Deutschland

Rekord-Krankenstand belastet die deutsche Wirtschaft

Deutschland verzeichnet einen Krankenstand in Rekordhöhe. Dies kostete die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr einer Studie zufolge bis zu 42 Milliarden Euro.
14.03.2023 10:15
Lesezeit: 1 min

Grippe, Corona, Bronchitis: Der höchste Krankenstand seit der Wiedervereinigung durch Atemwegs- und Erkältungskrankheiten kommt die deutsche Wirtschaft einer Studie zufolge teuer zu stehen. Er dürfte im vergangenen Jahr rund 27 bis 42 Milliarden Euro gekostet haben, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Kieler Instituts für Volkswirtschaft (IfW) hervorgeht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hätte damit statt um 1,8 Prozent zwischen 2,5 und 2,9 Prozent zulegen können.

Demnach stieg der Krankenstand von gut 68 Stunden je Arbeitnehmer im Jahr 2021 sprunghaft auf gut 91 Stunden. "Seit der Wiedervereinigung ist dies der mit Abstand stärkste Anstieg des Krankenstands binnen eines Jahres und auch das höchste Krankheitsniveau", hieß es dazu. Ursache waren in erster Linie Atemwegsinfekte und Erkältungskrankheiten.

"Der außergewöhnlich hohe Krankenstand im vergangenen Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft zusätzlich zur Energiekrise erheblich belastet haben", sagte IfW-Arbeitsmarktexperte Dominik Groll. "Die Wirtschaftsleistung 2023 steht dadurch allerdings in einem vermeintlich besseren Licht da, weil der Anstieg nun etwas höher ausfällt, vorausgesetzt der Krankenstand nimmt im laufenden Jahr wieder ab."

Nach Prognose des IfW wird das BIP in diesem Jahr etwas über dem von 2022 liegen. "Die Folgen der Energiekrise werden durch den zwischenzeitlich starken Anstieg des Krankenstands weniger stark sichtbar", sagte Groll. "Statt zu stagnieren dürfte die Wirtschaft 2023 leicht zulegen, weil sie ein geringeres Niveau übertreffen muss, als es ohne den hohen Krankenstand der Fall gewesen wäre."

Ein erhöhter Krankenstand schlägt dem Institut zufolge nicht eins zu eins auf die Wertschöpfung durch. Ein Teil der Folgen wird durch Mehrarbeit von gesunden Beschäftigten aufgefangen, ein Teil des Arbeitsausfalls nach Genesung durch die Erkrankten selbst nachgeholt. Zudem ist in beiden Fällen eine erhöhte Arbeitsproduktivität durch eine erhöhte Arbeitsverdichtung wahrscheinlich, sodass pro Stunde Arbeit mehr produziert und erwirtschaftet wird. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Ölreserven vor dem Kipppunkt: IEA schlägt Alarm wegen neuer Ölpreisschocks
20.05.2026

Die weltweiten Ölreserven schrumpfen in einem Tempo, das selbst erfahrene Energiemanager alarmiert. Die IEA warnt vor knappen Beständen,...

DWN
Politik
Politik Drohnenalarm in Litauen: Staatsspitze in Sicherheit gebracht – Nato in Alarmbereitschaft
20.05.2026

Plötzlicher Luftalarm in der litauischen Hauptstadt sorgt für Unruhe: Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen, sogar die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Takata-Airbags zwingen BMW zu neuem Mega-Rückruf – was für Autofahrer jetzt wichtig ist
20.05.2026

Die Probleme rund um Takata-Airbags holen Millionen Autofahrer auch 2026 wieder ein. Nun muss BMW einen neuen Mega-Rückruf für...

DWN
Politik
Politik Putin bei Xi: Russland verspricht China stabile Energieversorgung in unsicheren Zeiten
20.05.2026

Während Konflikte im Nahen Osten die Weltmärkte verunsichern, setzen Moskau und Peking demonstrativ auf Zusammenarbeit. Putin lobt China...

DWN
Politik
Politik EU-USA-Zolleinigung: USA bekommen Zollvorteile unter Vorbehalt
20.05.2026

Mit einem neuen Kompromiss will die EU einen Handelskonflikt mit den USA verhindern. Doch die Einigung steht unter Vorbehalt, denn...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: UBS sieht trotzdem großes Potenzial für Goldpreisentwicklung
20.05.2026

Der Goldpreis steht am Mittwoch weiter unter Druck: Hohe US-Renditen, ein weiterhin starker Dollar und neue Zinssorgen verunsichern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Risiken für die Wirtschaft? Erzeugerpreise in Deutschland steigen so stark wie seit 2023 nicht
20.05.2026

Die deutschen Erzeugerpreise steigen überraschend stark – so kräftig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Vor allem geopolitische...

DWN
Panorama
Panorama Milliarden für den Zivilschutz: So will Deutschland künftig besser auf Krisen reagieren
20.05.2026

Deutschland will Milliarden in den Zivil- und Bevölkerungsschutz investieren. Neue Fahrzeuge, moderne Technik und mehr Personal sollen das...