Deutschland

Gewerkschaft EVG will bundesweiten Bahnverkehr lahmlegen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen dürfte der bundesweite Bahnverkehr massiv gestört werden.
19.04.2023 09:00
Aktualisiert: 19.04.2023 09:10
Lesezeit: 2 min

Im Tarifstreit bei der Bahn will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zum zweiten Mal den Schienenverkehr bundesweit lahmlegen. Am Freitag von 03.00 bis 11.00 Uhr seien alle EVG-Mitglieder bei der Deutschen Bahn und in weiteren rund 50 Bus- und Bahn-Unternehmen zum Arbeitskampf aufgerufen, erklärte die EVG am Mittwoch. Damit müssen sich Reisende und Wochenend-Pendler wieder auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen. "Wir müssen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, die glauben, die Forderungen ihrer Beschäftigten ignorieren zu können", erklärten die beiden EVG-Tarifvorstände Cosima Ingenschay und Kristian Loroch.

Offen lässt die EVG derzeit noch einen Streikaufruf an die Belegschaft beim Bahnunternehmen Transdev. Denn dort werden am Mittwoch noch Verhandlungen geführt. Die Gewerkschaft setzt nach eigenen Angaben "ein deutliches Zeichen, dass wir nicht die Fahrgäste, sondern die Unternehmen treffen wollen, indem wir diesmal zu einem zeitlich befristeten Warnstreik in den frühen Morgenstunden aufrufen". Zu verantworten hätten dies die Arbeitgeber, die sich bislang konstruktiven Tarifverhandlungen verweigerten. "Ob dies der letzte Warnstreik in der Tarifrunde 2023 sein wird oder ob weitere folgen müssen, liegt an den Arbeitgebern", erklärten Ingenschay und Loroch. Die EVG gehe sehr verantwortungsvoll mit dem Streikrecht um.

Die Gewerkschaft verhandelt für rund 230.000 Beschäftigte bei den rund 50 Bahn- und Busunternehmen und pocht auf zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 650 Euro im Monat mehr. Der Staatskonzern Deutsche Bahn hatte fünf Prozent mehr und Einmalzahlungen von bis zu 2500 Euro angeboten.

Die EVG und Verdi für den öffentlichen Dienst hatten Ende März parallel am gleichen Tag gestreikt und damit fast alle öffentlichen Verkehrsmittel lahmgelegt. Im öffentlichen Dienst liegt mittlerweile ein Schlichterspruch vor, an dem sich auch die Deutsche Bahn (DB) orientieren will. Angeregt wurden Lohn-Erhöhungen im Gesamtvolumen von über zehn Prozent. Die Schlichter schlugen ein in mehreren Raten bis Februar 2024 ausgezahltes steuerfreies Inflationsausgleichsgeld von 3000 Euro vor, mit einer ersten Zahlung im Juni 2023.

Die EVG lehnte es ab, bei der DB einen Abschluss auf Basis des Schlichterspruchs für den öffentlichen Dienst zu erzielen. Man verhandle vielmehr für die Belegschaft von Bus und Bahn und erwarte deshalb, "dass von der Deutschen Bahn nicht Empfehlungen an andere Gewerkschaften abgeschrieben werden, sondern konkret auf unsere Forderungen eingegangen wird", sagte Loroch. Die Gespräche mit der Bahn gehen am Dienstag weiter.

Kurz vor dem Wochenende müssen sich neben Bahnreisenden auch Fluggäste auf Beeinträchtigungen einstellen. Denn Verdi will mit Streiks beim Luftsicherheitspersonal die Flughäfen Düsseldorf, Hamburg und Köln/Bonn am Donnerstag und Freitag bestreiken. Der Arbeitskampf gelte etwa für Beschäftigte, die Passagiere, Personal und Waren kontrollieren. Der Streik beginnt laut Verdi in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag und endet in der Nacht von Freitag auf Samstag. In Berlin haben zudem Vertreter der "Letzten Generation" Verkehrsbehinderungen angekündigt. Bekannt geworden sind die Aktivisten vor allem dadurch, dass sie sich auf Straßen festkleben, um gegen den klimaschädlichen Verkehr zu protestieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...