Politik

Krise in Schwedt: PCK-Raffinerie jetzt vom Wohlwollen Polens abhängig

Das von der deutschen Politik beschlossene Öl-Embargo hat Schwedt in eine schwierige Situation gebracht. Nun ist man von Warschau abhängig.
17.01.2023 14:00
Aktualisiert: 17.01.2023 14:22
Lesezeit: 2 min
Krise in Schwedt: PCK-Raffinerie jetzt vom Wohlwollen Polens abhängig
Die PCK-Raffinerie in Schwedt. (Foto: dpa) Foto: Jörg Carstensen

Im Ringen um die Versorgung der ostdeutschen Raffinerie Schwedt nach dem Boykott russischen Öls zeichnet sich eine Entspannung ab. Ein Tanker mit rund 100.000 Tonnen Rohöl für Schwedt werde noch im Januar im polnischen Hafen Danzig entladen, sagte ein mit den Zahlen Vertrauter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Vor dort könne das Öl durch das polnische Pipeline-System nach Ostdeutschland fließen.

„Ich kann bestätigen, dass für Ende Januar über den Hafen Danzig Lieferungen von Rohöl eingeplant sin“", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums auf Reuters-Anfrage. Genaue Mengen wollte sie mit Verweis auf Verträge der Unternehmen nicht nennen. Offen blieb auch, ob Grundlage für die Lieferungen eine konkrete, dauerhafte Vereinbarung mit der polnischen Seite ist.

Lesen Sie dazu: Gefährlicher Blindflug: Habeck hat keinen Plan, wie es nach einem Öl-Embargo weitergehen soll

Problematisch ist, dass die polnische Regierung schon einmal damit drohte, Deutschland mit Erdgas zu erpressen. Die Regierung in Warschau fordert darüber hinaus einen Billionenbetrag für die im Zweiten Weltkrieg infolge des deutschen Überfalls erlittenen Schäden, was unlängst zu diplomatischen Spannungen führte, weil die Bundesregierung die Forderungen ablehnt.

Pipeline aus Rostock reicht nicht aus

Nach dem Verzicht auf russische Lieferungen zum Jahresbeginn wird die Raffinerie bislang praktisch ausschließlich über den Hafen Rostock versorgt, wo das Öl per Pipeline nach Schwedt gebracht wird. Deren Kapazität ist aber beschränkt, so dass die Raffinerie derzeit nur zu gut 50 Prozent läuft. Sie kann eigentlich rund eine Million Tonnen Rohöl pro Monat verarbeiten.

Ziel der Bundesregierung ist eine Auslastung von mindestens 70 Prozent. Nur so kann dauerhaft die Versorgung Ostdeutschlands mit Benzin, Diesel und Kerosin für den Flughafen Berlin gesichert werden.

Dafür sind aber gesicherte Lieferungen über den polnischen Hafen Danzig nötig. Polen hat zwar in einer gemeinsamen Absichtserklärung grundsätzlich Unterstützung zugesagt, genaue Vereinbarungen fehlen aber noch. Hintergrund ist zum einen, dass sich Polen daran stört, dass der russische Konzern Rosneft nach wie vor Mehrheitseigentümer ist. Zwar steht sein 54-Prozent-Anteil unter deutscher Treuhandverwaltung, Rosneft ist aber noch nicht enteignet. Zum anderen hat der polnische Ölkonzern Orlen Interesse an einem Einstieg in Schwedt. Jenseits von Rosneft liegen weitere 37 Prozent der Anteile bei Shell und gut acht Prozent bei der italienischen ENI.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte brechen ein
08.09.2026

Nach fünf Monaten Wachstum verzeichnen Deutschlands Exporte im Juli erstmals wieder einen Rückgang. Schwierig bleiben die Geschäfte mit...

DWN
Technologie
Technologie OpenAI-Agenten bauten geheimes Kommunikationsnetz auf deutschsprachiger Website
08.09.2026

KI-Agenten nutzten eine deutsche Website zur Koordination, zur Umgehung von Beschränkungen und zur Verschleierung ihrer Spuren. OpenAI...

DWN
Politik
Politik "Der Sieg ist nah", behauptet Kremlsprecher Peskow
08.09.2026

Die USA nehmen einen neuen Anlauf in ihren Vermittlungsbemühungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch der Kreml betont die...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
08.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
08.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Winter kommt und Deutschlands Gasspeicher sind fast leer
08.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr. Ein sehr kalter Winter könnte die Reserven bereits Anfang...

DWN
Technologie
Technologie Kündigungsgefahr: Was Arbeitnehmer online auf Social Media posten dürfen – und was nicht
08.09.2026

Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos. Wann Social-Media-Aktivitäten arbeitsrechtliche Folgen haben und worauf Beschäftigte achten...

DWN
Finanzen
Finanzen Zucker-Preis schlägt die Rendite des S&P 500
08.09.2026

Der Zucker-Preis ist im August um 21,5 Prozent gestiegen und hat damit den stärksten Monat seit 2010 erlebt. Seit Jahresbeginn liegt die...