Ratgeber

Tipps vom Steuerberater: So vererben Sie Millionendepots steuerfrei

Ein geerbtes Wertpapierdepot kann zu einer wahren Steuerfalle werden. Doch wer rechtzeitig vorsorgt, kann sogar Millionendepots steuerfrei vererben. Wir haben mit einem Steuerberater gesprochen.
Autor
21.05.2023 09:54
Aktualisiert: 21.05.2023 09:54
Lesezeit: 3 min
Tipps vom Steuerberater: So vererben Sie Millionendepots steuerfrei
Wer ein Wertpapierdepot erbt, muss eventuell Kapitalertragssteuern bei einem etwaigen Verkauf oder Erbschaftsteuer bezahlen. (Foto: iStock.com/Stadtratte)

Das Vererben von Wertpapierdepots ist nicht ganz einfach und kann zur Kostenfalle werden. Die Erbschaftssteuer bemisst sich nämlich nach den Kursen am Todestag des Erblassers. Fallen die Kurse anschließend und kommen die Erben nicht sofort an ein Depot heran, können sie die Wertpapiere womöglich nur noch zu einem sehr geringen Kurs verkaufen, um die Erbschaftsteuer zu begleichen.

Um das zu verhindern, empfiehlt Frank Hansen von der Steuerberatungsgesellschaft ttp im DWN-Gespräch, eine Vorsorgevollmacht ausstellen zu lassen. Der Bevollmächtigte könne im Notfall die Wertpapiere verkaufen. „Die Vollmacht sollte nur auf eine Person ausgestellt sein, am besten auf den Erben“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Verbands vermögensberatender Steuerberater.

Bei einer gemeinschaftlichen Vollmacht könne die Bank verlangen, dass die weiteren Bevollmächtigten vor Ort einem Wertpapiergeschäft zustimmen. „Der Regelfall ist eine Vollmacht über den Tod hinaus, die dem Bevollmächtigten im Geschäftsverkehr mit der Bank freie Hand lässt“, erklärt Hansen. Es gebe aber auch beschränkte Vollmachten, die etwa mit dem Tod erlöschten oder erst dann in Kraft treten würden. Beschränkte Regelungen würden aber rasch kompliziert.

Vollmacht der Bank vorlegen

Ein Notar sollte die Vollmacht aufsetzen. „Notarielle Vollmachten finden höhere Akzeptanz“, erklärt Hansen. Die Notarkosten würden sich an der Vermögenshöhe bemessen und lägen bei circa 400 Euro für Erbschaften um die 200.000 Euro und bei circa 2000 Euro für ein Vermögen von 1,2 Millionen Euro.

Erblasser sollten Vollmachten der Bank zur Prüfung vorlegen. „Man sollte nachhaken, ob die Bank die Vollmacht anerkennt und ob ein Erbe frei agieren könnte“, sagt Hansen. Banken hätten voneinander abweichende Geschäftsbedingungen, wie mit Depots von Verstorbenen umzugehen sei.

Hansen zufolge gibt es legale Steuertricks, um Erbschaftsteuern deutlich zu senken oder sogar auf null zu reduzieren. Eine Option sei ein Nießbrauchdepot. Dabei gehe das Eigentum am Vermögensstock an das Kind über, während Erträge wie Zinsen oder Dividenden weiter an den ursprünglichen Eigentümer fließen. „Das Kind hat keinen Zugriff auf das Nießbrauchdepot“, erklärt Hansen.

Das Finanzamt zieht daher den Wert des Nießbrauchs – also des Rechts, die Erträge des Depots zu verwenden – vom Depotwert ab und besteuert bloß die Differenz. „Ein 50-Jähriger kann unter Umständen sein Zwei-Millionen-Depot steuerfrei an sein Kind schenken“, erklärt Hansen. Der Nießbrauch könne in diesem Fall bis zu 1,6 Millionen Euro betragen. Dadurch müsse das Kind bloß noch 400.000 Euro versteuern. 400.000 Euro seien aber bei Schenkungen und Erbschaften an das eigene Kind steuerfrei.

Eine weitere Steuervermeidungsstrategie sei ein sogenanntes Depot im Versicherungsmantel. „Dabei handelt es sich vom Charakter her um eine Risikolebensversicherung, aber das Wertpapiervermögen befindet sich in einem Depot im Zugriff des Kunden und nicht bei einer Versicherungsgesellschaft“, erklärt Hansen.

Durch den Versicherungsmantel würden Abgeltungssteuern gestundet. Diese würden im Depot verbleiben und könnten zusätzliche Erträge abwerfen. Außerdem würde beim Verkauf bloß die Hälfte aller Erträge unter die Steuerbelastung fallen, wenn man mindestens 62 Jahre alt sei und den Versicherungsmantel mindestens zwölf Jahre gehalten habe.

Millionendepots steuerfrei vererben

Die Steuervorteile des Depots im Versicherungsmantel würden im Todesfall auf den Erben übergehen. Dadurch spare auch der Erbe Abgeltungssteuern. „Das Depot lohnt sich für Vermögen ab circa 250.000 Euro“, sagt Hansen. Allerdings müssten Anleger auf das Geld mindestens zwölf Jahre lang verzichten. Die laufenden Kosten lägen bei circa 0,5 Prozent pro Jahr, wobei im Depot günstige Produkte wie ETFs liegen könnten.

Einen Preisvergleich verschiedener Anbieter ist Hansen nicht bekannt. „Anleger können sich von der Private-Banking-Abteilung der Hausbank ein Angebot machen lassen“, erklärt der Certified Financial Planner.

Daneben rät Hansen, die Freibeträge der Erbschaftssteuer auszuschöpfen. Diese erneuern sich alle zehn Jahre und liegen bei 500.000 Euro für den Ehepartner, 400.000 Euro für Kinder, 200.000 Euro für Enkel, 100.000 Euro für Eltern und Großeltern sowie 20.000 Euro für entfernte Verwandte und Freunde.

Außerdem sollten die Erben prüfen, ob Bezugsrechte oder Nießbrauchrechte auf das Depot bestünden. Bei einem Schweizer Depot solle man schauen, ob die Kapitalerträge in Deutschland gemeldet wurden. „Ansonsten ist eine Selbstanzeige beim Finanzamt nötig.“

Der Erbe solle zudem prüfen, ob der Erblasser die Depotbank gewechselt habe. Womöglich seien die Verluste nicht über eine Verlustbescheinigung übertragen worden. „Ohne Verlustübertrag kann es passieren, dass die Depotbank zu hohe Kapitalerträge an das Finanzamt meldet“, erklärt Hansen. Dadurch setze das Finanzamt die Erbschaftssteuer zu hoch an. Erben sollten im Zweifel eine Verlustbescheinigung von der vorherigen Depotbank einholen. Die Depotbank ist verpflichtet, eine Kontrollmitteilung an das Finanzamt zu tätigen, sobald sie vom Tod des Depotinhabers erfährt.

Hansen empfiehlt, das letztendliche Testament erst mit Mitte oder Ende sechzig notariell aufsetzen zu lassen. „Der Notar rechnet nach dem Gegenstandswert ab, der Rechtsanwalt nach Stunden. Beim Notar kann ein Testament daher rasch mehrere tausend Euro im Falle eines Millionenvermögens kosten“, erklärt Hansen. Zuvor solle etwa ein Familienvater mithilfe eines Anwalts ein Testament verfassen.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...