Deutschland

Hamburg: Dort sind die Menschen am glücklichsten

Laut einer Umfrage haben die Bürger in Hamburg die höchste Lebenszufriedenheit unter den deutschen Großstädten, gefolgt von zwei anderen großen Metropolen. Ganz unten in der Umfrage-Rangliste sind zwei ostdeutsche Städte. Weshalb die Unterschiede?
13.06.2023 16:59
Aktualisiert: 13.06.2023 16:59
Lesezeit: 2 min

Hamburg ist die glücklichste Großstadt Deutschlands, dicht gefolgt von Frankfurt und München. In diesen drei Städten sind die Bewohner sehr zufrieden mit, unter anderen, ihrem Einkommen, die Bewertung der Stadt als Wirtschaftsstandort und die Arbeit der öffentlichen Verwaltung.

Anders sieht es aus in Leipzig, Dresden und Bremen. Der SKL-Glücksatlas Umfrage zufolge ist hier die Lebensunzufriedenheit unter den Menschen am höchsten. Für die aktuelle Umfrage wurden Menschen zwischen dem Alter 16-74 Jahren befragt. Insgesamt 3.001 Einwohner aus 12 Großstädten in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig, Dresden, Hannover, Bremen und Essen nahmen teil.

„Der Unterschied zwischen dem Schlusslicht Leipzig und dem Spitzenreiter Hamburg beträgt 0,72 Punkte. Das ist viel“, so Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg, der das SKL-Großstädte Ranking durchgeführt hat. „Besonders wichtig für die Zufriedenheit sind die Höhe der Einkommen, die persönliche Gesundheit, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger und die Arbeit der öffentlichen Verwaltung“.

In der Umfrage von insgesamt 12 Großstädten geht zum Beispiel hervor, dass die Menschen in Berlin (Platz vier) zwar zufrieden sind mit ihrem Einkommen und Arbeitsleben, aber unzufrieden mit der Stadtverwaltung.

Einkommen und Zufriedenheit

Ein weiterer Vergleich ist die Einkommenszufriedenheit: Bei der Hafenmetropole Hamburg liegt Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei 64.000 Euro verglichen mit 38.000 Euro bei dem Schlusslicht Leipzig.

Doch die Gleichung "Einkommen gleich Zufriedenheit" gilt jedoch nicht uneingeschränkt, so die Umfrage. Es gäbe Ausnahmen: Obwohl Düsseldorf (Platz 6) und Stuttgart (Platz 9) wohlhabend sind, sind die beiden Städte nur mittelmäßig zufrieden. „Die Ursache liegt in einer unzureichenden Reaktion der Städte auf die Folgen der Wohlstandsentwicklung. Je wohlhabender eine Stadt, desto höher sind die Mietpreise, desto größer die Ungleichheit der Vermögen, desto dichter der Verkehr“, sagt Raffelhüschen.

Frankfurt am Main habe darauf mit dem Ausbau einer umweltfreundlichen Infrastruktur für Fußgänger, Fahrradfahrer und den öffentlichen Verkehr reagiert. In Düsseldorf gäbe es laut Statistik überdurchschnittlich viele Verkehrsunfälle und Staus, und das Radwegenetz sei nur mäßig ausgebaut. Die Einwohner Düsseldorfs sind mit ihrer Verkehrsinfrastruktur daher unzufrieden, während die Frankfurter zufriedener sind.

Andere Gründe für Zufriedenheitsunterschiede

Aus der Umfrage geht hervor, dass die Hamburger die Attraktivität der Stadt als Wirtschaftsstandort mit dem Topwert von 7,0 Punkten bewerten, während die Leipziger ihrem Wirtschaftsstandort eine durchschnittliche Note von 6,55 Punkten geben. „Dass diese Bewertung trotz geringerem Einkommen (und Steuereinnahmen) nicht schlechter ausfällt, hängt mit dem Ruf Leipzigs als dynamisches Industriezentrum mit niedriger Arbeitslosigkeit zusammen“, kommentierte Raffelhüschen.

Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger

Weitere wichtige Gründe für die Zufriedenheitsunterschiede in der Umfrage waren das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger und die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung.

Laut der Umfrage wird das Zusammengehörigkeitsgefühl umso stärker empfunden, wenn Menschen sich sicher und entspannt in ihrer Stadt bewegen können, wenn die Nachbarschaft funktioniert und Einwohner in Vereinen oder ehrenamtlich engagiert sind. „Tendenziell gilt, dass Städte (etwa wie Leipzig, Berlin, Bremen und Essen), deren Bürger mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl unzufrieden sind, auch mit der Verwaltung und mit der Sicherheitslage ihrer Stadt unzufrieden sind“, so die Ergebnisse.

Die Zufriedenheit mit der Stadtverwaltung sei aber auch von der Steuerkraft und den Sachinvestitionen der jeweiligen Städte abhängig. Je wohlhabender eine Stadt (wie zum Beispiel Frankfurt, Hamburg oder München), desto mehr kann in Krankenhäuser, Schulen und Straßen investiert werden und die Bedürfnisse der Bürger können berücksichtigt werden.

In einer separaten Economist-Studie, die vor Kurzem erschienen ist und die Lebensqualität in europäischen Großstädten untersucht hat, gab es große Unterschiede zwischen Ost- und West-Europa. Unter den Top 10 Städten waren drei deutsche Großstädte - Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik Grenzkontrollen: Gericht erklärt Kontrollen für rechtswidrig – sie finden dennoch weiterhin statt
02.07.2026

Das Verwaltungsgericht München hat deutsche Grenzkontrollen in drei Fällen nachträglich beanstandet. Trotz des Urteils müssen...

DWN
Panorama
Panorama Informationsfreiheit: Bundesregierung will Anfragen deutlich einschränken
02.07.2026

Die Bundesregierung plant strengere Regeln für den Zugang zu amtlichen Informationen. Künftig sollen offenbar nur noch Privatpersonen...

DWN
Politik
Politik Staatlichen Wohnungsbaugesellschaft soll kommen: Koalition stoppt Enteignungspläne bei Mietwohnungen
02.07.2026

Die Bundesregierung will den Wohnungsbau ankurbeln und zugleich private Eigentümer vor Verstaatlichung schützen. Statt großer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bauern in Sorge: Hitze und Kosten belasten Weizenernte
02.07.2026

Deutschlands Bauern blicken mit Sorge auf die laufende Ernte. Nach der extremen Hitze im Juni drohen vor allem beim Weizen Einbußen bei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Niederlage vor EuGH: Google muss EU-Rekordstrafe zahlen
02.07.2026

Warum sind bestimmte Google-Apps auf Android-Handys Standard? Der Tech-Gigant muss eine milliardenschwere Wettbewerbsstrafe der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Halbleiterwerk von Infineon in Dresden schafft 1.000 Jobs
02.07.2026

Fünf Milliarden Euro, 1.000 Jobs und Chips für die KI-Revolution: Das ist die neue Infineon-Fabrik. Von einem Meilenstein für ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsprüfung: Wie digitale Steuerprozesse Unternehmen schützen
02.07.2026

Die Prüfungsanordnung kommt meistens ohne Vorwarnung. Wer dann digitale Belege in E-Mail-Postfächern zusammensuchen und mündliche...

DWN
Politik
Politik Reformpläne vorgestellt: "Kein großer Wurf", sondern ein "mutloser Hopser"
02.07.2026

Mini-Maßnahmen werden als "Reformpaket" verkauft - zu Lasten nicht nur der Arbeitnehmer. Und was soll die Abschaffung der telefonischen...