Finanzen

Kollaps der SVB: Liveticker zu den aktuellen Entwicklungen

Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank zieht weitere Kreise. Lesen Sie alle wichtigen Entwicklungen im Liveticker.
13.03.2023 09:51
Aktualisiert: 13.03.2023 09:51
Lesezeit: 7 min
Kollaps der SVB: Liveticker zu den aktuellen Entwicklungen
Die New Yorker Börse. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA sorgt weltweit für Unruhe. Es handelt sich um den größten Bankenkollaps seit der Finanzkrise von 2008. Weil das Institut auf die Finanzierung von Technologiefirmen spezialisiert war, stehen auch Startup-Unternehmen unter Druck. Es folgen aktuelle Entwicklungen:

16.53 Uhr - US-Anleger nehmen bei der First Republic Bank reißaus. Die Titel der US-Privatbank stürzen in der Spitze mehr als 75 Prozent ab. Nach dem "Bank Run" bei der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank (SVB) durch panische Großanleger fürchteten Börsianer bei dem regionalen Kreditgeber ebenfalls einen Abzug von Einlagen. Auch die Sicherung neuer Finanzmittel konnte die Anleger nicht beruhigen. First Republic sicherte sich am Sonntag eine zusätzliche Finanzierung durch JPMorgan und die US-Notenbank. Dadurch erhielt das Geldhaus Zugang zu insgesamt 70 Milliarden Dollar an Mitteln aus verschiedenen Quellen. Trotz der Finanzspritze stuften die Analysten von Raymond James die Aktie der Bank um zwei Stufen auf "market perform" herab und wiesen auf das Risiko von Einlagenabflüssen hin, das First Republic drohe. Die Bank sei zwar besser für mögliche Abflüsse gerüstet als vor der zusätzlichen Finanzierung, doch wenn es zu Nettoeinlagenabflüssen komme, werde dies die Ertragskraft von First Republic schmälern, konstatierte Raymond James-Analyst David Long. Händler und Analysten wiesen zugleich darauf hin, dass Anleger aus Panik Gelder von kleineren Kreditgebern zu den für sicherer gehaltenen Großbanken umschichten könnten. Weitere regionale Kreditgeber gingen auf Talfahrt und wurden zeitweise vom Handel ausgesetzt. So fielen die Anteilsscheine von Western Alliance zeitweise um fast 85 Prozent und von PacWest Bancorp um bis zu 59,5 Prozent, bevor der Handel aufgrund der Volatilität unterbrochen wurde. Der KBW-Regionalbankenindex fiel in der Spitze um 11,8 Prozent und brach damit stärker ein als der S&P 500-Bankenindex, der um rund acht Prozent nachgab.

15.15 Uhr - Bundesfinanzminister Christian Lindner lobt die amerikanische Regierung: Sie habe nach der Pleite der US-Bank SVB entschlossen gehandelt. In Deutschland beobachte unter anderem die Finanzaufsicht BaFin die Situation fortwährend. "An der Stabilität haben diese Institutionen keinen Zweifel gelassen", sagt Lindner in Brüssel vor einer Sitzung der Euro-Finanzminister.

15.00 Uhr - Die europäischen und spanischen Banken sind nach Einschätzung der Finanzministerin des Landes, Nadia Calvino, solide und breit aufgestellt. Das sollte uns zuversichtlich stimmen. Allerdings gebe es nach der Pleite der US-Bank SVB eine größere Schwankungen an den Finanzmärkten, sagt Calvino in Brüssel.

14.45 Uhr - EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sieht für Europa keine "reale Gefahr einer Ansteckung" nach der Pleite der US-Bank SVB. Die Situation müsse aber weiter beobachtet werden, sagt der Italiener in Brüssel vor dem monatlichen Treffen der Eurogruppe.

13.24 Uhr - Nach der Pleite des US-Start-Up-Finanzierers Silicon Valley Bank (SVB) rutschen die großen US-Banken weiter ab. Die Anteilsscheine von JPMorgan, Wells Fargo, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Bank of America fallen im vorbörslichen US-Handel zwischen 1,3 und 6,4 Prozent. Bei kleineren Banken sind die Anleger zum Teil noch nervöser. Die Aktien der US-Privatbank First Republic Bank brechen vorbörslich um mehr als 70 Prozent ein. Die Nachricht über eine neue Finanzierung konnte die Anleger nicht beruhigen. PacWest geben vorbörslich rund 26 Prozent nach.

13.00 Uhr - Sorgen um die Folgen des Kollaps der US-Startup-Finanzierungsbank Silicon Valley Bank (SVB) drücken die Commerzbank-Aktie auf ein Zwölf-Monats-Tief. Die Papiere verlieren bis zu 12,7 Prozent auf 9,96 Euro und sind damit Schlusslicht im Dax. Investoren fürchten, dass auf die Auflösung der SVB und der New Yorker Signature Bank trotz einer Sicherung der Kundeneinlagen durch US-Behörden die Insolvenz weiterer Geldinstitute folgen könnte.

12.07 Uhr - Der deutsche Lufttaxi-Entwickler Lilium Air Mobility und Kunde der Silicon Valley Bank erwartet keine Folgen im Zuge der SVB-Pleite. "Lilium rechnet mit keinen materiellen Auswirkungen auf den Betrieb oder auf die Liquidität," teilt eine Sprecherin mit. Remo Gerber, Ex-Chief Operating Officer bei Lilium, hofft, dass eine Krise im Tech-Sektor vermieden wird. "Sonst hätte man signifikante Entlassungen und Schlimmeres gesehen, wenn diese Unternehmen keinen Zugang zu ihren Geldern mehr hätten", erklärte Gerber der Nachrichtenagentur Reuters.

12.02 Uhr - Die Auswirkungen der SVB für deutsche Startups lassen sich dem Branchenverband bislang nicht abschätzen. Dessen Geschäftsführer Christoph Stresing äußerte sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass heimische Firmen mit einem blauen Auge davonkämen. "Das zügige und entschlossene Handeln der US-Behörden im Hinblick auf die Sicherung sämtlicher Einlagen wie auch der Kauf der Silicon Valley Bank UK durch die HSBC sind positive Entwicklungen, die einen wesentlichen Beitrag zur Entschärfung der aktuellen Situation leisten werden."

11.56 Uhr - Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) fürchtet erhebliche Auswirkungen durch die Pleite der SVB für US-Wagniskapitalgeber und die von diesen unterstützten Start-ups. "Der BVK beobachtet die Entwicklungen genau und analysiert eventuelle Auswirkungen auf seine Mitglieder", erklärt BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs. "Eine gut funktionierende Bankenaufsicht, die Risiken richtig abschätzt und solche Pleiten von vornherein verhindert, ist das Gebot der Stunde – auch hier in Deutschland. Der Fall Wirecard hat hier viele Fragen offen gelassen. Eine Reform der Bankenaufsicht scheint an einigen Stellen notwendig, die dann mit qualifiziertem Personal auch solche Pleiten verhindern kann."

11.52 Uhr - Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hält die Folgen der Pleite der amerikanischen Silicon Valley Bank (SVB) für die hiesigen Geldhäuser für eng begrenzt. "Die deutschen Banken sind robust, stabil und widerstandsfähig", so der BdB. "Sie haben ihr Kapital seit 2008 massiv aufgestockt." Seit der damaligen Finanzkrise sei die durchschnittliche Kernkapitalquote von 9,3 Prozent auf 15,8 Prozent gestiegen. "Die Silicon Valley Bank ist in Deutschland mit einer Zweigstelle vertreten, die keine Vollbanklizenz hatte", betont der Verband. "Durch den Zusammenbruch der Bank gibt es keine Auswirkungen auf das deutsche Bankensystem. Auch die deutsche Einlagensicherung ist nicht gefragt."

11.37 Uhr - Der Einlagensicherungsfonds der USA, FDIC, hat alle Einlagen der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank (SVB) auf eine neu gegründete Brückenbank übertragen. Zum Vorstandschef des Instituts wurde der Bankmanager Tim Mayopoulos berufen, wie die FDIC mitteilte. Er übernimmt das Amt, nachdem die Aufsichtsbehörden den auf Start-ups spezialisierten Kreditgeber am Freitag nach einem Ansturm auf dessen Einlagen geschlossen hatte. Mayopoulos ist gegenwärtig Präsident beim Software-Startup Blend Labs.

11.08 Uhr - Die in die Pleite gerutschte Silicon Valley Bank (SVB) ist in Hongkong nach Angaben der dortigen Bankenaufsicht nicht im lokalen Bankgeschäft tätig. Die SVB verfüge lediglich über eine Repräsentanz in Hongkong und habe keine Lizenz für das Kreditgeschäft, erklärte die Hong Kong Monetary Authority. Die kalifornische Bank sei zudem kein Emittent von Fonds und strukturierten Produkten für Privatkunden, hieß es von der Securities and Futures Commission (SFC). Beide Aufsichtsbehörden erklärten, sie würden die Situation weiter beobachten.

10.00 Uhr - Die Schwierigkeiten der Silicon Valley Bank und der Signature Bank könnten Volkswirten zufolge auf die US-Zinspolitik ausstrahlen. "Die straffen Zinserhöhungen der Fed haben offenbar zu Stress in den US-Bankbilanzen geführt", heißt es in einer Analyse der Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz. "Die offenkundigen Probleme einiger US-Banken setzen auch ein Fragezeichen hinter die für den 21./22. März anstehende Fed-Sitzung." Statt der bislang erwarteten Anhebung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt könnte die Notenbank Fed stattdessen nur um einen viertel Punkt nach oben gehen, "um nicht noch mehr Probleme im Bankenwesen hervorzurufen", so die Ökonomen. "Die Entwicklung der nächsten Tage dürfte weiteren Aufschluss erlauben."

10.38 Uhr - Die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin ordnet nach der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA ein Moratorium über die deutsche Zweigniederlassung in Frankfurt an. Die Aufseher begründeten die Entscheidung in der Mitteilung am Montag mit "der bestehenden Gefahr für die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber Gläubigern." Die Silicon Valley Bank in Frankfurt ist Bankpartner von deutschen Firmen, wie Hellofresh und Lilium. Bei den Bafin-Maßnahmen geht es um ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Zudem muss die deutsche SVB die Bank für den Verkehr mit der Kundschaft schließen. Die Bafin sieht jedoch keine Bedrohung durch die Notlage der SVB für die Finanzstabilität. Die Bilanzsumme der Zweigstelle in Frankfurt habe Ende 2022 bei 789,2 Millionen Euro gelegen. "Die Silicon Valley Bank Germany Branch hat keine systemische Relevanz."

10.15 Uhr - Der Finanzkrisenstab der Bundesbank berät über mögliche Auswirkungen des Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA. Das Gremium komme an diesem Montag zusammen, um die Situation zu analysieren und die möglichen Folgen für die deutsche Finanzbranche und die Finanzmärkte zu erörtern, sagte ein Bundesbank-Sprecher auf Anfrage. Der größte Kollaps eines Geldhauses seit der globalen Finanzkrise 2008 hatte weltweit Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst. Am Sonntag hatten US-Regulierer mit der in New York ansässigen Signature Bank ein zweites Finanzinstitut geschlossen. Die Bundesbank hat bereits seit der Finanzkrise für solche Situationen einen Finanzkrisenstab. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte als damaliger Leiter des Bereichs Märkte mitgewirkt, ihn einzurichten. In ihm sitzen unter anderem Vertreter der Fachbereiche Märkte, Aufsicht und Volkswirtschaft, um im Bedarfsfall die Lage zu erörtern.

09.15 Uhr - Der Zusammenbruch der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) stellt nach Einschätzung des französischen Finanzministers Bruno Le Maire kein Risiko für Frankreichs Bankensystem dar. "Wir beobachten die Situation in den USA, aber es gibt keinen spezifischen Alarm für das französische Bankensystem, das solide ist", sagte Le Maire dem Radiosender Franceinfo.

09.02 Uhr - Großbritanniens Finanzminister Jeremy Hunt sieht für das britische Bankensystem keine Gefahr durch den Kollaps der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB). "Das britische Bankensystem ist extrem sicher und gut kapitalisiert", sagte er vor Journalisten. Die Rettung der britischen Sparte der in die Pleite gerutschten SVB durch die Großbank HSBC sei nötig gewesen, um einige der strategisch wichtigsten britischen Technologieunternehmen zu schützen. "Wir waren mit einer Situation konfrontiert, in der einige unserer strategisch wichtigsten Unternehmen hätten vernichtet werden können, und das wäre extrem gefährlich gewesen."

04.51 Uhr - Der Krypto-Anbieter Circle erklärt, dass seine 3,3 Milliarden USDC-Reserve-Einlagen, die bei der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank gehalten werden, vollständig verfügbar sein werden, wenn die US-Banken am Montag öffnen. "Die USDC-Operationen von Circle werden für den Geschäftsbetrieb geöffnet, einschließlich einer neuen automatisierten Abwicklung über unsere neue Partnerschaft mit der Cross River Bank", schreibt Circle-Chef Jeremy Allaire auf Twitter. Auch die Kryptobörsen Kraken und Bitstamp teilten separat mit, dass Einzahlungen und Abhebungen wie gewohnt bearbeitet werden.

03.39 Uhr - Japan und China werden von dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank in den USA voraussichtlich nur geringfügig betroffen sein. Die japanischen Banken werden durch eine ausreichende Liquidität und Kapitalbasis unterstützt, erklärt der japanische Kabinettschef Hirokazu Matsuno Reportern. Auch chinesische Unternehmen bemühen sich, Kunden und Investoren zu beruhigen. Mehr als ein Dutzend in Hongkong gelistete Unternehmen haben sich inzwischen zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie keine oder nur geringe Engagements bei dem Geldhaus haben.

02.04 Uhr - US-Präsident Joe Biden will nach der Pleite der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) die Aufsicht und Regulierung großer Banken verstärken. "Ich bin fest entschlossen, die Verantwortlichen für diesen Schlamassel zur Rechenschaft zu ziehen und unsere Bemühungen um eine stärkere Aufsicht und Regulierung größerer Banken fortzusetzen, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten", teilt Biden mit. Er lobt in dem Zusammenhang die "sorgfältige Zusammenarbeit" des Finanzministers, des Nationalen Wirtschaftsrats und der Bankenaufsichtsbehörden, um die Probleme bei SVB und der Signature Bank zu lösen. "Das amerikanische Volk und die amerikanischen Unternehmen können darauf vertrauen, dass ihre Bankeinlagen verfügbar sind, wenn sie sie brauchen."

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