückgehen werden, da die geringere Nachfrage nach börsengehandelten Fonds und außerbörslich gehandelten Wertpapieren die starken Einzelhandelskäufe ausgleicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienvermögen: Warum Erben Arbeit schlägt
04.10.2026

Deutschlands Wohlstandsversprechen gerät ins Wanken: Während Immobilien- und Erbschaftsvermögen immer wichtiger werden, lässt sich mit...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...