Politik

Italien will mit Deutschland EU-Abgasregeln mäßigen

Italien strebt ein Bündnis mit Deutschland und Frankreich an, um zusammen die EU-Emissionsvorschriften für Fahrzeuge abzumildern. Die Rede ist von „Selbstmord“.
Autor
25.02.2023 21:52
Aktualisiert: 25.02.2023 21:52
Lesezeit: 2 min
Italien will mit Deutschland EU-Abgasregeln mäßigen
Italiens Regierung macht sich für ihre Autoindustrie stark. (Foto: dpa) Foto: Matthias Balk

Italien will sich mit Frankreich und Deutschland zusammentun, um das Tempo der EU-Gesetze zur Senkung der Emissionen von Pkw und Lkw zu zu verlangsamen, sagte Industrieminister Adolfo Urso am Samstag. In einem Gespräch mit dem Nachrichtensender TGcom forderte er die EU-Kommission dazu auf, einen "pragmatischen, konkreten, nicht ideologischen" Ansatz bei den Klimaschutzgesetzen zu verfolgen, wie Reuters berichtet.

Er wolle eine "Allianz" mit Paris und Berlin eingehen, um die Kosten für Industrie und Verbraucher zu mildern, so der Urso weiter. Er habe das Thema am 20. Februar in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck besprochen und werde dasselbe am 3. März in Rom mit dem französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire tun. "Die drei großen europäischen Industrieländer können Einfluss auf europäische Regelungen beeinflussen", sagte er.

Urso erwähnte insbesondere zwei EU-Gesetzesentwürfe: die strengeren Euro-7-Emissionsvorschriften für Pkw, Lieferwagen, Lkw und Busse sowie den in diesem Monat vorgelegten Vorschlag zur weiteren Reduzierung der Lkw- und Busemissionen. Er sagte, Italien sei "entschlossen", die Verabschiedung der beiden Gesetzesentwürfe bis nach den nächsten EU-Parlamentswahlen im Jahr 2024 hinauszuzögern, wenn die Forderungen Roms nach Mäßigung nicht erfüllt würden.

Man müsse "Bürgern und Unternehmen eine echte Chance geben, sich rechtzeitig anzupassen", sagte Urso. Er wies auch darauf hin, dass sich Italien für eine umfassendere Überarbeitung der "Etappen und Modalitäten des ökologischen Übergangs" einsetzen werde, wenn die EU-Kommission im Jahr 2026 die Fortschritte auf dem Weg zum erklärten Ziel für 2035 überprüfen wird, null Emissionen für neue Autos und Lkw zu erreichen.

In Anlehnung an die vom italienischen Verkehrsminister Matteo Salvini geäußerten Bedenken sagte Urso, dass die Europäische Union Gefahr laufe, von der "Energieabhängigkeit" von Russland bei der Versorgung mit fossilen Brennstoffen in eine "noch stärkere Abhängigkeit" von China bei grünen Technologien und Rohstoffen zu geraten.

Die EU-Verordnungen zu den CO2-Emissionen im Straßenverkehr sind Teil eines umfassenderen Pakets strengerer Maßnahmen gegen den Klimawandel, mit denen die Ziele der Europäischen Union zur Senkung der Treibhausgasemissionen in diesem Jahrzehnt erreicht werden sollen.

Die italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte sich schon zuvor entschieden gegen die Entscheidung der EU ausgesprochen, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2035 zu verbieten. Ein Minister bezeichnete die von Brüssel erzwungene Umstellung auf Elektroautos als "Selbstmord" und als ein "Geschenk" an die chinesische Autoindustrie.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Greg Abel vor Bewährungsprobe: Anleger prüfen Berkshire Hathaway-Aktie
17.05.2026

Die Berkshire Hathaway-Aktie steht nach dem Machtwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel vor einer neuen Vertrauensprobe. Kann der Konzern...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kommission pocht auf Reformen bei ARD und ZDF
17.05.2026

Gehälterdeckel, Beitragsbremse, mehr Sparsamkeit: Eine Enquete-Kommission in Sachsen-Anhalt hat vor der Landtagswahl ehrgeizige Pläne...

DWN
Finanzen
Finanzen Trauringe aus Gold: Nachhaltig und fair Gold kaufen
17.05.2026

Viele Paare wünschen sich Trauringe aus Gold - möglichst hochwertig und langlebig. Doch die Herkunft des Edelmetalls spielt eine...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche Bahn startet günstiges Familienticket für Sommerreisen
17.05.2026

Mit einem neuen Familienticket will die Deutsche Bahn Familien in den Sommerferien entlasten. Für unter 100 Euro sind Hin- und...

DWN
Immobilien
Immobilien Marode Gebäude und Brücken: Sanierungsstau in Berlin erreicht neue Dimensionen
17.05.2026

Von der Technischen Universität bis zum Schloss Bellevue: In Berlin häufen sich gravierende Baumängel und kostspielige...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitswelt: Wie Algorithmen den Menschen zur Restgröße machen
17.05.2026

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, Effizienz und neue Chancen. Doch in der KI-Arbeitswelt zeigt sich eine andere Realität:...

DWN
Finanzen
Finanzen Eurokurs schwächelt weiter: Warum Währungsschwankungen für Unternehmen teuer werden
17.05.2026

Der Eurokurs steht seit vielen Monaten unter Druck – und für Unternehmen kann das langsam zum Problem werden. Zwischen geopolitischen...

DWN
Panorama
Panorama Trügerische Sicherheit: Warum Ihr Lieblingspasswort eine Gefahr ist
16.05.2026

Die meisten Internetnutzer wiegen sich in Sicherheit, während sie Hackern die Tür sperrangelweit offen stehen lassen. Obwohl die...