Wirtschaft

Gegen China: USA steigen in den Kampf um Lithium ein

Die US-Regierung setzt ihre Pläne für die Energiewende des Landes in die Tat um. Dazu gehört auch der Aufbau einer eigenen Lithium-Branche.
22.01.2023 08:39
Aktualisiert: 22.01.2023 08:39
Lesezeit: 3 min
Gegen China: USA steigen in den Kampf um Lithium ein
Solebecken mit Lithiumkarbonat in der Atacama-Wüste in Chile. Die USA wollen ihre Lithiumproduktion massiv erhöhen. (Foto: dpa) Foto: Lucas Aguayo Araos

Die Vereinigten Staaten sind in den vergangenen Jahren im Wettlauf um alternative Energiequellen ins Hintertreffen geraten. Während andere Energieerzeuger auf der ganzen Welt stark in die Abkehr von fossilen Brennstoffen investiert haben, hat eine Flut von billigem Öl und Gas aus dem westtexanischen Permian Basin in den letzten Jahrzehnten zusätzlich zu der Trägheit und dem in der Wirtschaft und Kultur des Landes verankerten Petro-Protektionismus dazu geführt, dass die Entwicklung des Sektors der erneuerbaren Energien in den USA zum Stillstand gekommen ist. An diesem Zustand will die US-Regierung etwas ändern und versucht deshalb, die Lithiumproduktion im eigenen Land hochzufahren.

Subventionen von 370 Milliarden US-Dollar

Der amerikanischen Webseite Oilprice zufolge hat die Biden-Regierung den Plan, das Land auf den neuesten Stand zu bringen und mit den führenden Ländern im Bereich der erneuerbaren Energien wie China und Europa gleichzuziehen. Das im vergangenen Jahr verabschiedete Gesetz zur Verringerung der Inflation (Inflation Reduction Act) wird von der US-Umweltschutzbehörde (EPA) als „das bedeutendste Klimagesetz in der Geschichte der USA“ bezeichnet. Das Gesetz, bei dem es sich eigentlich um eine abgespeckte Version des Build Back Better Act handelt, beinhaltet eine massive finanzielle Unterstützung für den heimischen Sektor der erneuerbaren Energien.

Nach Angaben der Biden-Administration von Anfang Januar sieht das Gesetz Subventionen in Höhe von schätzungsweise 370 Milliarden Dollar für Solar- und Windenergie sowie für Elektrofahrzeuge vor. Eingebettet werden die Subventionen in dem Ziel der Regierung, die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf ein Niveau zu senken, das 40 Prozent unter dem Niveau von 2005 liegt.

Bisher nur ein einziges Lithiumwerk im gesamten Land

Der Versuch, das Wachstum in diesen Sektoren anzukurbeln, steht vor mehreren großen Hürden. Eine davon ist die Suche nach genügend Arbeitskräften in einem historisch angespannten Arbeitsmarkt. Die andere ist Lithium. Die Fertigung der Batterien, die Elektrofahrzeuge antreiben und Energie aus variablen erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne speichern, sind auf Lithium und andere nicht erneuerbare Seltene Erden angewiesen. Dies stellt die Geopolitik vor neue Herausforderungen, da nur wenige Länder - vor allem Australien, Chile und China - den größten Teil des weltweiten Angebots kontrollieren.

Die Vereinigten Staaten verfügen zwar über einige eigene nachgewiesene Lithiumreserven. Derzeit gibt es jedoch, wie ein Bericht von CNBC von Oktober 2022 zeigt, im ganzen Land nur ein einziges in Betrieb befindliches Lithiumwerk, die Anlage von Silver Peak am westlichen Rand von Nevada. Wenn die Vereinigten Staaten ihre Produktion von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien ankurbeln wollen, ohne bei Lithium auf China angewiesen zu sein, ist die Entwicklung einer größeren inländischen Lithiumproduktion von entscheidender Bedeutung, um nicht zu sagen dringend notwendig.

Lithiumproduzenten erhalten viel Geld

Aus diesem Grund wirft die US-Regierung den Lithiumproduzenten Geld zu, um die Lithiumversorgungsketten schnell genug zu entwickeln. Erst letzte Woche teilte das australische Lithiumunternehmen Ioneer CNBC zufolge mit, dass das US-Energieministerium ihm eine bedingte Zusage für ein Darlehen in Höhe von bis zu 700 Millionen US-Dollar erteilt hat.

Das Hauptprojekt des Unternehmens befindet sich in Nevada, auf dem Rhyolite Ridge Lithium-Bor-Projekt in Esmeralda County. Das Unternehmen erklärt: „Wenn die Anlage vollständig in Betrieb ist, wird sie genug Lithium für 400.000 Elektrofahrzeuge produzieren und gleichzeitig auch Bor herstellen“. Das Rhyolite Ridge-Projekt ist nur das jüngste in einer Reihe von Lithiumunternehmen, die seit der Verabschiedung des Inflation Reduction Act neue oder erweiterte Anlagen in den USA errichten. Neben weiteren Anlagen in Nevada wurden auch Pläne für Lithiumproduktionszentren in North Carolina und Tennessee bekannt gegeben.

E-Auto-Hersteller schließen Abnahmeverträge mit Ioneer

Die Anlage in Rhyolite Ridge ist noch nicht einmal in Betrieb und schon haben Hersteller von Elektrofahrzeugen, darunter Ford und Toyota, Abnahmeverträge mit Ioneer abgeschlossen, was die wachsende Sorge unterstreicht, dass es nicht genug Lithium für alle geben könnte, sobald Elektrofahrzeuge und Kurzzeitspeicher für erneuerbare Energien ernsthaft in Fahrt kommen.

Diese Befürchtung ist verständlich. Würden alle benzinbetriebenen Autos auf der Welt über Nacht durch Elektroautos ersetzt, wäre der weltweite Vorrat an Lithium Prognosen zufolge in nur fünfzig Jahren vollständig erschöpft, wie ein Artikel auf der Seite Science Direct aufzeigt.

Natürlich ist dies nur ein Gedankenexperiment, aber es ist eine wichtige Erinnerung daran, dass auch „erneuerbare“ Technologien auf endliche Ressourcen angewiesen sind. Derzeit sind nur ein Prozent der Autos auf den US-Straßen elektrisch, aber die Zahl der Elektroautos in der Welt soll Schätzungen von Analysten zufolge in den nächsten zehn Jahren sprunghaft ansteigen und bis 2030 eine globale Flotte von etwa 125 Millionen darstellen, wie ein Bericht von CNBC zeigt.

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