Politik

Frankreich kann weitere Herabstufung vorerst vermeiden

Präsident Macron kann aufatmen. S&P Global hat auf eine Herabstufung Frankreichs verzichtet. Doch der Ausblick bleibt negativ, denn die Schulden werden immer teurer.
Autor
03.06.2023 16:14
Aktualisiert: 03.06.2023 16:14
Lesezeit: 2 min
Frankreich kann weitere Herabstufung vorerst vermeiden
Macron hat enorme Ausgaben getätigt. Dennoch erhält Frankreich vorerst ein unverändertes Rating von S&P. (Foto: dpa) Foto: Carl Court

S&P Global Ratings hat die Kreditwürdigkeit von Frankreich erneut mit AA bewertet, auch weil seine wohlhabende Wirtschaft und seine starken Institutionen dieses Rating untermauern würden. Zuvor hatte Fitch Ratings Frankreich Ende April herabgestuft und Scope Ratings letzte Woche seine Bewertung mit einem negativen Ausblick versehen. Doch nun konnte Präsident Emmanuel Macron die Investoren offenbar davon überzeugen, dass er die massive Schuldenlast des französischen Staates in den Griff bekommen wird. Der Ausblick für das Rating bleibt aber nach wie vor negativ.

"Der negative Ausblick spiegelt unsere Ansicht von Abwärtsrisiken für unsere Prognose für Frankreichs öffentliche Finanzen angesichts der bereits hohen Staatsverschuldung wider", so die Analysten des Ratingunternehmens. "Wir könnten unsere Sovereign Ratings für Frankreich innerhalb der nächsten 18 Monate herabsetzen, wenn die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP in den Jahren 2023-2025 nicht stetig sinkt oder die Zinsausgaben des Staates auf über 5 Prozent der Einnahmen ansteigen."

Aber nicht nur die Ratingagenturen, sondern auch die Franzosen selbst sind besorgt über die Entwicklung. Laut einer Umfrage für die Zeitung Les Echos in dieser Woche halten 76 Prozent der Franzosen einen Abbau der Staatsverschuldung für dringend erforderlich. Macron hat in den letzten Jahren enorme Ausgaben getätigt, und die steigenden Zinssätze werden die Kosten für den Schuldendienst bis 2027 um mehr als 50 Prozent auf 70 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen lassen, so die eigenen Prognosen der Regierung.

S&P hat seine Prognose für das Haushaltsdefizit im Zeitraum von 2023 bis 2025 von 4,9 Prozent auf 4,6 Prozent des BIP nach unten korrigiert und geht nun davon aus, dass das Defizit im Jahr 2026 sogar nur bei 3,8 Prozent liegen wird. Dies sei hauptsächlich auf die überarbeitete Haushaltskonsolidierungsstrategie der Regierung zurückzuführen, sagt S&P. "Wir gehen davon aus, dass die gesamtstaatliche Bruttoverschuldung über 110 Prozent des BIP bleiben wird, mit einem anhaltenden, wenn auch sinkenden primären Haushaltsdefizit."

Die Ratingagenturen weisen auch darauf hin, dass der zunehmende politische Gegenwind Macron daran hindern könnte, unpopuläre Reformen fortzusetzen, die er für notwendig hält, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Schuldenquoten zu senken. S&P sagte, dass das Fehlen einer absoluten Mehrheit im französischen Parlament seit Mitte 2022 die Umsetzung der Politik erschweren könnte. Während die Anfang des Jahres verabschiedete Rentenreform die Staatsfinanzen stützen sollte, könnten die Massenproteste es Macron erschweren, parlamentarische Mehrheiten für künftige Gesetze zu finden.

Finanzminister Bruno Le Maire sagte, die Entscheidung von S&P sei ein "positives Signal" für Frankreich. "Mehr denn je ist es unser Ziel, den Schuldenabbau in Frankreich zu beschleunigen", sagte er der französischen Zeitung JDD. Die Regierung werde weiterhin schwierige und notwendige Reformen wie die jüngste Rentenreform vorantreiben. Eine Konferenz über öffentliche Ausgaben werde am 19. Juni "mehrere Milliarden Euro" an zusätzlichen Einsparungen identifizieren, sagte Le Maire. Frankreich müsse mit aller Entschlossenheit an seiner Strategie zum Schulden- und Defizitabbau festhalten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

DWN
Immobilien
Immobilien Baubranche: Iran-Krieg lässt Kosten für Hausbauer steigen
24.04.2026

Beton, Stahl, Dämmstoffe: Viele Baumaterialien haben sich mit dem Krieg im Nahen Osten deutlich verteuert. Das belastet Hausbauer. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Druschba-Pipeline im Fokus: Russland greift in Öltransport ein
24.04.2026

Russland verschärft den Druck auf Europas Energieversorgung und rückt eine zentrale Pipeline erneut ins Zentrum geopolitischer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa streicht freien Handgepäckkoffer
24.04.2026

Neuer Spartarif bei Lufthansa: Nur noch ein kleiner Rucksack oder eine Laptop-Tasche gratis – wer mehr will, zahlt drauf. Was das für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenhaftung nach Fehlurteil: Stiftung Warentest unterliegt vor Gericht
24.04.2026

Ein fehlerhaftes Testurteil kommt die Stiftung Warentest teuer zu stehen: Das Oberlandesgericht Frankfurt hat dem Rauchmelder-Hersteller...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ritter Sport: Schokoladenhersteller erstmals von Stellenabbau betroffen
24.04.2026

2025 war kein einfaches Jahr für den Schokoladenhersteller Ritter Sport. Hohe Kosten für Kakao, Energie und Logistik drückten die Firma...

DWN
Technologie
Technologie KI als Jobvernichter: Welche Jobs gefährdet sind und welche nicht
24.04.2026

Künstliche Intelligenz macht viele Arbeitsplätze überflüssig. Doch nicht alle Branchen sind betroffen und es entstehen auch ganz neue...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach und Ölpreis schießt in die Höhe, da die Spannungen um Hormus steigen
23.04.2026

Ein turbulenter Handelstag wirft Fragen auf: Erfahren Sie, welche treibenden Kräfte die globalen Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Energiepläne der EU: Unsicherheit im Markt für Solaranlagen und Wärmepumpen
23.04.2026

Die EU-Energiepolitik setzt verstärkt auf Förderprogramme für Wärmepumpen und Solaranlagen, doch in der Installationsbranche wächst...