Technologie

Europas wertvollster Tech-Konzern beugt sich Bidens Export-Verbot

Europas wertvollster Tech-Konzern wird sich offenbar an einem von der US-Regierung geforderten Exportverbot gegen China beteiligen. Auch deutsche Zulieferer sind betroffen.
30.01.2023 11:00
Lesezeit: 3 min
Europas wertvollster Tech-Konzern beugt sich Bidens Export-Verbot
De US-Regierung übt Druck auf den ASML-Konzern aus, bestimte Produkte nicht mehr nach China zu exportieren. (Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

Der niederländische Technologie-Konzern ASML beugt sich Medienberichten zufolge einem von der US-Regierung geforderten Export-Verbot fortschrittlicher Geräte zur Herstellung von Halbleiterchips (sogenannte EUV-Anlagen) nach China. Auch Geräte älterer Bauart von ASML sollen ins Visier der Amerikaner geraten sein, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

„Nun aber sind auch die etablierten DUV-Geräte ins Visier gekommen. Im November ging aus der Antwort auf eine Anfrage im niederländischen Parlament unmissverständlich hervor: Die Vereinigten Staaten wollen den Export auch älterer ASML-Maschinen nach China unterbinden und wünschen von der Regierung in Den Haag ein entsprechendes Ausfuhrverbot. Darüber sprachen Biden und Rutte offenkundig vergangene Woche – ihre Schlussfolgerungen sind bisher unklar“, berichtet das Blatt.

Nun berichtet Bloomberg, dass sich beide Seiten bei den Gesprächen deutlich angenähert hätten. ASML werde sich wahrscheinlich ebenso wie die beiden japanischen Technologiekonzerne Nikon und Tokio Electron den Wünschen der Amerikaner beugen.

ASML teilte jüngst mit, dass man auch ohne den chinesischen Markt mit Blick auf die Aufträge ausgelastet sei. Selbst ein Exportverbot für DUV-Geräte hätte daher wahrscheinlich keinen signifikanten Schaden zur Folge.

Trotzdem stört man sich in der Führungsriege offenbar an den zunehmenden politischen Vorgaben, die das Geschäft beeinflussen. „Wir sind Geschäftsleute, keine Politiker“, sagte der Vorstandsvorsitzende in einem firmeneigenen Interview. Exportbeschränkungen für Hochtechnologie seien eine multinationale Frage, kein Thema zwischen mehreren Ländern, eine ausgewogene Lösung sei nötig.

ASML verfügt über eine Marktkapitalisierung von etwa 250 Milliarden Euro und ist damit der wertvollste Titel im niederländischen Aktienuniversum sowie der zweitwertvollste Titel im europäischen Eurostoxx 50-Index.

Auch deutsche Firmen betroffen

Von den (drohenden) Exportverboten bei ASML sind indirekt auch deutsche Zulieferer betroffen – etwa Carl Zeiss und Trumpf.

Ein Sprecher von Carl Zeiss sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. „Wir beobachten die geopolitischen Entwicklungen aufmerksam. China ist für ZEISS ein wichtiger Wachstumsmarkt, auf den sich das Unternehmen weiter strategisch ausrichtet. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir keine Zahlen dazu herausgeben.“

Angesprochen auf den Umstand, dass ASML offenbar auch ältere DUV-Maschinen nicht mehr nach China exportieren soll, sagte der Sprecher: „Die Breite des Portfolios und die globale Ausrichtung von ZEISS wirkt sich stabilisierend aus. Alle Regionen tragen zum fortgesetzten starken Wachstumskurs bei. Wir verfolgen auch hier die aktuellen geopolitischen Entwicklungen ganz genau und sind mit unserem strategischen Partner ASML im engen Austausch. Hier sind jedoch viele Szenarien denkbar und daher möchten wir nicht spekulieren.“

Trumpf äußerte sich bislang nicht auf Anfragen dieser Zeitung.

Hintergrund: Amerikas „Chip-Krieg“ mit China

Den Hintergrund für die zunehmenden Schwierigkeiten von ASML stellt der Feldzug der US-Regierung gegen China dar, den diese im Hochtechnologie-Sektor und in anderen Bereichen führt. Zuletzt hatte die Biden-Administration im Herbst vergangenen Jahres die Vorschriften für Hochtechnologieexporte nach China noch einmal verschärft. Daran sollen sich nach dem Willen der Washingtoner Regierung nicht nur US-amerikanische, sondern auch ausländische Unternehmen halten.

Das Ziel besteht offenbar darin, China am Aufbau einer fortschrittlichen Halbleiterindustrie zu hindern, um den Ausbau des militärischen Potenzials des Landes zu hemmen. Denn Halbleitersysteme spiele in nahezu allen fortschrittlichen Technologien eine bedeutende Rolle und werden auch im militärischen Bereich eingesetzt.

Der wichtigste Transmissionsriemen, über den die US-Regierung ihre extraterritoriale Rechtsprechung durchsetzt, ist der Dollar, dem weiterhin im weltweiten Handelsverkehr eine große Bedeutung zukommt. Die Instrumentalisierung des Dollars für geopolitische Ziele hat inzwischen aber auch dazu geführt, dass sich Regierungen auf der ganzen Welt verstärkt nach Alternativen umsehen. Insbesondere China und Russland propagieren die Nutzung alternativer Währungen und Zahlunsabwicklungssysteme.

Lesen Sie dazu: Südost-Asiaten warnen vor Instrumentalisierung des Dollar

Den „Chipkrieg“ gegen China komplettiert das massive Subventionsgesetz der Biden-Administration, welches unter dem Namen „Inflation Reduction Act“ medial vermarktet wird und das auf die Stärkung der heimischen Fertigung und mehr Autonomie der USA bei kritischen Rohstoffen abzielt.

In Europa mehrten sich zuletzt Stimmen, die vor einer Abwanderung hiesiger Unternehmen in die USA warnen, weil dort als Folge von Subventionen und Steuernachlässen dann deutlich attraktivere Standortbedingungen herrschen könnten als hierzulande. Der Bau einer riesigen Fabrik des Weltmarktführers im Bereich der Halbleiter – des taiwanesischen TSMC-Konzerns – im US-Bundesstaat Arizona gilt vor diesem Hintergrund als erster großer Meilenstein für die USA.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase: Anleger ignorieren die Warnzeichen und kaufen weiter
28.09.2026

Die Warnungen vor einer KI-Blase werden lauter, doch an der Börse scheint das kaum jemanden zu stören. Tech-Aktien steigen wieder auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise in Deutschland: Droht die nächste milliardenschwere Rettungsaktion?
28.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr, zugleich bleibt Europa abhängig von teuren Energieimporten....

DWN
Politik
Politik CDU demontiert sich selbst: Amthor mit Strandkorb in "Inside CDU"
28.09.2026

Von dubiosen Aktiendeals zum Staatsminister: Wofür andere zurückgetreten wären, wird Amthor befördert. Und nun erhitzt eine Szene aus...

DWN
Panorama
Panorama Abzahlung auf Raten: Verbraucher teilen teure Online-Käufe häufiger auf
28.09.2026

Beim Einkauf im Netz greifen die Menschen in Deutschland bei höheren Summen immer öfter zur Ratenzahlung. Wie eine aktuelle Erhebung...

DWN
Technologie
Technologie Mit chinesischem Auto in die Mine gefahren: Der Wagen verband sich weiter mit China
28.09.2026

Forscher fuhren mit einem elektrischen SUV vom Typ NIO ES8 tief in eine norwegische Untertagemine, um das Auto von externen Verbindungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...