Unternehmen

Zulieferer Schaeffler sieht in Europa keine Investitionschancen mehr

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler sieht sich außerhalb Europas nach zukunftsfähigen Märkten um.
07.03.2023 14:00
Aktualisiert: 07.03.2023 14:15
Lesezeit: 2 min
Zulieferer Schaeffler sieht in Europa keine Investitionschancen mehr
Mitarbeiter von Schaeffler protestieren gegen den Stellenabbau. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will stärker Chancen in China sowie den USA nutzen und vor allem dort auch die Möglichkeiten des Investitionsprogrammes der US-Regierung ausloten. Das kündigte Konzernchef Klaus Rosenfeld am Dienstag bei der Bilanz-Pressekonferenz der Schaeffler AG in Herzogenaurach an. „Es gibt global unterschiedliche Regulierungsansätze. Der sehr akzentuierte Inflation Reduction Act in den USA könnte zu einem Umdenken auch in Europa führen“, sagte Rosenfeld. „Wir wollen ganz bewusst die Chancen, die wir in Amerika haben, nutzen.“

Lesen Sie dazu: Subventionspaket lockt massiv deutsche Unternehmen in die USA

In China wolle Schaeffler künftig „mehr selbst machen“, sagte Rosenfeld. „Ein Rückzug aus China ist für Schaeffler keine Alternative“, betonte er. China stehe derzeit für einen Anteil am Umsatz von 23 Prozent, Amerika für 22 Prozent. Rosenfeld sieht in beiden Fällen Luft nach oben, gerade bei der E-Mobilität. „Die Investitionen gehen dahin, wo die Zukunfts-Wachstumschancen sind“, sagte er. Die USA böten da im Moment bessere Chancen als Europa.

Europa und insbesondere Deutschland verlieren kontinuierlich an Wettbewerbsfähigkeit. Dies liegt in erster Linie an den enorm hohen Energiepreisen als Folge von Energiewende und Sanktionen gegen russische Energieprodukte. Weitere belastende Faktoren sind eine ausufernde Bürokratie und im internationalen Vergleich sehr hohe Steuern und Abgaben.

Lesen Sie dazu: Auto-Zulieferer: Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig

Gewinn sinkt

Bei Komponenten für Verbrennermotoren werde Schaeffler weiter zurückfahren, aber nicht völlig verzichten, sagte Rosenfeld. Derzeit läuft ein Programm zum Abbau von rund 1.300 Stellen an Standorten mit Verbrenner-Schwerpunkt. Insgesamt beschäftigt Schaeffler weltweit mehr als 82.000 Menschen.

Er gehe davon aus, dass im globalen Maßstab ein gewisser Anteil an Verbrennern bleiben werde, sagte Rosenfeld. Im Kampf gegen den Klimawandel sei es wichtig, den Blick auf Nutzfahrzeuge zu richten. Im Gegensatz zu privat genutzten Pkw hätten diese viel längere Laufzeiten pro Tag und entsprechend höhere Ausstöße.

Das Ergebnis im abgelaufenen Jahr für sein Unternehmen bezeichnete Rosenfeld als solide. Unter anderem höhere Kosten führten zu einem um gut ein Viertel niedrigeren Konzerngewinn von 557 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Zwei Drittel seien Volumensteigerungen, ein Drittel höheren Preisen geschuldet.

Stark steigende Erlöse meldet Schaeffler vor allem aus dem Industriesektor - Schaeffler stellt unter anderem Antriebssysteme für Windräder her. Dieser Bereich wuchs schneller als der Automotive-Sektor, bringt aber noch weniger als die Hälfte an Umsatz. Im Automobilbereich legte vor allem die E-Mobilität zu. Hier seien Aufträge im Wert von fünf Milliarden Euro eingegangen.

Das neue Jahr geht Rosenfeld bei den Ergebniszielen vorsichtig an. Der Umsatz soll zwar um 5 bis 8 Prozent klettern, wenn Wechselkurseffekte herausgerechnet werden - was etwas mehr ist als von Experten erwartet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Inflation und Konsumzurückhaltung: Wie Deal-Plattformen die Kaufkraft der Verbraucher stärken

Angesichts einer persistenten Inflation und steigender Lebenshaltungskosten sehen sich private Haushalte in Deutschland einem erheblichen...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Quittung an der Zapfsäule: Energiekrise belastet Familienbudget
17.04.2026

Der anhaltende Iran-Krieg entwickelt sich zunehmend zu einer sozialen Zerreißprobe für Deutschland. Während die Ölpreise auf den...

DWN
Technologie
Technologie Digital-Gesetz steht: Justizministerin verschärft Kampf gegen Netz-Gewalt
17.04.2026

Die Bundesjustizministerin zieht die Zügel im Internet an: Mit einem neuen Gesetzentwurf will Stefanie Hubig (SPD) den Wildwest-Zuständen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Grünes Licht für die Kaufprämie: Bundestag besiegelt E-Auto-Zuschuss
17.04.2026

Die Rückkehr der staatlichen Förderung für Elektrofahrzeuge ist beschlossene Sache: Der Bundestag hat den Weg für das neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schutz vor Schuldenfallen: Bundestag verschärft Regeln für Kredite
17.04.2026

Ob beim schnellen Online-Kauf oder dem klassischen Bankgespräch – für Verbraucher gelten künftig strengere Leitplanken bei der...

DWN
Politik
Politik Umfrage-Beben: AfD erstmals stärkste Kraft – Quittung für Schwarz-Rot
17.04.2026

Die politische Landschaft in Deutschland gerät ins Wanken: Laut aktuellem ZDF-Politbarometer hat die AfD die Union überholt und rangiert...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Ein Jahr Merz-Regierung – eine schonungslose Analyse
17.04.2026

Deutschland sucht nach Orientierung in unruhigen Zeiten. Die politische Reformpflicht trifft auf wirtschaftliche Unsicherheit – und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaft im Dauertief: Experten warnen vor beispielloser Krisenschleife
17.04.2026

Die deutsche Wirtschaft steckt fest – und ein Ende der Durststrecke ist laut Experten nicht in Sicht. Nach einer aktuellen Umfrage unter...

DWN
Politik
Politik Mission „Freier Seeweg“: Westliche Partner planen Schutz für Straße von Hormus
17.04.2026

Nach der Blockade einer der wichtigsten Lebensadern der Weltwirtschaft blicken die westlichen Alliierten auf die Zeit nach dem Iran-Krieg....