Deutschland

Seltene Erden: Deutschland importiert zwei Drittel aus China

Deutschland ist bei Seltenen Erden in hohem Maße von Lieferungen aus China abhängig. Die Politik drängt daher auf Diversifizierung und Kooperation in der EU.
24.01.2023 09:44
Lesezeit: 1 min

Von Januar bis November 2022 wurden rund 5300 Tonnen dieser Rohstoffe im Wert von 49,3 Millionen Euro importiert. 65,9 Prozent der begehrten Metalle stammten dabei aus der Volksrepublik, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. "Bei einigen der Seltenen Erden lag der Anteil der Importe aus Fernost noch deutlich höher", hieß es dazu. So wurden die Metalle Scandium und Yttrium zu 94,4 Prozent aus China importiert.

Verbindungen von Lanthan, Neodym, Praseodym und Samarium - die mengenmäßig einen großen Anteil an den importierten Seltenen Erden ausmachen - stammten zu 75,4 Prozent aus der Volksrepublik. Seltene Erden sind unter anderem für Akkus, Halbleiter oder Magneten in Elektroautos unverzichtbar.

Schon 2021 war China das wichtigste Herkunftsland Seltener Erden für den deutschen Markt. Knapp 3800 Tonnen im Wert von 13,2 Millionen Euro wurden aus Fernost eingeführt, was einem Anteil von 66 Prozent entspricht. Danach folgten Österreich mit anteilig 21 Prozent und Estland mit sechs Prozent. "Aus Schweden – dem Staat mit einem kürzlich entdeckten und bislang vermutlich größten in Europa bekannten Vorkommen an Seltenen Erden – wurden im Jahr 2021 keine dieser Metalle nach Deutschland eingeführt", so das Statistikamt.

Politik und Wissenschaft sind angesichts der enormen Abhängigkeit von China alarmiert. Russland habe "drastisch vor Augen geführt, wie die Rohstoffabhängigkeit von autokratischen Regimen als politisches Druckmittel benutzt werden kann und welche schwerwiegenden wirtschaftlichen Konsequenzen diese Abhängigkeit hat", sagte der Leiter der Abteilung Weltwirtschaft im DIW, Lukas Menkhoff, angesichts stark reduzierter Energielieferungen nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters.

Um solche Abhängigkeiten zu verringern, helfen dem DIW zufolge keine Einzelaktionen, sondern nur ein ganzes Bündel an Maßnahmen. So sollte auf mehr Lieferländer gesetzt werden: Seltene Erden könnten zusätzlich über Brasilien, Indien und Australien bezogen werden. Empfohlen wird auch, die Lagerhaltung um verpflichtende Mindestreserven zu ergänzen. Auch sollte die Beschaffung relevanter Rohstoffe europaweit gebündelt werden, um der Marktmacht der wenigen Anbieter etwas entgegenzusetzen. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Hersteller von Metas „Perversen-Brillen“ überrascht mich mit starkem Wettbewerbsvorteil
13.10.2026

Meta bringt künstliche Intelligenz mit seinen Smartbrillen immer näher an den Alltag. Produziert werden sie ausgerechnet von einem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalflucht aus China: Superreiche fliehen vor Pekings Steuerjagd
13.10.2026

Chinas Superreiche geraten ins Visier des Staates. Peking durchleuchtet Auslandsvermögen, friert Konten ein und verhängt Ausreiseverbote....

DWN
Politik
Politik Russlands ehemaliger Ministerpräsident: Putin machte einen Fehler, den er nicht eingestehen kann
13.10.2026

Russlands früherer Ministerpräsident Michail Kasjanow glaubt nicht an ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs. Putin wisse vermutlich, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Wall Street uneinheitlich vor Beginn der Berichtssaison
12.10.2026

Spannung an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren und Quartalszahlen die Märkte aktuell bewegen.

DWN
Politik
Politik Kritische Rohstoffe: EU startet 46 neue Projekte, doch die alten scheitern
12.10.2026

Europa will sich aus Chinas Rohstoffklammer befreien. Dafür bringt Brüssel 46 neue strategische Projekte auf den Weg, die Investitionen...

DWN
Politik
Politik Putin ist erfolgreicher, als uns lieb sein kann: Analyst weist auf großen Fehler der NATO hin
12.10.2026

Sabotage, Drohnen und Angriffe auf Infrastruktur: Nach Einschätzung des Russland-Experten Mason Clark verfolgt der Kreml damit ein...

DWN
Politik
Politik Er verlor den Kampf um die Macht gegen Trump und Vance: Jetzt warnt er seine Partei
12.10.2026

Tim Walz hat die Niederlage von 2024 noch nicht abgehakt. Im Interview erklärt der frühere Vizepräsidentschaftskandidat, warum die...

DWN
Finanzen
Finanzen McDonalds-Aktie: Ausverkauf an der Börse – haben die Anleger die Burger satt?
12.10.2026

Die McDonalds-Aktie ist auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen und hat innerhalb von neun Monaten fast ein Drittel ihres...