Politik

Wagner-Chef Progoschin rechnet mit jahrelangen Kämpfen

Der Chef der Wagner-Gruppe Jewgeni Progoschin erwartet zähe Kämpfe in der Ukraine. Allein die Eroberung von Donezk und Luhansk könnte noch bis zu zwei Jahren dauern.
11.02.2023 16:11
Aktualisiert: 11.02.2023 16:11
Lesezeit: 2 min

Der russische Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin erwartet nach eigenen Angaben noch jahrelange zähe Kämpfe in der Ukraine. Die von Russland geplante Eroberung der Regionen Donezk und Luhansk werde mindestens anderthalb Jahre in Anspruch nehmen, sagte der Chef der Wagner-Gruppe in einem bereits am Freitag veröffentlichten Video.

Wenn ein Vordringen weiter nach Westen bis zum Fluss Dnipro gewünscht sei, so werde dies etwa drei Jahre in Anspruch nehmen, sagte der Militärunternehmer in einem von einem russischen Militärblogger veröffentlichten Interview. Prigoschin gab damit einen seltenen Einblick in den auf russischer Seite erwarteten Zeithorizont des Krieges.

Russland hatte die von Separatisten ausgerufenen Republiken Donezk und Luhansk und weitere Teile der Ukraine im vergangenen Jahr in einem international nicht anerkannten Schritt zum eigenen Staatsgebiet erklärt. Bereits 2014 hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert.

Prigoschins Privatarmee kämpft an der Seite der regulären russischen Streitkräfte, gilt aber auch als deren Rivalin. Prigoschin zählt wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu zu den Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin. Auf dessen Befehl hatte Russland die Ukraine am 24. Februar vergangenen Jahres angegriffen.

"Soweit ich verstehe, müssen wir die Republiken Donezk und Luhansk abriegeln, und im Prinzip werden damit vorerst alle zufrieden sein", sagte Prigoschin. Das werde anderthalb bis zwei Jahre dauern. Deutlich länger dürfte seiner Einschätzung nach ein mögliches Vordringen russischer Kräfte bis an den Fluss Dnipro dauern, der die Ukraine von Norden nach Süden durchströmt.

"Wenn wir den Dnipro erreichen müssen, dann wird es ungefähr drei Jahre dauern", so Prigoschin weiter. Russland müsse sich bei der Offensive klare Ziele setzen, empfahl der Wagner-Chef. Russland müsse seine Präsenz in der Ostukraine festigen oder weiter vordringen, um weitere Teile des Landes zu erobern.

Die von russischer Seite angestrebte Abriegelung und Eroberung der heftig umkämpften Stadt Bachmut in der Region Donezk dürfte Prigoschin zufolge ebenfalls noch Zeit in Anspruch nehmen. "Es ist wahrscheinlich zu früh zu sagen, dass wir kurz davor sind. Viele Straßen führen hinaus, und weniger Straßen führen hinein", sagte er.

"Die ukrainischen Soldaten sind gut ausgebildet", fügte Prigoschin hinzu. "Und wie bei jeder großen Stadt ist es unmöglich, sie mit einem Frontalangriff einzunehmen." Man komme jedoch sehr gut voran. Die Einnahme von Bachmut sei strategisch wichtig für den weiteren Feldzug, sagte Prigoschin. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: 50 Jahre US-Techgigant – vom Beinah-Bankrott zum wertvollsten Konzern der Welt
03.04.2026

Eine Garage, zwei Freunde und eine Vision: Die 50-jährige Geschichte des Tech-Giganten Apple ist geprägt von revolutionären Innovationen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Pennylane verbindet Buchhaltung und Steuerberatung in einer Software – wie Unternehmen davon profitieren
03.04.2026

Viele kleine und mittlere Unternehmen arbeiten im Finanzmanagement noch mit mehreren Systemen oder manuellen Prozessen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiemanagement-System: Wer Energie falsch nutzt, verliert Wettbewerbsfähigkeit
03.04.2026

Energie wird für Unternehmen immer teurer, doch viele nutzen sie weiterhin ineffizient. Neue Systeme zeigen, dass nicht die Produktion...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF kaufen: So klappt der Einstieg Schritt für Schritt
03.04.2026

Ein ETF-Sparplan gilt als einfacher Weg zum langfristigen Vermögensaufbau. Trotzdem scheitern viele schon am ersten Schritt: den passenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mitarbeitermotivation im Wandel: Warum Geld allein nicht mehr reicht
03.04.2026

Mehr Geld reicht nicht mehr, um Mitarbeiter zu halten. Beschäftigte verlangen zunehmend Flexibilität, Sicherheit und echte Perspektiven....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lamborghini Urus SE im Test: Was leistet der Plug-in-Hybrid mit V8-Motor?
03.04.2026

Lamborghini entwickelt sein erfolgreichstes Modell weiter und kombiniert beim Urus erstmals einen V8-Motor mit Plug-in-Hybridtechnik....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Remote-Jobs werden knapper: Der Kampf ums Homeoffice nimmt zu
03.04.2026

Der Arbeitsmarkt für Remote-Arbeit verändert sich spürbar, während Unternehmen ihre Strategien neu ausrichten und die Nachfrage nach...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...