Deutschland

Zahl der Insolvenzen steigt auf breiter Front

Die Zahl der ordentlich gemeldeten Insolvenzen steigt. Eine Branche ist besonders stark betroffen.
19.04.2023 11:00
Aktualisiert: 19.04.2023 11:22
Lesezeit: 2 min

Bei den Firmenpleiten in Deutschland zeichnet sich wegen der wirtschaftlichen Flaute und steigender Zinskosten ein Anstieg ab. Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren lag im Februar um 13,2 Prozent über dem Vormonatsniveau, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im Februar habe es bereits eine Zunahme um 10,8 Prozent gegeben. Diese Statistik bildet nur Geschäftsaufgaben ab, die im Zuge eines Insolvenzverfahrens ablaufen - nicht jedoch solche aus anderen Gründen beziehungsweise vor Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten.

Der Verband der Insolvenzverwalter (VID) sieht ungeachtet der steigenden Zahlen keinen Grund zur Panik. "Der zuletzt deutliche Anstieg der Unternehmensinsolvenzen deutet im langjährigen Vergleich nur auf eine Normalisierung des Insolvenzgeschehens hin", sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering. "Dieses liegt aber schon lange auf niedrigem Niveau: Bereits vor der Corona-Pandemie ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen über ein Jahrzehnt kontinuierlich gesunken."

Trotz Corona- und Energiekrise lag die Zahl der Firmenpleiten 2020, 2021 und 2022 auf historisch niedrigem Niveau. Grund dafür waren umfangreiche staatliche Hilfen wie die teilweise Aussetzung der Insolvenzantragspflichten, die Ausweitung des Kurzarbeitergelds, finanzielle Hilfen sowie der Vollstreckungsstopp der Finanzbehörden und Krankenkassen. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Höhere Produktionskosten, wachsende Personalausgaben, deutlicher Zinsanstieg: Wegen schwieriger Rahmenbedingungen sagen Experten mehr Firmenpleiten in Deutschland voraus. Der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet in diesem Jahr eine Zunahme um 15 Prozent.

Die tatsächlich bei den Amtsgerichten beantragte Zahl der Unternehmensinsolvenzen lag im Januar bei 1271, wie das Statistikamt mitteilte. Das sind 20,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Dezember hatte der Anstieg bei 19,7 Prozent gelegen. Die meisten Unternehmensinsolvenzen entfielen zu Jahresbeginn auf das Baugewerbe mit 246 Fällen (+19,4 Prozent), das besonders unter den steigenden Zinskosten leidet.

Der Hinweis auf die steigenden Zinsen ist berechtigt, klammert aber einen weiteren sehr wichtigen Grund für die Misere im Baugewerbe komplett aus:

Lesen Sie dazu: Der wahre Grund für den Abschwung in der Baubranche

Danach folgte der Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 204 Verfahren (+27,5 Prozent). "Der Online-Handel und das veränderte Konsumverhalten der Kunden führen in vielen Fällen zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten", hieß es dazu beim VID. "Galeria Karstadt Kaufhof ist derzeit das prominenteste unter vielen Beispielen."

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im Januar gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Im Januar 2022 hatten die Forderungen mit gut 1,4 Milliarden Euro deutlich niedriger gelegen. Auch die Zahl der beantragten Verbraucherinsolvenzen legte im Januar zu, und zwar um 1,9 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Finanzen
Finanzen Prediction Markets: Der Machtkampf um ein neues Finanzsystem eskaliert
28.03.2026

Ein digitaler Milliardenmarkt wächst rasant und entzieht sich klassischen Regeln. Prediction Markets verbinden Wetten und Finanzgeschäfte...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnimmobilienmarkt: Wo Investoren jetzt und in Zukunft Rendite finden
28.03.2026

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt stabilisiert sich spürbar. Preise steigen wieder, Transaktionen nehmen zu und Kapital kehrt zurück. Doch...

DWN
Technologie
Technologie Neuer Skoda Epiq im Check: City-SUV mit cleveren Details kommt im Herbst
28.03.2026

Der Skoda Epiq will ab Herbst den Markt der günstigen Elektro-SUVs aufmischen. Mit viel Platz, cleveren Details und moderner Technik...

DWN
Politik
Politik Krieg im Iran: Rückenwind oder Risiko für Netanjahu?
28.03.2026

Israel steht erneut im Krieg mit dem Iran, während im Inland politische Spannungen wachsen. Viele Bürger unterstützen die Angriffe, doch...