Unternehmen

Zahl der Insolvenzen steigt im Dezember auf Jahreshöchstwert

Die Zahl der Insolvenzen ist im Dezember auf einen neuen Höchstwert geklettert. Demnach mussten fast ein Viertel mehr Unternehmen Zahlungsunfähigkeit anmelden als ein Jahr zuvor. Eine baldige Trendwende ist nicht in Sicht.
10.01.2023 11:44
Aktualisiert: 10.01.2023 11:44
Lesezeit: 1 min
Zahl der Insolvenzen steigt im Dezember auf Jahreshöchstwert
Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, besucht zum Abschluss der Norwegen-Reise im dichten Schneetreiben das Unternehmen Norcem, wo sie er sich über CO2-Speicherung informierte. Norcem ist eine Tochter des deutschen Unternehmens Heidelberg Materials. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland ist Ende 2022 auf den Jahreshöchststand gestiegen, die befürchtete Pleitewelle aber dennoch ausgeblieben. 879 Personen- und Kapitalgesellschaften meldeten sich im Dezember zahlungsunfähig, wie das Institut für Wirt­schaftsforschung Halle (IWH) am Dienstag zu seiner Untersuchung mitteilte. Das waren 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Insolvenzen steigen, aber Pleitewelle bleibt aus

Trotzdem liegen die jüngsten Insolvenzzahlen unter dem langjährigen Mittelwert: Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 wurden im Dezember 968 Personen- und Kapitalgesell­schaften insolvent gemeldet. Allein in den zehn Prozent der größten Unternehmen, deren Insol­venz im vergangenen Monat gemeldet wurde, waren knapp 9000 Arbeitsplätze betroffen.

„Sowohl die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften als auch der in diesen Unternehmen betroffenen Jobs lagen im Jahr 2022 auf vergleichsweise niedrigem Niveau“, sagte der Leiter der IWH-Abteilung Strukturwandel und Produktivität und der dort angesiedelten Insolvenzforschung, Steffen Müller. Wegen Liefer­engpässen, hoher Energiepreise und anderer Probleme seien 28 Prozent der von Insolvenz betroffenen Jobs im vergangenen Jahr auf die Industrie entfallen - deutlich mehr als in den Vorjahren.

IWH sieht keine baldige Trendumkehr

Das IWH erwartet für die kommenden Monate ähn­lich viele Insolvenzen wie im Dezember. „Im Frühjahr könnten die Zahlen saisonbedingt noch weiter ansteigen“, sagte Müller. „Trotz des erwarteten Anstiegs werden die Insolvenzzahlen wohl auch bis zum Frühjahr 2023 nicht über das lang­jährige Mittel steigen.“

Die deutsche Wirtschaft steht angesichts der stark erhöhten Energiekosten als Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine vor einer Rezession. Die Bundesbank etwa rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Winterhalbjahr sinken könnte. Das IWH geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr stagnieren dürfte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gehaltsverhandlungen: Welche Faktoren entscheiden über den Erfolg?
21.02.2026

Der Spielraum für Gehaltsverhandlungen schrumpft in einem sich beruhigenden Arbeitsmarkt, während die Erwartungen an Vergütung und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leapmotor C10 im Praxistest: Günstiger Elektro-SUV im Tesla-Vergleich
21.02.2026

Der elektrische Leapmotor C10 ist rund sechstausend Euro günstiger als ein Tesla Model Y, die Hybridvariante C10 REEV liegt preislich...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Chips aus Sachsen: Infineon eröffnet im Juli neue Chipfabrik in Dresden
20.02.2026

Es ist die größte Investition in der Unternehmensgeschichte von Infineon. Fünf Milliarden Euro investiert Deutschlands größter...