Wirtschaft

Massive Subventionen: Volkswagen zieht es in die USA

Mithilfe eines riesigen Subventionsprogramms zieht die US-Regierung Industrie-Kapazitäten aus Europa ab.
08.03.2023 13:25
Lesezeit: 2 min
Massive Subventionen: Volkswagen zieht es in die USA
Produktion bei VW. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Volkswagen gibt wegen der massiven Subventionen für Investitionen in Nordamerika offenbar seinen Plänen für eine Batteriezellfabrik dort den Vorrang vor weiteren in Europa. Man könne nicht davon sprechen, dass Pläne für neue Standorte in Europa gestoppt würden, sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber De facto ist es schon so, dass wir in Nordamerika schneller vorankommen.“

Die Zeitung Financial Times hatte berichtet, Volkswagen lege ein in Osteuropa geplantes Werk auf Eis und priorisiere stattdessen Nordamerika, weil der Konzern bis zu zehn Milliarden Euro an US-Fördermitteln erhalten könne. Ein Sprecher sagte, VW evaluiere noch geeignete Standorte in Osteuropa und Nordamerika.

Volkswagens Technik-Vorstand Thomas Schmall forderte in einem Beitrag auf dem Karriere-Netzwerk LinkedIn eine rasche Antwort der Europäischen Union (EU) auf das US-Subventionsprogramm IRA. „Meine Hoffnung ist, dass die Politik in Brüssel und den europäischen Hauptstädten jetzt schnell den Hebel zieht und Unternehmen ermöglicht, hier die Industrie der Zukunft aufzubauen.“ Die EU benötige ein überarbeitetes staatliches Hilfsprogramm, um auf Augenhöhe mit vergleichbaren Förderungen in China und Nordamerika zu kommen. „Die Konditionen von IRA sind so attraktiv, dass Europa Gefahr läuft, den Wettlauf um Milliardeninvestitionen zu verlieren, der in den kommenden Monaten und Jahren entschieden wird.“

Die EU brauche eine Strategie zur Sicherung kritischer Rohstoffe, Ökostrom zu wettbewerbsfähigen Preisen unter sieben Cent pro Kilowattstunde und ein starker Fokus auf die Zellfertigung. Vor allem gehe es jetzt um Geschwindigkeit, schreib Schmall. Denn das IRA-Programm sei bereits in Kraft und liefere Ergebnisse.

Der Konzern halte an seinem Plan fest, in Europa bis 2030 Batteriezellfabriken mit einer Leistung von rund 240 Gigawattstunden zu bauen, sagte der Konzernsprecher. Dafür benötige man aber die richtigen Rahmenbedingungen. „Deshalb warten wir ab, was der sogenannte Green Deal der EU bringen wird“, erklärte der Konzern. Ursprünglich hatte Volkswagen den Bau von sechs Akku-Werken in Europa geplant.

Finanzvorstand Arno Antlitz hatte vergangene Woche bei einer Telefonkonferenz zur Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen gesagt, er rechne mit Rückenwind durch das milliardenschwere US-Förderprogramm. Zu den Beratungen des Aufsichtsrats über eine Batteriezellfabrik in Nordamerika hatte er sich nicht geäußert. Der Konzern hatte vor einiger Zeit Kanada als logische Option für eine Batteriezellfabrik bezeichnet.

Continental folgt Abnehmern

Der Grioßzulieferer Continental hält sich wegen der Subventionen weitere Investitionen in den USA offen. Der drittgrößte deutsche Autozulieferer habe schon sehr früh in Nordamerika investiert und beschäftige dort rund 15.000 Mitarbeiter, sagte Finanzvorständin Katja Dürrfeld der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch anlässlich der Präsentation der Bilanz 2022.

„Unsere Investitionsentscheidungen orientieren sich maßgeblich an den regionalen Marktentwicklungen und entsprechend auch an unseren Kunden.“ Das heiße, sollten sich große Abnehmer von Continental für weitere Werke in den USA entscheiden, würde der Dax-Konzern aus Hannover entsprechend investieren. Der Markt in Nordamerika sei für die globale Automobilindustrie extrem wichtig.

Volkswagen ist einer der größten Kunden von Continental.

Als eines der ersten europäischen Unternehmen hatte sich der schwedische Batteriehersteller Northvolt bei seinen Investitionsplänen auf das IRA-Programm bezogen. Auch Tesla nennt bei seinen Investitionsplänen explizit den Inflation Reduction Act: Das Unternehmen montiert zwar in seinem Werk in Grünheide bei Berlin die Batterien für seine Elektroautos. Der Fokus der Zellfertigung liege dagegen aufgrund der Steueranreize in den USA. Ursprünglich hatte Tesla geplant, in Grünheide die gesamte Batterie zu produzieren, mit einer Spitzenkapazität von über 50 Gigawattstunden pro Jahr.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...