Deutschland

Immobilien-Zinsen steigen über 4 Prozent

Immobilienkäufer müssen wieder höhere Zinslasten bei Krediten tragen. Hintergrund ist die Abkehr der Zentralbanken von ihrer extrem lockeren Geldpolitik.
14.03.2023 12:13
Aktualisiert: 14.03.2023 12:13
Lesezeit: 2 min
Immobilien-Zinsen steigen über 4 Prozent
Immobilie-Käufer müssen wieder mit deutlich gestiegenen Zinsen rechnen. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Wer eine Immobilie kaufen will, muss wieder mit deutlich gestiegenen Zinsen rechnen. Die Bauzinsen für zehnjährige Finanzierungen sind erneut über die Marke von 4 Prozent geklettert, wie Daten der Frankfurter FMH-Finanzberatung und des Kreditvermittlers Interhyp zeigen. Damit zogen die Zinsen für solche Darlehen nach einem Zwischentief im Januar bei gut 3,5 Prozent wieder spürbar an und erreichten den höchsten Stand seit Oktober, als sie schon einmal knapp über 4 Prozent gelegen hatten. Mit der Bankenkrise in den USA sehen Experten aber deutliche Schwankungen.

Die Zinsen für Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung lagen laut Interhyp zu Wochenbeginn bei 4,05 Prozent. «Wir erwarten für das laufende Jahr stark schwankende Zinsen in einem Korridor zwischen drei und vier Prozent, kurzzeitig auch darüber, so wie es gerade der Fall ist», sagte Privatkundengeschäft-Vorständin Mirjam Mohr.

Auch die FMH-Finanzberatung sieht die Zinsen für zehnjährige Kredite bei knapp über vier Prozent, rechnet aber mit deutlich mehr Druck nach oben. «Fünf Prozent bis Jahresende sind keine Schwarzmalerei, sondern eine realistische Prognose», sagt Gründer Max Herbst.

Die Aussicht auf weitere Leitzins-Erhöhungen der großen Zentralbanken im Kampf gegen die hohe Inflation haben das Zinsniveau an den Kapitalmärkten nach oben getrieben. So war die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen, an denen sich die Bauzinsen orientieren, Ende Februar auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen. Beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag rechnen Beobachter fest mit der nächsten Leitzinserhöhung.

Eine nennenswerte Abschwächung der Inflation sei nicht in Sicht, sagt Herbst. «Solange die Inflation kaum sinkt, bleibt der Druck auf die Bundesanleihen hoch.» Auch hohe Lohnabschlüsse in Tarifrunden sorgten für Preisauftrieb. Erst wenn die Inflation im Griff sei, dürften die Bauzinsen wieder deutlich fallen. Das Zeitalter extrem günstiger Immobilienfinanzierungen mit niedrigen Zinsen sieht Herbst beendet.

Zumindest kurzfristig gibt es aber Entspannung für Immobilienkäufer, denn mit der Bankenkrise in den USA haben die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zuletzt kräftig nachgegeben. «Die ersten Banken haben darauf reagiert und die Baufinanzierungszinsen schon wieder gesenkt», sagte Ingo Foitzik, Geschäftsführer Baufinanzierung beim Vergleichsportal Check24. Er rechnet mit weiteren starken Zinssenkungen diese Woche, bevor Baukredite in den kommenden Monaten mit weiteren Leitzinserhöhungen der EZB wieder teurer werden sollten.

Der rapide Anstieg der Bauzinsen seit Beginn des vergangenen Jahres hat Finanzierungen enorm verteuert und den jahrelangen Immobilienboom gestoppt - die Preise für Wohnungen und Häuser sind im Schnitt leicht gefallen. Zum Vergleich: Im Januar 2022 konnten Immobilienkäufer noch zehnjährige Finanzierungen zu unter einem Prozent Zins pro Jahr abschließen. Die schlechteren Konditionen führen dazu, dass die Monatsraten für Zins und Tilgung um Hunderte Euro höher liegen als zuvor, was den Immobilienkauf für viele Menschen unbezahlbar macht.

Der Zinsanstieg macht sich auch im Geschäft mit Baufinanzierungen bemerkbar, das seit vergangenem Frühjahr eingebrochen ist. Im Januar lag das Neugeschäft mit Hypothekendarlehen inklusive Verlängerungen nach Daten der Deutschen Bundesbank bei 12,7 Milliarden Euro - fast die Hälfte weniger als im Vorjahresmonat. Es handle sich um den schwächsten Jahresauftakt seit Beginn der Zeitreihen im Jahr 2003, kommentierte das Analysehaus Barkow Consulting. (dpa)

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