Technologie
Anzeige

DWN-Exklusiv-Interview: „Es wird weiterhin Versuche geben, Bewusstsein künstlich herzustellen“

Weist uns Künstliche Intelligenz den Weg in eine bessere Zukunft? Oder erhöht sie den Grad der Fremdbestimmung der Menschen mit potenziell gravierenden gesellschaftlichen Folgen. Alles ist möglich, doch wichtig ist es, sich klar zu machen, was KI kann, was sie können wird – und was nicht.
23.05.2023 12:07
Aktualisiert: 23.05.2023 12:07
Lesezeit: 2 min
DWN-Exklusiv-Interview: „Es wird weiterhin Versuche geben, Bewusstsein künstlich herzustellen“
Man darf ja wohl noch träumen - oder nicht? Die Forschung, ob KI dazu in der Lage sein kann, steckt noch in den Kinderschuhen. (Foto: dpa) Foto: Philipp von Ditfurth

Darüber sprachen die Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit der Autorin Manuela Lenzen, deren neues Buch „Der elektronische Spiegel“ am 12. Mai im C. H. Beck Verlag erschien. Und über die Frage, was uns die Ergebnisse der KI-Forschung über unsere eigene Intelligenz verraten.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: In Ihrem Buch „Der elektronische Spiegel“ geht es um menschliche und künstliche Intelligenz gleichermaßen: Sie beschreiben, wie und unter welchen Grundannahmen man Künstliche Intelligenz zu schaffen sucht und welche Rückschlüsse das wieder auf die Intelligenz lebender Organismen erlaubt. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Manuela Lenzen: Ein Ergebnis ist, dass noch nicht feststeht, ob es gelingen wird, wirklich überzeugende künstliche Intelligenz durch immer mehr Daten und immer stärkere Rechner zu realisieren, oder ob nicht noch einmal ein ganz anderer Ansatz nötig ist. Bislang fallen die großen Sprachmodelle, zu denen etwa auch ChatGPT gehört, damit auf, dass sie immer wieder auch falsche oder unpassenden Antworten geben, die zeigen, dass sie nicht verstehen, was sie da von sich geben. Derzeit werden verschiedene Strategien erprobt, um das zu ändern. Man versucht etwa, diese Systeme mit Datenbeständen zu koppeln, mit deren Hilfe sie Aussagen überprüfen können und dann auch die Quellen für ihre Antworten nennen. Eine Frage ist, wie weit das als Ersatz für Verstehen im menschlichen Sinne funktioniert – eine andere, was diesen Systemen denn fehlt, um die Welt so zu verstehen, wie der Mensch. Der Mangel an Daten oder Rechenkraft ist es offensichtlich nicht. Da rücken dann andere Faktoren und ihre Bedeutung für Intelligenz in den Fokus, etwa der Körper mit seinen Sinnesorganen, der die Daten so vorfiltert, dass unser Gehirn damit etwas anfangen kann, und die Umwelt, in der wir leben, die viele Informationen für uns bereithält, die wir nicht im Kopf haben müssen. Uns fällt etwa wieder ein, wo wir abbiegen müssen, wenn wir an der richtigen Stelle sind. Und wir erkennen einen 50-Euro-Schein, obwohl wir nicht in der Lage sind, ihn aus dem Kopf im Detail zu zeichnen. Dazu kommen unsere Sozialkontakte, Mitmenschen, mit denen wir interagieren, die uns helfen und unser Verhalten kommentieren. Menschen durchlaufen, anders als künstliche Systeme, zudem eine Kindheit, in der sie Schritt für Schritt lernen, was es so alles gibt in der Welt und was man tun kann. Wenn man sich die menschliche Intelligenz genauer ansieht, stellt man fest, dass es viele Dinge gibt, von denen nicht klar ist, ob man sie ungestraft ignorieren kann, wenn man ein künstliches intelligentes System bauen will. So führen die Bemühungen um künstliche Intelligenz dazu, die natürliche nochmal neu in den Blick zu nehmen.

***

Manuela Lenzen schreibt als freie Journalistin und Sachbuchautorin vor allem über Kognitionsforschung und Künstliche Intelligenz. Ihr neues Buch „Der elektronische Spiegel“ erscheint am 12. Mai im C. H. Beck Verlag.


DWN
Technologie
Technologie KI-Wasserzeichen: Claude wird unsichtbar markiert und Unternehmen müssen reagieren
12.08.2026

Claude soll künftig unsichtbare Spuren in Texten und Dateien hinterlassen. Anthropic reagiert damit auf neue Vorgaben des EU AI Act, doch...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wagenknecht könnte AfD zur Macht verhelfen
12.08.2026

Knapp vier Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen weit vorn. Und das BSW kann sich Hoffnung auf den Sprung über...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues DAX-Rekordhoch: Warum Anleger Deutschlands Krise ignorieren
12.08.2026

Deutschlands Industrie verliert Arbeitsplätze, Investitionen fehlen und die Konjunktur kommt kaum vom Fleck. Trotzdem jagt der DAX von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Arbeitszeit pro Kopf sinkt leicht - Ältere arbeiten mehr
12.08.2026

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf ist besonders bei Männern und Jüngeren gesunken. Bei Frauen hingegen blieb sie stabil. Woran...

DWN
Politik
Politik Städtetags-Präsident warnt Bundesregierung: "Stimmung in den Rathäusern explosiv"
12.08.2026

Die Kommunen stehen finanziell unter Druck. Die Stimmung in den Rathäusern sei noch nie so schlecht gewesen, heißt es vom Städtetag. Er...

DWN
Technologie
Technologie ChatGPT & Co: Welche Risiken Unternehmen im E-Commerce drohen
12.08.2026

Die Spielregeln im Handel ändern sich radikal: Kunden verlagern ihre Suche in KI-Interfaces, Kaufentscheidungen treffen bald autonome...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
12.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...