Finanzen

Schwächerer Rubel stärkt Russlands Staatshaushalt

Der Rubel ist zuletzt deutlich gefallen. Er handelt nun wieder zum gleichen Dollar-Kurs wie zu Kriegsbeginn. Davon profitiert nicht nur die russische Industrie.
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01.03.2023 11:31
Aktualisiert: 01.03.2023 11:31
Lesezeit: 3 min

Aktuell zahlt man etwa 75 russische Rubel für einen Dollar. Auf dem Höchststand der russischen Währung Ende Juli musste man nur etwa 50 Rubel für einen Dollar zahlen. Allein seit Anfang Dezember hat der Rubel rund 20 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren und handelt nun wieder so schwach wie zuletzt vor zehn Monaten, also in etwa auf dem Niveau vor dem Kriegsbeginn der Ukraine.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn vor einem Jahr stürzte die russische Währung kurzzeitig auf einen Kurs von 140 Rubel pro Dollar, erholte sich dann aber umgehend. Diese Kurserholung des Rubels war vor allem eine Folge von Entscheidungen der russischen Notenbank, welche den Leitzins auf 20 Prozent anhob und Kapitalkontrollen einführe.

Allerdings muss man den jüngsten Kursrückgang des russischen Rubels im Zusammenhang sehen. Denn auch wenn der Rubel in den letzten Monaten gegenüber Dollar und Euro verloren hat, so handelt die russische Währung heute deutlich besser gegenüber dem Euro als vor dem Krieg in der Ukraine. Ein Euro kostet aktuell etwa 80 Rubel, vor Kriegsbeginn kostete ein Euro um die 85 Rubel.

Der jüngste Rückgang des Rubels wird durch den Verkauf von Renminbi-Beständen aus dem Nationalen Vermögensfonds der Zentralbank gemildert, wie die Financial Times berichtet. Denn wenn die Energieeinnahmen niedriger ausfallen als erwartet, dann verkauft der Staatsfonds Vermögenswerte, um die Differenz auszugleichen. Im Januar verkaufte Russland nach Angaben des Finanzministeriums Renminbi im Wert von 54,5 Milliarden Rubel und plant.

Im Februar sollen die Renminbi-Verkäufe verdreifacht werden. Dies würde weniger als 6 Prozent der gesamten Renminbi-Bestände des Fonds ausmachen. "Diese Verkäufe zielen nicht darauf ab, den Rubel zu stärken, da sie die Handelsströme nicht aufwiegen können, auch wenn sie einen geringfügig stützenden Effekt haben könnten", sagte Wladimir Osakowski, der Chefökonom für Russland bei der Bank of America.

Ein schwächerer Rubel verschafft Russland höhere Exporteinnahmen in der eigenen Landeswährung, da das Land Energieeinnahmen hauptsächlich in Dollar und Euro erhält und die Staatsausgaben größtenteils in Rubel getätigt werden. "Wenn der Wechselkurs um einen Rubel sinkt, erhält der Haushalt 120 Milliarden Rubel zusätzlich", sagte Natalia Lawrowa, Chefvolkswirtin bei BCS Global Markets.

Der jüngste Kursrückgang hat den Rubel wie auf den gleichen Stand zum Dollar gebracht wie zu Kriegsbeginn und er ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht für Moskau. Tatsächlich war die russische Regierung im vergangenen Jahr noch besorgt, dass der Rubel zu stark werden könnte. Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow sagte auf dem Höchststand der Währung, dass viele Industrieunternehmen bei einem Wechselkurs von 50 Rubel je Dollar nicht mehr rentabel sind.

Eine zu schwache Währung birgt jedoch Risiken für die Inflation, da die Importe teurer werden, sowie für die Finanzstabilität, da sie eine Nachfrage nach Liquidität auslöst, so das Kiewer Institut für Wirtschaftswissenschaften. Regierungsstatistiken zufolge sank der Leistungsbilanzüberschuss, also die Nettodifferenz zwischen Exporten und Importen, im Januar auf 8 Milliarden Dollar. Dies war ein Rückgang von fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die vorübergehend gesunkenen Öl- und Gaseinnahmen haben die russischen Staatsfinanzen zuletzt ebenfalls unter Druck gesetzt. Zugleich erhöhte der russische Staat seine Ausgaben im Januar um 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ende Februar hatte Russland 17 Prozent des Budgets für 2023 ausgegeben, aber nur 5,3 Prozent der erwarteten Jahreseinnahmen eingenommen, so die Daten des Finanzministeriums.

Wird der Rubel weiter fallen?

"Das Ausmaß des Ausgabenanstiegs im Januar ist recht ungewöhnlich, da die Regierung normalerweise die Ausgaben zu Beginn des Jahres kürzt", sagte Osakovsky. Er argumentierte, dass der Ausgabenanstieg ein weiterer Grund für den Rückgang des Rubels sein könnte, da "ein Teil der Rubelzuflüsse zum Kauf von Dollar zur Bezahlung von Importen verwendet worden sein könnte".

In einer kürzlich von der russischen Zentralbank durchgeführten Umfrage unter russischen Analysten wurde prognostiziert, dass sich die Währung in diesem Jahr zwischen 67 und 77 Rubel bewegen wird, ein Niveau, das der erste stellvertretende Ministerpräsident Andrej Belousow im vergangenen Jahr als "das angenehmste für die russische Industrie" bezeichnet hatte.

Analysten sind der Ansicht, dass die künftige Entwicklung der Währung von denselben Faktoren bestimmt wird, die sie derzeit antreiben, nämlich von den sich verändernden Import- und Exportmustern, insbesondere im Energiesektor. Sofya Donets, Chefvolkswirtin für Russland bei Renaissance Capital, sagte: "Der Rubel existiert in einem relativ sterilen Umfeld und spiegelt einen grundlegenden Aspekt der russischen Wirtschaft wider - die Handelsbilanz."

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