Finanzen

Gewerbeimmobilien-Risiken hoch auf der Sorgeliste von Banken

Lesezeit: 2 min
28.03.2023 17:00
Wie hoch ist das Risiko, dass US-Gewerbeimmobilienbesitzer ihre Kredite dieses Jahr nicht zurückbezahlen? Was wäre dann der „knock-on“ Effekt für Investoren in den deutschen Bank-Sektor?
Gewerbeimmobilien-Risiken hoch auf der Sorgeliste von Banken
Insolvenzen bei der US-Signature Bank und andere regionalen Banken haben den Druck auf den Bank-Sektor rasant erhöht. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Eine Rekordmenge an gewerblichen Hypotheken, die im Jahr 2023 auslaufen werden, wird die finanzielle Gesundheit kleiner und regionaler US-Banken - die nach den jüngsten Insolvenzen der Silicon Valley Bank und der Signature Bank schon unter starkem Druck stehen - erneut auf die Probe stellen.

Laut einer Analyse des Datenunternehmens Trepp Inc. halten kleinere Banken in den USA ungefähr 2,3 Billionen US-Dollar an gewerblichen Immobilienkrediten, einschließlich Hypotheken für Mietwohnungen.

Das sind fast 80 Prozent der von allen Banken gehaltenen gewerblichen Hypotheken.

Bloomberg News hatte bereits im Januar berichtet, dass Immobilienkredite in Höhe von fast 175 Milliarden US-Dollar in Schwierigkeiten geraten sind. Laut der finanziellen Nachrichtenagentur waren wegen den Auswirkungen von höheren Zinssätzen viele Immobilienmärkte weltweit fast eingefroren. Einige Kreditgeber hatten Kreditnehmer aufgefordert, Vermögenswerte entweder zu verkaufen oder eine Zwangsvollstreckung zu riskieren.

Eine Studie der internationalen Anwaltskanzlei, Weil, Gotshal & Manges, die ihren Sitz in New York hat, wiess darauf hin, dass die Notlagen im europäischen Immobiliensektor so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr waren - teilweise wegen einem Liquiditätsrückgang.

Kredite und der Pandemie-Effekt

Jetzt warnt die Wall Street Journal, dass, angesichts der aktuellen Turbulenzen im Bankensektor, Aufsichtsbehörden und Analysten sich zunehmend Sorgen machen über gewerbliche Immobilienkredite. Laut Branchenvertreter stehen insbesondere Kredite, die mit Bürogebäuden unterlegt sind, im Fokus.

Viele Wolkenkratzer, Gewerbeparks und andere Büroimmobilien haben während der Pandemiezeit an Wert verloren, weil ihre Mieter neue Strategien für Tele- und Hybridarbeitsplätze eingeführt haben. Außerdem haben hohe Zinssätze die Bewertungen von Gewerbeimmobilien in Mitleidenschaft gezogen. Viele Eigentümer mit variabel verzinsten Hypotheken müssen jetzt einen höheren monatlichen Schuldendienst zahlen, während Eigentümer mit Hypotheken mit festem Zinssatz die höheren Zinsen zu spüren bekommen werden, wenn sie eine Refinanzierung vornehmen müssen.

Datenunternehmen Trepp zufolge wird das Jahr 2023 entscheidend sein. Rund 270 Milliarden US-Dollar an gewerblichen Hypotheken in Besitz von US-Banken werden dieses Jahr auslaufen - die höchste Zahl, die jemals verzeichnet wurde.

Wenn diese Kredite zurückgezahlt werden, würde dies die Märkte beruhigen. Laut der Wall Street Journal, die sich auf Analysten bezog, könnte jedoch eine große Anzahl von Ausfällen US-Banken dazu zwingen, den Wert dieser und anderer Kredite zu senken.

Dies würde die Befürchtungen hinsichtlich der finanziellen Gesundheit des US-Bankensystems verstärken und könnte sich auch auf den Banken- und Immobiliensektor in anderen Weltmärkten auswirken, wie die jüngsten Fälle der Silicon Valley Bank und der Banken Credit Suisse und UBS zeigen.

Gute Nachricht in der schlechten Nachricht

Die gute Nachricht ist, dass die Banken in den letzten Jahren konservativer mit ihrer Kreditvergabe umgegangen sind als in der Zeit vor der Finanzkrise im Jahr 2008, so Frank Schiraldi, Aktienanalyst bei Investmentbank und Finanzdienstleistungsunternehmen Piper Sandler. Viele Gebäude könnten immer noch mehr wert sein als ihre Hypotheken, selbst wenn sie einen Wertverlust erleiden. „Es gibt noch ein anständiges Polster“, so Schiraldi.

Außerdem haben die staatlichen Aufsichtsbehörden den US-Banken Möglichkeiten gegeben, Verluste zu vermeiden, selbst wenn Kredite in Schwierigkeiten geraten und umstrukturiert werden. Viele der Leitlinien, denen die Federal Reserve und andere Aufsichtsbehörden folgen, wurden während der globalen Finanzkrise erlassen, um die Wirtschaft zu stützen.

Bloomberg zufolge könnte der aktuelle Rückgang der Transaktionen bei Gewerbe- und Wohnimmobilien wirtschaftliche Auswirkungen haben, und dies könnte wiederum ein Risiko für Arbeitsplätze weltweit sein. Andreas Dombret, der im Vorstand der Deutschen Bundesbank tätig war, wies darauf hin, dass Gewerbeimmobilien empfindlicher auf Wirtschaftslagen reagieren als andere Anlageklassen. „In der Vergangenheit, als die Blase in Immobilienmärkten platzte, hing dies sehr oft zusammen mit Gewerbeimmobilien, so Dombret.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weltraum-Bahnhöfe: Europas ehrgeizige Pläne für die Zukunft der Raumfahrt
21.04.2024

Auch in Deutschland ist die Begeisterung fürs Weltall, und wie man dort hinkommt, weit verbreitet. Wir reden heute nicht von Trekkies,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Comeback von Japan-Aktien: Neue Ära für Investoren?
21.04.2024

Der japanische Aktienmarkt erlebt derzeit ein erstaunliches Comeback. Doch hinter dem jüngsten Rekordhoch des Nikkei von 40.000 Punkten...

DWN
Politik
Politik Drohnen als neue Art der Kriegsführung - die Bundeswehr tut sich schwer damit
21.04.2024

Die Angriffe des Iran und die Verteidigung Israels haben endgültig deutlich gemacht, dass Kriege nicht mehr im Schützengraben geführt...

DWN
Technologie
Technologie KI-Revolution: Laut Studie Milliarden-Gewinne für deutsche Unternehmen
21.04.2024

Die Zukunft der deutschen Industrie wird durch Künstliche Intelligenz geformt: Eine Studie enthüllt nun ihre Auswirkungen - wie KI...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Repräsentantenhaus bewilligt Hilfe für Ukraine – Russland kritisiert
21.04.2024

Ein wichtiger Schritt im globalen Konflikt mit weitreichenden Folgen: Das US-Repräsentantenhaus hat ein neues Hilfspaket für die Ukraine...

DWN
Finanzen
Finanzen Drohende Parität: Euro könnte gegenüber Dollar weiter schwächeln
20.04.2024

Euro-Dollar-Wechselkurs vor Herausforderungen: Unterschiedliche Zinspolitik könnte Euro bis Jahresende weiter schwächen. Experten sehen...

DWN
Finanzen
Finanzen Gewinngrößen verstehen: Auf welches Ergebnis kommt es in der Analyse wirklich an?
20.04.2024

Für Investoren ist es wichtig, die verschiedenen Kennzahlen rund um das Ergebnis eines Unternehmens zu verstehen. Jede dieser Kennzahlen...

DWN
Politik
Politik ​​​​​​​„Russland kann weder bezwungen noch eingeschüchtert werden.“
20.04.2024

Sergej J. Netschajew, Botschfter der Russischen Föderation in Deutschland, äußert sich im Gespräch mit den Deutschen...