Wirtschaft

Russland nutzt Dollar und Euro für Hälfte seiner Exporte

Zwar ist die Bedeutung von Dollar und Euro in Russlands Außenhandel massiv zurückgegangen. Doch knapp die Hälfte der Zahlungen nutzen die Währungen 2022 noch.
Autor
11.03.2023 14:56
Aktualisiert: 11.03.2023 14:56
Lesezeit: 2 min
Russland nutzt Dollar und Euro für Hälfte seiner Exporte
Russland hat 2022 für seine Exporte Dollar und Euro weiterhin in erheblichem Umfang genutzt. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Russland wickelte Ende 2022 immer noch fast die Hälfte seiner Exporte und Importe in Dollar und Euro ab. Allerdings ist der Anteil dieser Währungen, die von der russischen Zentralbank als "toxisch" bezeichnet worden sind, infolge der Sanktionen des Westens gegen Russland deutlich gesunken. Der Yuan und der Rubel haben dadurch bei der Abwicklung von Transaktionen stark an Bedeutung gewonnen.

Der Anteil der Zahlungen für Exporte in Dollar und Euro lag Ende letzten Jahres bei 48 Prozent, gegenüber 87 Prozent zu Beginn letzten Jahres. Der Anteil des chinesischen Yuan stieg in diesem Zeitraum von etwa 0,5 Prozent auf 16 Prozent, und der Rubel machte 34 Prozent aus, also fast das Dreifache seines früheren Anteils, wie aus einem Bericht der russischen Zentralbank vom Donnerstag hervorgeht.

Der Bericht der Bank Rossii vermittelt ein detailliertes Bild dessen, was die Zentralbank selbst als "umfassende strukturelle Transformation der russischen Wirtschaft" bezeichnet. Obwohl der Umfang des Außenhandels mit den Währungen sogenannter unfreundlicher Länder stark zurückgegangen ist, ist ihr Anteil von immerhin fast 50 Prozent laut der Bank von Russland immer noch "erheblich".

Die Sanktionen, die der Westen im Rahmen des Kriegs in der Ukraien gegen Russland verhängten, haben der russischen Zentralbank den Zugang zu etwa der Hälfte ihrer internationalen Währungsreserven genommen, sodass sie nur noch über Gold und chinesische Yuan verfügt. In den Jahren vor dem Krieg hatte die Notenbank ihre Dollar-Bestände erheblich reduziert. Andernfalls wäre der Verlust viel größer ausgefallen.

Die Maßnahmen des Westens zielten darauf ab, Russland von den internationalen Finanzmärkten zu isolieren. Sie führten zu einer Abwanderung ausländischer Investoren aus dem Land. Als Reaktion darauf hat die russische Zentralbank versucht, Unternehmen davon abzuhalten, "toxische" Dollar und Euro zu verwenden. Die Währungen anderer "befreundeter" Länder mit Ausnahme des Yuan machen nur 2 Prozent der Exportzahlungen aus.

Doch auch wenn Dollar und Euro im Außenhandel weiterhin große Bedeutung für Russland haben, so nimmt geht ihre Rolle in anderen Teilen der russischen Wirtschaft massiv zurück. Beim Handel an der Moskauer Börse machte das Volumen des Dollar-Rubels im vergangenen Monat nur noch 36 Prozent des Gesamtumsatzes aus, was nach Angaben der Zentralbank den niedrigsten Stand seit Jahren darstellt.

Bei den Importen entfielen im Dezember letzten Jahres noch 46 Prozent auf Dollar und Euro, gegenüber 65 Prozent im Januar letzten Jahres. Zugleich stieg der Anteil des Yuan von 4 Prozent auf 23 Prozent. Infolge der Abkehr vom Euro im Außenhandel, die größtenteils schon in der ersten Jahreshälfte 2022 stattfand, wurden 2022 sogar mehr russische Importe in der europäischen Währung bezahlt als russische Exporte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...