Politik

Scholz weicht Frage nach Leopard-Lieferungen aus

Bundeskanzler Scholz ist erneut Fragen zur Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine ausgewichen. Für ihn sei die Absprache mit den USA entscheidend.
18.01.2023 17:10
Aktualisiert: 18.01.2023 17:10
Lesezeit: 2 min

Bundeskanzler Olaf Scholz ist nach Informationen von Reuters und anderer Medien bereit, Leopard-Kampfpanzer unter bestimmten Voraussetzungen an die Ukraine zu liefern. Demnach knüpft Scholz die Lieferung der deutschen Panzer an die Bereitschaft der USA, ihrerseits Abrams-Kampfpanzer an die Ukraine abzugeben, berichten auch das "Wall Street Journal", "Süddeutsche Zeitung" und die "Bild"-Zeitung. Scholz habe dies gegenüber mehreren Gesprächspartnern in den vergangenen Tagen betont, hieß es.

Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte aber bei einem Besuch in Kiew, dass Washington zur Lieferung der sogenannten M1 Abrams nicht bereit sei. Am Donnerstag wird US-Verteidigungsminister Lloyd Austin politische Gespräche in Berlin führen, am Freitag treffen sich westliche Ukraine-Unterstützer auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz, um über zusätzliche Waffenlieferungen zu beraten.

"An dieser Haltung ändert auch das Ramstein-Treffen nichts", erfuhr Reuters aus Regierungskreisen mit Blick auf die Verbindung von gleichzeitigen amerikanischen und deutschen Panzer-Zusagen. Am Dienstag hatte Scholz mit US-Präsident Joe Biden telefoniert. Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Bild" berichten, dass er im Bundeskabinett von dem Telefonat erzählte und dabei das Junktim erwähnte.

Scholz hatte die Lieferungen von Kampfpanzer nie ausgeschlossen, aber zuletzt am Mittwoch in Davos darauf verwiesen, dass Deutschland nicht alleine vorangehen werde. Es bedürfe - wie bei der Zusage für die Lieferung von Marder-Schützenpanzern vor zwei Wochen - immer der Abstimmung mit den USA. Man werde die Ukraine militärisch so lange unterstützen wie nötig. Aber man müsse immer aufpassen, dass aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine kein Krieg Russlands gegen die Nato werde, sagte er in Davos.

Polen hatte zuvor 14 Leopard-Panzer angeboten, die allerdings offenbar zuvor noch modernisiert werden müssen. Großbritannien hat seinerseits 14 Challenger-Kampfpanzer angeboten. US-Beamte, die anonym bleiben wollten, sagten, Washington werde Deutschland drängen, angesichts einer erwarteten russischen Frühjahrsoffensive zumindest die Übergabe von Leopard-Panzern an die Ukraine zu erlauben.

Ein hochrangiger Mitarbeiter US-Verteidigungsministerium sagte mit Blick auf den Besuch von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin in Berlin: "Der Verteidigungsminister wird die Deutschen in dieser Angelegenheit unter Druck setzen." Die Lieferung der Leopard-Panzer sei am sinnvollsten, da sie der Ukraine schnell zur Verfügung gestellt werden könnten, da eine Reihe von Ländern sie bereits besäßen und bereit seien, sie schnell zu liefern. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir bis zum Ende der Woche Fortschritte machen werden", sagte ein zweiter Mitarbeiter.

Ein anderer US-Offizieller, der gerade von einem Besuch in Kiew zurückgekehrt ist, sagte, das US-Verteidigungsministerium sei nicht darauf vorbereitet, Kiews Forderungen nach Abrams-Panzern nachzukommen. "Ich glaube einfach nicht, dass wir schon so weit sind", sagte er. "Der Abrams-Panzer ist ein sehr kompliziertes Gerät. Er ist teuer. Er ist schwer zu trainieren. Er hat ein Gasturbine."

In Ampel-Koalitionskeisen hieß es gegenüber Reuters, dass man zumindest die Lieferung von Leopard-Panzer durch andere Länder erlauben könnte, aber nicht unbedingt eigene Panzer liefern müsse.

In Berlin zeigte man sich unterdessen "ziemlich erstaunt" darüber, dass die britische Regierung mit der Ankündigung der Challenger-Panzern Druck auf Deutschland ausüben wolle. "Nach der deutschen Ankündigung eines Patriot-Systems und von 40 Schützenpanzern für die Ukraine scheint das britische Verhalten auf innenpolitischen Druck zurückzuführen zu sein", erfuhr Reuters aus Regierungskreisen. "Dies auf dem Rücken der Verbündeten zu tun, ist für die gemeinsame Sache nicht wirklich hilfreich." Die Lieferung von Panzern an die Ukraine sei kein Tabu. Aber man werde solche Fragen weiter im "transatlantischen Gleichschritt" klären. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie Slowakei: Der Autoriese ohne eigene Automarke
26.09.2026

Kein anderes Land produziert gemessen an seiner Einwohnerzahl so viele Autos wie die Slowakei. Volkswagen, Kia, Porsche und Land Rover...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.